Messerangriff am Essener Hauptbahnhof: Schnelles Eingreifen der Polizei verhindert Schlimmeres
Am vergangenen Mittwochabend kam es am Essener Hauptbahnhof zu einer bedrohlichen Situation, die glücklicherweise ohne schwerwiegende Verletzungen endete. Gegen 19:30 Uhr eskalierte ein zunächst verbaler Streit zwischen mehreren jungen Männern auf dem nördlichen Bahnhofsvorplatz.
Nach ersten Erkenntnissen der Polizei begann die Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen von Jugendlichen. Die Situation spitzte sich zu, als einer der Beteiligten plötzlich ein Messer zog und damit drohte. Augenzeugen berichteten, dass mehrere Passanten daraufhin in Panik die Flucht ergriffen und die Polizei alarmierten.
«Wir konnten innerhalb von drei Minuten vor Ort sein, da unsere Streife gerade in der Nähe war», erklärte Polizeihauptkommissar Thomas Weber von der Bundespolizei Essen. «Das schnelle Eingreifen hat vermutlich Schlimmeres verhindert.»
Die Beamten trennten die Streitenden und stellten das Messer sicher. Der 19-jährige Tatverdächtige aus dem Essener Nordviertel wurde vorläufig festgenommen. Bei der Durchsuchung fanden die Polizisten zudem eine geringe Menge Cannabis in seiner Jackentasche.
Nach Angaben der Polizei erlitt ein 17-Jähriger leichte Schnittverletzungen an der Hand, als er versuchte, seinen Freund zu schützen. Er wurde vom Rettungsdienst vor Ort versorgt, musste aber nicht ins Krankenhaus. Die übrigen Beteiligten blieben unverletzt.
Die genauen Hintergründe des Streits sind noch unklar. Nach ersten Befragungen scheint es sich um eine länger schwelende Auseinandersetzung zu handeln. «Wir gehen davon aus, dass sich die Jugendlichen kannten. Es deutet nichts auf einen zufälligen Konflikt hin», so Weber.
Die Polizei hat die Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz aufgenommen. Der Tatverdächtige wurde nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wieder auf freien Fuß gesetzt, muss sich aber in einem Strafverfahren verantworten.
Die Bundespolizei betont, dass der Essener Hauptbahnhof trotz einzelner Vorfälle als sicher gilt. «Wir haben unsere Präsenz in den letzten Monaten erhöht und können so schnell auf Situationen reagieren», erklärt Weber. Im vergangenen Jahr wurden am Hauptbahnhof 15 Prozent weniger Gewaltdelikte registriert als noch 2022.
Für die zahlreichen Pendler und Reisenden, die den Hauptbahnhof täglich nutzen, bedeutet der Vorfall dennoch eine beunruhigende Erinnerung. Eine 54-jährige Anwohnerin berichtet: «Ich komme jeden Tag mit dem Zug zur Arbeit. Solche Nachrichten machen einem schon Sorgen, auch wenn ich persönlich noch nie etwas erlebt habe.»
Die Stadt Essen und die Bundespolizei arbeiten seit Jahren an einem gemeinsamen Sicherheitskonzept für den Hauptbahnhof und dessen Umgebung. Neben verstärkten Streifen setzen die Behörden auf Videoüberwachung und regelmäßige Kontrollen, besonders in den Abendstunden.
Zeugen des Vorfalls werden gebeten, sich bei der Bundespolizeiinspektion Essen zu melden. Insbesondere Videoaufnahmen von Passanten könnten bei der Aufklärung des genauen Tathergangs helfen.