Bauernproteste: Landwirte planen weitreichende Blockaden des Berliner Rings
Die für kommenden Montag angekündigten Bauernproteste werden voraussichtlich zu erheblichen Verkehrsbehinderungen im Großraum Berlin führen. Nach Informationen unserer Redaktion planen Landwirte umfangreiche Blockaden des Berliner Rings. Die Polizei rechnet mit massiven Einschränkungen im Berufsverkehr.
«Wir wollen ein deutliches Zeichen setzen», erklärt Thomas Müller, Sprecher der regionalen Bauerninitiative. «Die geplanten Kürzungen bei der Agrardieselrückvergütung treffen uns existenziell. Viele Höfe stehen mit dem Rücken zur Wand.»
Die Protestaktionen sollen am frühen Montagmorgen beginnen. Nach den vorliegenden Plänen werden Traktoren und landwirtschaftliche Fahrzeuge an mindestens sechs strategischen Punkten der A10 Position beziehen. Besonders betroffen sind die Anschlussstellen Potsdam, Ludwigsfelde, Rangsdorf, Königs Wusterhausen, Erkner und Pankow.
Weitreichende Auswirkungen erwartet
Die Verkehrsbehörde warnt vor erheblichen Auswirkungen auf den gesamten Verkehrsfluss in der Hauptstadtregion. «Wer irgendwie kann, sollte auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen oder im Homeoffice arbeiten», rät Polizeisprecherin Julia Weiß. «Die Blockaden werden nicht nur den Berliner Ring selbst betreffen, sondern auch die Zubringer und alternative Routen.»
Die Bauernverbände haben die Aktionen bei den zuständigen Behörden angemeldet. Nach Angaben der Polizei soll es sich um «stationäre Demonstrationen» handeln, nicht um Fahrzeugkorsos. Das bedeutet: Die Traktoren werden an den Anschlussstellen stehen und den Verkehr stark verlangsamen, aber nicht komplett zum Erliegen bringen.
Für Pendler zeichnet sich eine besonders schwierige Situation ab. Die S-Bahn Berlin empfiehlt, mehr Zeit einzuplanen und wenn möglich auf Bahnverbindungen auszuweichen. Auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bereiten sich auf ein erhöhtes Fahrgastaufkommen vor.
Hintergrund der Proteste
Die neuerlichen Proteste richten sich gegen die Sparpläne der Bundesregierung. Besonders umstritten ist die geplante Streichung der Steuervergünstigungen beim Agrardiesel. «Diese Maßnahme würde unsere Betriebe mit durchschnittlich 10.000 Euro pro Jahr zusätzlich belasten», erklärt Landwirt Michael Schmidt aus Teltow. «Bei den ohnehin knappen Margen ist das für viele nicht zu stemmen.»
Die Bauernverbände betonen, dass sie den Verkehr nicht unnötig behindern wollen. «Wir sorgen dafür, dass Rettungsfahrzeuge durchkommen», versichert Müller. «Aber wir müssen deutlich machen, dass die Landwirtschaft nicht immer weiter belastet werden kann.»
In den vergangenen Wochen hatten bereits mehrfach Bauernproteste für Aufmerksamkeit gesorgt. Zuletzt blockierten Landwirte Logistikzentren großer Supermarktketten, um auf die niedrigen Erzeugerpreise aufmerksam zu machen.
Tipps für Verkehrsteilnehmer
Die Polizei gibt folgende Empfehlungen für den kommenden Montag:
- Nutzen Sie wenn möglich öffentliche Verkehrsmittel
- Planen Sie deutlich längere Fahrtzeiten ein
- Informieren Sie sich vorab über die aktuelle Verkehrslage
- Vermeiden Sie die betroffenen Bereiche der A10
- Beachten Sie die Anweisungen der Einsatzkräfte vor Ort
«Wir verstehen den Unmut der Landwirte», erklärt Verkehrsexperte Martin Weber. «Aber solche Blockaden treffen vor allem Pendler und Gewerbetreibende, die selbst nichts für die politischen Entscheidungen können.»
Die Bauernverbände haben angekündigt, die Proteste notfalls über mehrere Tage fortzusetzen, sollte die Bundesregierung nicht einlenken. Eine Sprecherin des Bundeslandwirtschaftsministeriums teilte mit, man sei weiterhin im Dialog mit den Verbänden, sehe jedoch kaum Spielraum bei den beschlossenen Einsparungen.
Autofahrer sollten sich auf jeden Fall vor Fahrtantritt über die aktuelle Lage informieren. Aktuelle Verkehrsmeldungen gibt es beim Verkehrsfunk und über die entsprechenden Apps der Verkehrsinformationsdienste.