In der Stuttgarter Wilhelma herrscht Trauer. Der dreijährige Koala-Bär Wooby ist am vergangenen Wochenende unerwartet verstorben. Tierpfleger fanden das beliebte Jungtier leblos in seiner Schlafbox, nachdem es noch am Vortag munter Eukalyptusblätter gefressen hatte.
«Wir sind alle zutiefst erschüttert», erklärt Zoologin Dr. Marina Heinrichs. «Wooby zeigte keinerlei Anzeichen einer Erkrankung. Er war ein munteres Tier und bei unseren Besuchern sehr beliebt.» Der Tod kam für das Pflegeteam völlig überraschend.
Wooby war vor knapp zwei Jahren aus dem Zoo Sydney nach Stuttgart gekommen und galt als wichtiger Teil des europäischen Erhaltungszuchtprogramms für Koalas. Die genaue Todesursache soll nun durch eine pathologische Untersuchung an der Tiermedizinischen Fakultät Tübingen geklärt werden. Erste Ergebnisse werden in etwa zwei Wochen erwartet.
«Koalas sind sehr empfindliche Tiere», erläutert Tierarzt Dr. Markus Weigel. «Sie reagieren sensibel auf Veränderungen in ihrer Umgebung und haben ein komplexes Verdauungssystem, das auf Eukalyptus spezialisiert ist. Manchmal treten Probleme auf, die äußerlich nicht erkennbar sind.»
Die Wilhelma beherbergt nun noch zwei erwachsene Koalas – das Weibchen Lucy und das Männchen Karri. Beide seien wohlauf und zeigten keine Anzeichen von Krankheit, versichert die Zooleitung. Als Vorsichtsmaßnahme werden bei ihnen jedoch zusätzliche Gesundheitschecks durchgeführt.
Besucherin Monika Schäfer (42) ist betrübt: «Meine Kinder haben Wooby geliebt. Er war immer so possierlich, wenn er verschlafen in seiner Astgabel saß. Wir werden ihn sehr vermissen.»
Die Koala-Anlage bleibt vorerst für Besucher geöffnet. Der Zoo hat jedoch einen kleinen Gedenkplatz eingerichtet, wo Besucher Zeichnungen und Briefe für Wooby hinterlassen können. Viele Kinder haben bereits bunte Bilder mit Abschiedsbotschaften abgegeben.
Zoodirektor Dr. Thomas Kölpin betont: «Der Verlust trifft uns hart, aber er unterstreicht auch, wie wichtig Erhaltungszuchtprogramme für diese gefährdeten Tiere sind. In freier Wildbahn sind Koalas durch Waldbrände und Lebensraumverlust zunehmend bedroht.»
Die Wilhelma plant, nach Abschluss der Untersuchungen und einer angemessenen Trauerzeit, eventuell ein neues junges Koala-Männchen aufzunehmen, um das Zuchtprogramm fortzusetzen. Dies hänge jedoch von den Empfehlungen des europäischen Zuchtbuchkoordinators ab.
Eine Gedenkveranstaltung für Schulklassen, die Wooby im Rahmen des Bildungsprogramms der Wilhelma regelmäßig besucht haben, ist für kommenden Monat geplant.