Der kühle Novemberwind streicht über die futuristische Anlage des European XFEL in Schenefeld. Hinter der schimmernden Glasfassade arbeiten Wissenschaftler aus aller Welt – auch aus Russland. Trotz der politischen Spannungen seit dem Ukraine-Krieg bleibt die wissenschaftliche Zusammenarbeit am Röntgenlaser bestehen. Eine bemerkenswerte Konstante in unsicheren Zeiten, die ich bei meinem Besuch unmittelbar spüre.
Im Kontrollraum erklärt mir Dr. Thomas Schmidt, wie unverzichtbar der russische Beitrag für die Forschungsanlage ist. «Russland hat etwa ein Viertel der Baukosten übernommen und stellt wichtige technische Komponenten bereit», sagt er. Die internationalen Teams arbeiten Seite an Seite, während draußen die geopolitischen Spannungen zunehmen. Der wissenschaftliche Austausch läuft weiter, wenn auch unter erschwerten Bedingungen. Bei einer Tasse Kaffee erzählt mir eine russische Forscherin von den Herausforderungen bei Reisen und Finanztransaktionen.
Vor zwei Jahren beobachtete ich hier eine gemeinsame Feier zum Forschungsdurchbruch. Die Nationalitäten spielten keine Rolle. Heute sind die Gespräche vorsichtiger, doch der Respekt füreinander ist geblieben. Die Wissenschaft überwindet Grenzen, selbst wenn die Politik sie zieht. Das XFEL in Schenefeld steht als leuchtendes Beispiel dafür, dass internationaler Dialog in Krisenzeiten nicht abreißen darf. Vielleicht liegt in solchen Kooperationen ein Funke Hoffnung für die Zukunft.