Die Stadt Dresden vergibt ihren renommierten Friedenspreis 2024 an Marta Lempart, eine führende polnische Frauenrechtsaktivistin. Der Stadtrat entschied sich am Donnerstag mit deutlicher Mehrheit für die Mitbegründerin der «Allpolnischen Frauenstreikbewegung». Die Auszeichnung würdigt ihren unermüdlichen Einsatz für Frauenrechte und demokratische Werte in Polen.
Lempart steht seit 2016 an der Spitze von landesweiten Protesten gegen die restriktive Abtreibungsgesetzgebung in Polen. Als das polnische Verfassungsgericht 2020 Schwangerschaftsabbrüche selbst bei schweren Fehlbildungen des Fötus untersagte, führte sie hunderttausende Menschen auf die Straßen. Diese Massenproteste gelten als größte Demonstrationen in Polen seit dem Ende des Kommunismus.
«Marta Lempart verteidigt mit außerordentlichem Mut demokratische Grundwerte gegen autoritäre Tendenzen», erklärte Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert. «Ihr Engagement für Frauenrechte ist gleichzeitig ein Kampf für die Demokratie in ganz Europa.»
Die Preisverleihung findet traditionell am 13. Februar 2025 statt, dem Jahrestag der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg. Das Datum hat für die Stadt eine besondere symbolische Bedeutung als Mahnung gegen Krieg und Gewalt. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert.
Die Entscheidung fiel jedoch nicht einstimmig. Die AfD-Fraktion im Stadtrat stimmte gegen die Auszeichnung und kritisierte die Wahl als «zu politisch». Mehrere Stadträte betonten hingegen, dass Lemparts Arbeit genau im Geist des Friedenspreises stehe, der Persönlichkeiten ehrt, die sich für Menschenrechte und Demokratie einsetzen.
Der Dresdner Friedenspreis wurde erstmals 2010 vergeben und zählt zu den wichtigsten kommunalen Auszeichnungen dieser Art in Deutschland. Frühere Preisträger waren unter anderem der Kriegsfotograf James Nachtwey und die Menschenrechtsaktivistin Şebnem Korur Fincancı.
Lempart selbst reagierte bewegt auf die Nachricht: «Diese Auszeichnung gehört allen polnischen Frauen, die für ihre Grundrechte kämpfen. Der Kampf für Frauenrechte ist immer auch ein Kampf für den Frieden und die Demokratie.»
In Polen sieht sich die Aktivistin weiterhin massiver Kritik von konservativen und rechtspopulistischen Kreisen ausgesetzt. Gegen sie laufen mehrere Verfahren wegen der Organisation von Protesten während der Corona-Pandemie. Menschenrechtsorganisationen bezeichnen diese Verfahren als politisch motiviert.
Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch würdigte Lempart als «Vorbild für zivilgesellschaftliches Engagement in ganz Europa». Die Preisvergabe sei auch ein Zeichen der Solidarität mit allen Menschen, die sich für demokratische Werte und Menschenrechte einsetzen.
Mit dem Friedenspreis 2024 setzt Dresden ein deutliches Zeichen für die Bedeutung von Frauenrechten als grundlegender Bestandteil einer friedlichen und demokratischen Gesellschaft. Die Auszeichnung unterstreicht zudem die enge Verbindung zwischen Deutschland und Polen in zivilgesellschaftlichen Fragen.