Das Dortmunder Kreuzviertel steht vor einer bedeutenden Veränderung. In den kommenden drei Jahren werden umfassende Kanalbauarbeiten das beliebte Viertel prägen. Die Stadtentwässerung Dortmund beginnt im März 2023 mit einem Großprojekt, das nicht nur die unterirdische Infrastruktur erneuert, sondern auch erhebliche Auswirkungen auf den Alltag der Bewohner haben wird.
Der alte Abwasserkanal unter der Neuen Gräberstraße stammt aus dem Jahr 1905 und hat seine Lebensdauer längst überschritten. Nach fast 120 Jahren im Einsatz zeigen sich deutliche Alterungserscheinungen, die eine grundlegende Erneuerung notwendig machen. Der Kanal ist nicht nur stark beschädigt, sondern entspricht auch nicht mehr den heutigen Anforderungen an moderne Abwassersysteme.
«Die bestehenden Kanäle sind in einem sehr schlechten Zustand«, erklärt Projektleiter Frank Müller von der Stadtentwässerung Dortmund. «Wir müssen jetzt handeln, um die Funktionsfähigkeit der Abwasserentsorgung langfristig zu sichern.» Die Bauarbeiten sind Teil des städtischen Infrastrukturprogramms, das die Modernisierung veralteter Kanalsysteme in mehreren Stadtteilen vorsieht.
Baumaßnahmen in drei Phasen
Die Arbeiten werden in drei aufeinanderfolgenden Phasen durchgeführt, um die Belastungen für die Anwohner so gering wie möglich zu halten. Jede Phase konzentriert sich auf einen bestimmten Abschnitt der Neuen Gräberstraße und angrenzender Bereiche:
In der ersten Phase werden die Arbeiten im nördlichen Bereich der Neuen Gräberstraße beginnen. Diese Phase ist für etwa zehn Monate angesetzt und betrifft hauptsächlich den Bereich zwischen Lindemannstraße und Schillerstraße.
Die zweite Phase umfasst den mittleren Bereich der Straße und wird voraussichtlich zwölf Monate in Anspruch nehmen. Hier sind umfangreiche Arbeiten geplant, da in diesem Abschnitt besonders viele Schäden am bestehenden Kanalnetz festgestellt wurden.
In der dritten und letzten Phase wird der südliche Teil bis zur Kreuzung mit der Saarlandstraße erneuert. Diese Arbeiten werden ebenfalls etwa zwölf Monate dauern und den Abschluss des Gesamtprojekts bilden.
Auswirkungen auf den Verkehr und das tägliche Leben
Für die Anwohner und Besucher des Kreuzviertels bedeuten die Bauarbeiten erhebliche Einschränkungen. Während der gesamten Bauzeit wird die Neue Gräberstraße in den jeweiligen Bauabschnitten vollständig gesperrt sein. Dies betrifft sowohl den Fahrzeugverkehr als auch teilweise die Zugänglichkeit für Fußgänger.
«Wir sind uns bewusst, dass die Bauarbeiten eine Belastung darstellen», betont Bezirksbürgermeisterin Hannah Weber. «Aber die Erneuerung des Kanalsystems ist unumgänglich und dient letztendlich der Verbesserung der Infrastruktur im Kreuzviertel.»
Besonders betroffen sind die rund 250 Anwohner der Neuen Gräberstraße, die während der Bauzeit mit erschwerten Zugangs- und Parkmöglichkeiten rechnen müssen. Die Stadt Dortmund hat bereits angekündigt, alternative Parkmöglichkeiten in angrenzenden Straßen auszuweisen.
Auch die lokalen Geschäfte und Gastronomiebetriebe müssen sich auf Einbußen einstellen. «Wir befürchten einen deutlichen Rückgang der Laufkundschaft», sagt Michaela Berger, Inhaberin eines Cafés in der Neuen Gräberstraße. «Drei Jahre Bauarbeiten sind eine lange Zeit, die unsere Existenz bedrohen könnte.»
Kommunikation und Beteiligung der Anwohner
Die Stadt Dortmund legt großen Wert auf eine transparente Kommunikation mit den Betroffenen. Vor Beginn der Bauarbeiten wurde eine Informationsveranstaltung für Anwohner und Gewerbetreibende organisiert, bei der das Projekt vorgestellt und Fragen beantwortet wurden.
«Die Resonanz war gemischt», berichtet Thomas Schmidt von der städtischen Bauabteilung. «Viele Anwohner verstehen die Notwendigkeit der Maßnahmen, sorgen sich aber um die praktischen Auswirkungen auf ihren Alltag.»
Um den Dialog fortzusetzen, wird ein Baustellenbüro eingerichtet, das als Anlaufstelle für Fragen und Probleme dienen soll. Zudem plant die Stadt, regelmäßige Updates zum Baufortschritt auf ihrer Website und über einen Newsletter bereitzustellen.
Langfristige Vorteile für das Kreuzviertel
Trotz der vorübergehenden Belastungen betont die Stadtverwaltung die langfristigen Vorteile des Projekts. Die neue Kanalisation wird für mindestens 80 bis 100 Jahre ausgelegt sein und damit die Abwasserentsorgung im Kreuzviertel für kommende Generationen sicherstellen.
Gleichzeitig nutzt die Stadt die Gelegenheit, um weitere Infrastrukturmaßnahmen durchzuführen. Nach Abschluss der Kanalarbeiten wird die Straßenoberfläche komplett erneuert, wobei auch die Gehwege verbreitert und zusätzliche Bäume gepflanzt werden sollen.
«Am Ende der Bauzeit wird das Kreuzviertel nicht nur über eine moderne unterirdische Infrastruktur verfügen, sondern auch über eine attraktivere Straßengestaltung», verspricht Stadtplaner Dr. Andreas Becker. «Die Maßnahmen werden zur Aufwertung des gesamten Viertels beitragen.»
Ausblick und weitere Schritte
Die Stadtentwässerung Dortmund wird in den kommenden Wochen mit den Vorbereitungen für die erste Bauphase beginnen. Anwohner werden rechtzeitig über den genauen Zeitplan und die zu erwartenden Einschränkungen informiert.
Die Stadt appelliert an alle Betroffenen, Geduld und Verständnis für die notwendigen Arbeiten aufzubringen. «Wir werden alles tun, um die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten», versichert Projektleiter Müller. «Gleichzeitig bitten wir um Verständnis, dass ein Projekt dieser Größenordnung nicht ohne Einschränkungen umgesetzt werden kann.»
Für die Bewohner des Kreuzviertels heißt es nun, sich auf eine dreijährige Bauzeit einzustellen. Doch am Ende steht ein Viertel mit verbesserter Infrastruktur und neuer Straßengestaltung – eine Investition in die Zukunft des beliebten Dortmunder Stadtteils.