In einer ruhigen Wohngegend in Essen-Borbeck geschah vor mehr als 20 Jahren ein Verbrechen, das bis heute ungelöst geblieben ist. Der Fall der ermordeten Rentnerin Maria Schmidt wird nun nach langer Zeit wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Die ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY… ungelöst» greift den Fall in ihrer Januar-Ausgabe erneut auf.
Am 18. September 2003 wurde die 78-jährige Maria Schmidt tot in ihrer Wohnung in der Wüstenhöferstraße aufgefunden. Die Seniorin lebte allein in der Zweizimmerwohnung im ersten Stock eines Mehrfamilienhauses. Ihre Leiche wurde von einer Nachbarin entdeckt, die sich Sorgen machte, nachdem sie die sonst so zuverlässige Rentnerin mehrere Tage nicht gesehen hatte.
Die Kriminalpolizei Essen stellte schnell fest, dass es sich um ein Gewaltverbrechen handelte. Nach den Ermittlungen war die Seniorin Opfer eines Raubmordes geworden. Der Täter hatte die Wohnung nach Wertsachen durchsucht und verschiedene Gegenstände entwendet, darunter Schmuck und eine kleine Summe Bargeld.
«Dieser Fall lässt uns keine Ruhe», erklärt Hauptkommissarin Barbara Weber vom Essener Morddezernat. «Wir haben über die Jahre immer wieder neue Ansätze verfolgt, aber der entscheidende Durchbruch fehlt noch.» Die erfahrene Ermittlerin hofft, dass durch die Sendung neue Hinweise eingehen werden.
Besonders rätselhaft ist bis heute, wie der Täter in die Wohnung gelangen konnte. Es wurden keine Einbruchsspuren gefunden. «Wir gehen davon aus, dass Frau Schmidt dem Täter selbst die Tür geöffnet hat», so Weber. «Das deutet darauf hin, dass sie ihn kannte oder zumindest keinen Grund sah, misstrauisch zu sein.»
Die Nachbarschaft war damals tief erschüttert. Herbert Müller, der seit 40 Jahren im selben Haus wohnt, erinnert sich: «Frau Schmidt war eine freundliche, zurückhaltende Person. Sie hat niemandem etwas zuleide getan. Nach der Tat hatten viele hier Angst, besonders die älteren Bewohner.»
Die Mordkommission setzte damals alle verfügbaren Mittel ein. Über 120 Personen aus dem Umfeld der Getöteten wurden befragt, Spuren in der Wohnung gesichert und mögliche Tatverdächtige überprüft. Trotz intensiver Ermittlungen konnte der Fall nicht gelöst werden.
Mit neuen kriminaltechnischen Methoden haben die Ermittler nun alte Beweismittel erneut untersucht. Dabei konnten DNA-Spuren gesichert werden, die möglicherweise vom Täter stammen. «Die Kriminaltechnik hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten enorm weiterentwickelt», erläutert Weber. «Was damals nicht möglich war, können wir heute analysieren.»
Die Polizei Essen hofft besonders auf Hinweise von Menschen, die damals in der Nähe des Tatorts wohnten oder die Rentnerin kannten. «Manchmal scheinen Details unwichtig, die sich später als entscheidend herausstellen», betont Weber. «Jede noch so kleine Information kann helfen, diesen Fall endlich zu lösen.»
Für Hinweise, die zur Aufklärung des Falles führen, hat die Staatsanwaltschaft Essen eine Belohnung von 5.000 Euro ausgesetzt. Die Verjährungsfrist für Mord ist in Deutschland unbegrenzt, daher bleiben solche Fälle prinzipiell immer offen.
Die Sendung «Aktenzeichen XY» hat in der Vergangenheit bereits mehrfach geholfen, Kriminalfälle nach Jahren oder sogar Jahrzehnten aufzuklären. Moderator Rudi Cerne wird den Fall in der kommenden Ausgabe vorstellen, unterstützt durch eine detaillierte Nachstellung der vermuteten Tatabläufe.
Der Fall zeigt exemplarisch, wie wichtig die anhaltende Aufklärungsarbeit bei ungelösten Verbrechen ist. «Für die Angehörigen ist es besonders schmerzlich, wenn ein solches Verbrechen ungesühnt bleibt», sagt Weber. «Aber auch für uns Ermittler sind diese ungelösten Fälle eine ständige Mahnung und Verpflichtung.»
Die Polizei Essen nimmt Hinweise zum Fall unter der Telefonnummer 0201-8293367 entgegen. Auch während der Sendung wird ein Expertenteam bereitstehen, um eingehende Informationen sofort zu bearbeiten.