Die Situation am Dresdner Hauptbahnhof spitzt sich weiter zu. Wo Besucher einen ersten Eindruck unserer Stadt bekommen sollten, bietet sich stattdessen ein problematisches Bild. Trotz wiederholter Ankündigungen von Verbesserungen präsentiert sich der Bahnhofsvorplatz nach wie vor in einem beklagenswerten Zustand.
Wer in Dresden mit dem Zug ankommt, wird nicht von einem repräsentativen Stadteingang begrüßt. Stattdessen treffen Reisende auf Müll, kaputte Pflastersteine und oft auch auf Gruppen, die Alkohol konsumieren und für ein Gefühl der Unsicherheit sorgen. Besonders abends meiden viele Dresdner den Bereich.
«Ich steige hier jeden Tag um und fühle mich zunehmend unwohl», berichtet Anwohnerin Maria Schmidt. «Besonders nach Einbruch der Dunkelheit ist es unangenehm, alleine über den Platz zu gehen.»
Bereits seit Jahren steht der Bahnhofsvorplatz in der Kritik. Die Stadt Dresden hatte mehrfach Maßnahmen angekündigt, doch die Umsetzung lässt auf sich warten. Laut Statistik des Ordnungsamtes wurden im vergangenen Jahr über 200 Ordnungswidrigkeiten allein in diesem Bereich registriert – Tendenz steigend.
Stadtrat Thomas Weber kritisiert: «Der Zustand ist nicht hinnehmbar. Wir brauchen endlich ein umfassendes Konzept, das sowohl die baulichen Mängel beseitigt als auch soziale Aspekte berücksichtigt.» Die CDU-Fraktion hat daher einen Antrag eingebracht, der kurzfristige Maßnahmen wie verstärkte Reinigung und erhöhte Polizeipräsenz fordert.
Die Deutsche Bahn, die für Teile des Areals verantwortlich ist, verweist auf begrenzte Zuständigkeiten. «Wir kümmern uns um den unmittelbaren Bahnhofsbereich, für die vorgelagerte Fläche ist jedoch die Stadt zuständig», erklärt Bahnsprecher Jens Müller. Diese Kompetenzfrage erschwert offenbar eine koordinierte Lösung.
Für lokale Geschäftsinhaber ist die Lage besonders frustrierend. «Wir verlieren Kunden, weil viele Menschen den Bereich meiden», sagt Petra Klein, die seit 15 Jahren einen Blumenladen nahe dem Bahnhof betreibt. «Andere Städte schaffen es doch auch, ihre Bahnhofsvorplätze attraktiv zu gestalten.»
Positiv zu vermerken ist, dass die Stadtverwaltung nun ein Beteiligungsverfahren gestartet hat. Bürger können ihre Ideen zur Umgestaltung des Platzes einbringen. «Wir wollen gemeinsam mit den Dresdnern eine Lösung finden, die sowohl ästhetischen Ansprüchen genügt als auch die sozialen Herausforderungen berücksichtigt», so Baubürgermeisterin Sandra Wagner.
Auch soziale Träger werden in die Planungen einbezogen. «Menschen, die sich am Bahnhof aufhalten, brauchen alternative Aufenthaltsorte und Unterstützungsangebote», betont Sozialarbeiter Michael Lehmann von der Stadtmission Dresden. «Eine reine Verdrängung löst die Probleme nicht.»
Leipzig zeigt, dass Veränderung möglich ist. Dort wurde der Bahnhofsvorplatz vor drei Jahren umfassend saniert und mit mehr Grünflächen, besserer Beleuchtung und einem durchdachten Nutzungskonzept versehen. Heute gilt der Platz als Vorzeigebeispiel.
Experten empfehlen für Dresden einen ganzheitlichen Ansatz. «Ein attraktiver Bahnhofsvorplatz braucht nicht nur eine ansprechende Gestaltung, sondern auch ein Sicherheitskonzept, regelmäßige Pflege und soziale Angebote», erklärt Stadtplanerin Dr. Claudia Meyer von der TU Dresden.
Bis eine grundlegende Umgestaltung umgesetzt wird, bleiben vorerst nur Einzelmaßnahmen. Die Stadt hat angekündigt, die Reinigungsintervalle zu erhöhen und schadhafte Stellen im Pflaster provisorisch zu reparieren. Zudem soll die Beleuchtung verbessert werden.
Für die Dresdner ist klar: Der Bahnhofsvorplatz muss endlich zum Aushängeschild werden, das Besucher willkommen heißt und Einheimischen ein sicheres Gefühl gibt. Der Weg dahin scheint jedoch noch weit.