In der Münchner Innenstadt bahnt sich eine erfreuliche Entwicklung an. Nach jahrelanger Bauzeit des zweiten S-Bahn-Stammstreckentunnels könnte der Marienhof künftig durch einen neuen Brunnen aufgewertet werden. Die CSU-Stadtratsfraktion hat einen entsprechenden Antrag gestellt, der von der Stadtverwaltung bereits wohlwollend aufgenommen wurde.
Die Idee geht zurück auf die Geschichte des Platzes: Bis 1945 zierte ein prächtiger Brunnen den Marienhof. Dieser wurde jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört und nie wieder aufgebaut. Nun könnte nach fast 80 Jahren wieder Wasser auf dem historischen Platz sprudeln.
«Der Marienhof hat durch die lange Bauphase stark gelitten», erklärt Alexander Reissl, Sprecher der CSU im Stadtrat. «Ein Brunnen würde dem Platz eine neue Identität geben und gleichzeitig an seine Geschichte erinnern.» Die Fraktion schlägt vor, den Brunnen in Anlehnung an das historische Vorbild zu gestalten, jedoch mit modernen Elementen zu kombinieren.
Das Baureferat der Stadt München steht dem Vorschlag grundsätzlich positiv gegenüber. «Wir sehen Potenzial für eine Aufwertung des Platzes durch einen Brunnen», bestätigt Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer. «Allerdings müssen wir die technischen Möglichkeiten genau prüfen, da unter dem Platz die neue S-Bahn-Strecke verläuft.»
Die Planung steht noch am Anfang. In den kommenden Monaten soll eine Machbarkeitsstudie erstellt werden, die Kosten, Design und technische Umsetzbarkeit untersucht. Dabei werden auch Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit haben, ihre Ideen einzubringen. Die Stadt plant hierfür eine öffentliche Beteiligungsphase für Herbst 2023.
Für viele Münchnerinnen und Münchner wäre der Brunnen eine willkommene Bereicherung des Stadtbilds. «Ich kann mich noch an die Bilder des alten Brunnens erinnern», erzählt die 78-jährige Anwohnerin Gertrude Huber. «Es wäre wunderbar, wenn dieser Teil unserer Stadtgeschichte wiederbelebt würde.»
Auch aus wirtschaftlicher Sicht könnte der Brunnen positive Effekte haben. Die umliegenden Geschäfte und Cafés erhoffen sich eine Belebung des Platzes. «Nach den langen Bauarbeiten brauchen wir dringend mehr Aufenthaltsqualität», betont Michael Lehmann vom Einzelhandelsverband München.
Die Kosten für das Projekt werden derzeit auf etwa 1,2 Millionen Euro geschätzt. Die CSU schlägt vor, auch private Spender für die Finanzierung zu gewinnen. «Ein Brunnen-Patenschaftsmodell könnte die Identifikation der Münchnerinnen und Münchner mit dem Projekt stärken», meint Stadträtin Claudia Weber.
Wenn alles nach Plan läuft, könnte der Bau des Brunnens bereits 2024 beginnen. Die Fertigstellung wäre dann für Frühjahr 2025 anvisiert – pünktlich zum Ende der Bauarbeiten an der zweiten Stammstrecke in diesem Bereich.
Der Marienhof, der zwischen Rathaus und Kaufingerstraße liegt, war über Jahrhunderte ein lebendiger Teil der Münchner Innenstadt. Mit dem neuen Brunnen könnte er wieder zu einem attraktiven Treffpunkt werden, der sowohl Einheimische als auch Touristen anzieht.
«Wasser im öffentlichen Raum hat eine besondere Anziehungskraft», erklärt Stadtplaner Dr. Robert Maier. «Besonders in heißen Sommermonaten schaffen Brunnen nicht nur ein angenehmes Mikroklima, sondern laden auch zum Verweilen ein.» Zudem könnte der Brunnen als Trinkwasserspender dienen – ein Service, der in vielen europäischen Städten bereits Standard ist.
Die endgültige Entscheidung über den Brunnen wird der Stadtrat voraussichtlich im Frühjahr 2024 treffen. Bis dahin werden die Planungen konkretisiert und die Finanzierung gesichert. Für den Marienhof könnte dies der Beginn einer neuen Ära sein – mit einem Brunnen, der Geschichte und Zukunft verbindet.