München verwandelt sich dieses Wochenende in das Zentrum der deutschen Filmwelt. Die Verleihung des Bayerischen Filmpreises im Prinzregententheater bildet den glänzenden Höhepunkt eines Wochenendes, das ganz im Zeichen des Films steht. Als Lokalredakteurin habe ich in den vergangenen Tagen die Vorbereitungen beobachtet und mit Beteiligten gesprochen.
«Die Filmbranche braucht solche Momente des Zusammenkommens und der Anerkennung mehr denn je», erklärt Judith Weber vom Bayerischen Filmverband im Gespräch. Nach herausfordernden Jahren für die Branche soll der Preis nicht nur Leistungen würdigen, sondern auch Aufmerksamkeit für das Filmschaffen generieren.
Ministerpräsident Markus Söder wird am Freitagabend die begehrten Preisstatuen überreichen. Der «Pierrot», eine wertvolle Porzellanfigur der Manufaktur Nymphenburg, geht an Filmschaffende in 15 Kategorien. Die Preise sind mit insgesamt 300.000 Euro dotiert.
Besonders gespannt blickt die Branche auf den Ehrenpreis des Ministerpräsidenten. In den vergangenen Jahren wurden damit Persönlichkeiten wie Caroline Link, Senta Berger und Heiner Lauterbach ausgezeichnet. Wer dieses Jahr die Ehrung erhält, wurde vorab nicht bekannt gegeben.
Das Prinzregententheater wird am Freitagabend zum Treffpunkt für über 1.000 Gäste aus Film, Fernsehen, Kultur und Politik. Die rote Teppichstrecke wurde bereits aufgebaut und bietet Fans die Chance, Stars aus der Nähe zu erleben.
Parallel zur Preisverleihung laufen im Münchner Filmmuseum Sondervorführungen nominierter Filme. «Wir wollen, dass nicht nur die Branche feiert, sondern alle Filmbegeisterten teilhaben können», sagt Museumsleiterin Anke Hoffmann. Das Angebot wird gut angenommen – viele Vorstellungen sind bereits ausverkauft.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Filmstandorts Bayern wird bei solchen Veranstaltungen deutlich. Rund 2.000 Unternehmen mit etwa 30.000 Beschäftigten sind in der bayerischen Film- und TV-Wirtschaft tätig. Die Förderung durch den FilmFernsehFonds Bayern (FFF) beträgt jährlich rund 40 Millionen Euro.
«Der Bayerische Filmpreis schafft wichtige Sichtbarkeit», betont FFF-Geschäftsführerin Dorothee Erpenstein. «In Zeiten, in denen internationale Streaming-Dienste den Markt dominieren, brauchen wir starke Signale für den heimischen Film.»
Die Bedeutung reicht über die Branche hinaus. Münchens Kulturreferent Anton Biebl verweist auf positive Effekte für die Stadt: «Film ist Wirtschaftsfaktor und Kulturgut zugleich. Produktionen bringen Aufmerksamkeit und Touristen in unsere Stadt.»
Auch junge Filmschaffende profitieren vom Rampenlicht. Der Nachwuchspreis gilt als Karrieresprungbrett. «Für viele ist diese Anerkennung entscheidend, um Förderer und Produzenten zu überzeugen», erklärt Filmhochschul-Professor Marcus Seibert.
Die Filmbranche nutzt das Wochenende auch für Netzwerken und Austausch. In Hotels und Restaurants der Innenstadt finden zahlreiche informelle Treffen statt. Beim traditionellen «Filmfrühstück» am Samstag werden bereits neue Projekte besprochen.
Für München bedeutet das Event auch logistische Herausforderungen. Polizei und Sicherheitsdienste sind im Einsatz, Straßensperrungen rund um das Prinzregententheater wurden eingerichtet. Die MVG hat zusätzliche Fahrten angekündigt, um Besucherströme zu bewältigen.
Nicht alle sehen die Veranstaltung unkritisch. «Der Glamour überdeckt manchmal strukturelle Probleme der Branche», gibt Filmproduzentin Maria Köpf zu bedenken. Die anhaltende Diskussion um faire Gagen und Arbeitsbedingungen werde an solchen Abenden oft ausgeblendet.
Nach der Preisverleihung sind die Feierlichkeiten nicht zu Ende. Die offizielle Aftershowparty im Künstlerhaus am Lenbachplatz gilt als Highlight für die geladenen Gäste. In den vergangenen Jahren wurden dort bis in die frühen Morgenstunden Erfolge gefeiert und Kontakte geknüpft.
Filmfans ohne Einladung können das Geschehen über verschiedene Medien verfolgen. Der Bayerische Rundfunk überträgt die Gala zeitversetzt, lokale Sender berichten live vom roten Teppich. Auch in sozialen Medien wird die Veranstaltung unter dem Hashtag #BayerischerFilmpreis begleitet.
Der Bayerische Filmpreis hat seit seiner ersten Verleihung 1979 an Bedeutung gewonnen. Er gilt heute als einer der wichtigsten deutschen Filmpreise und genießt auch international Anerkennung. Für München ist er ein kulturelles Aushängeschild geworden, das die Position der Stadt als Filmstandort stärkt.