Der morgendliche Berufsverkehr in Leipzig und Dresden ist für viele Pendler eine Geduldsprobe. Eine neue Studie zeigt jetzt das ganze Ausmaß: Autofahrer in Sachsens größten Städten verlieren jährlich fast eine Arbeitswoche im Stau.
Wer regelmäßig mit dem Auto zur Arbeit pendelt, kennt das Gefühl: Man steht im Stau, die Zeit verrinnt, und der Stresspegel steigt. In Leipzig und Dresden ist dieses Problem besonders ausgeprägt. Eine aktuelle Untersuchung des Verkehrsdatenanbieters Inrix hat ergeben, dass Autofahrer in diesen Städten im vergangenen Jahr durchschnittlich 120 Stunden – also rund fünf Tage – im Stau verbracht haben.
Leipzig führt dabei die Liste der sächsischen Städte an. Hier standen Pendler im Schnitt 122 Stunden im Jahr im stockenden Verkehr. Dresden folgt knapp dahinter mit 119 Stunden. Diese Zahlen bedeuten einen leichten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr und liegen deutlich über dem Durchschnitt kleinerer deutscher Städte.
«Der tägliche Stau kostet nicht nur Zeit, sondern auch Nerven und Geld», erklärt Verkehrspsychologin Maria Weber. «Viele Pendler starten schon gestresst in den Arbeitstag, was langfristig gesundheitliche Folgen haben kann.»
Besonders belastet sind die Hauptverkehrsadern, die in die Innenstädte führen. In Leipzig sind vor allem die B2 vom Norden und die A14-Zubringer betroffen. In Dresden konzentrieren sich die Staus auf die Carolabrücke und den Bereich rund um den Hauptbahnhof.
Die Stoßzeiten beginnen in beiden Städten bereits ab 6:30 Uhr und erreichen ihren Höhepunkt zwischen 7:30 und 8:30 Uhr. Am Nachmittag staut es sich besonders zwischen 16:00 und 18:00 Uhr. Freitags ist die Lage meist noch angespannter, da zusätzlich viele Menschen zu Wochenendausflügen aufbrechen.
Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich. Laut Berechnungen der Handelskammer entstehen durch Staus in Leipzig und Dresden jährlich Kosten in Millionenhöhe – durch verlorene Arbeitszeit, höheren Kraftstoffverbrauch und verspätete Lieferungen.
Die Stadtverwaltungen beider Städte arbeiten an Lösungen. «Wir investieren kontinuierlich in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und verbessern das Radwegenetz», sagt Thomas Müller von der Leipziger Verkehrsplanung. «Zusätzlich optimieren wir die Ampelschaltungen auf den Hauptverkehrsrouten.»
Dresden setzt verstärkt auf digitale Verkehrsleitsysteme. «Mit intelligenten Ampeln und einer App, die Staus vorhersagt, wollen wir den Verkehr besser lenken», erklärt Stadtrat Klaus Schmidt. Auch Homeoffice-Regelungen haben in beiden Städten zu einer leichten Entlastung beigetragen.
Pendler wie die 42-jährige Stefanie Lehmann aus dem Leipziger Umland haben eigene Strategien entwickelt: «Ich fahre entweder sehr früh los oder nutze die Straßenbahn. An manchen Tagen arbeite ich von zu Hause, wenn es mein Job erlaubt.»
Verkehrsexperten empfehlen, wenn möglich auf Fahrgemeinschaften, öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad umzusteigen. Wer auf das Auto angewiesen ist, sollte Stoßzeiten meiden und Navigations-Apps nutzen, die Echtzeit-Verkehrsdaten bieten.
Die Stausituation in Leipzig und Dresden spiegelt einen bundesweiten Trend wider. In Deutschland verbringen Pendler durchschnittlich 40 Stunden pro Jahr im Stau. Die sächsischen Großstädte liegen mit ihren 120 Stunden deutlich über diesem Wert, aber noch unter den Spitzenreitern Berlin (156 Stunden) und München (144 Stunden).
Für die Zukunft planen beide Städte den weiteren Ausbau von Park-and-Ride-Anlagen und die Verbesserung der Taktung im öffentlichen Nahverkehr. Ob diese Maßnahmen ausreichen werden, um den wachsenden Pendlerverkehr zu bewältigen, bleibt abzuwarten.
Eins ist sicher: Solange die Wohnungspreise in den Innenstädten hoch bleiben und Arbeitsstellen vorwiegend in den Zentren angesiedelt sind, werden viele Menschen weiterhin pendeln müssen – und im Stau stehen.