Die Berliner Polizei und die Berliner Stadtreinigung (BSR) haben heute Morgen eine dringliche Warnung herausgegeben. Extremes Glatteis macht die Straßen und Gehwege in der Hauptstadt und dem umliegenden Brandenburg gefährlich. «Die aktuelle Wetterlage sorgt für spiegelglatte Straßen im gesamten Stadtgebiet,» teilte die Polizei Berlin über ihre Kanäle mit.
Besonders betroffen sind Pendler, die zur Arbeit müssen. Auf den Hauptverkehrsachsen kommt es zu erheblichen Verzögerungen. Die S-Bahn Berlin meldet auf mehreren Linien Verspätungen von bis zu 20 Minuten. Auch im Regionalbahn-Verkehr zwischen Berlin und Brandenburg gibt es Einschränkungen.
«Wir haben seit 3 Uhr morgens alle verfügbaren Streufahrzeuge im Einsatz,» erklärt BSR-Sprecherin Maria Neumann. «Trotzdem können wir nicht alle Flächen gleichzeitig erreichen. Die Glätte hat sich durch den Temperatursturz schneller gebildet als vorhergesagt.»
Am Unfallschwerpunkt Kreuzung Frankfurter Allee/Warschauer Straße sind bereits drei Unfälle registriert worden. Ein Polizeisprecher bestätigt: «Zum Glück blieb es bei Blechschäden, aber das Risiko für schwerere Unfälle ist heute extrem hoch.»
In den Berliner Notaufnahmen wurden bereits die ersten Patienten mit Knochenbrüchen eingeliefert. «Wir sehen hauptsächlich Handgelenks- und Hüftfrakturen bei älteren Menschen,» berichtet Dr. Claudia Hoffmann vom Unfallkrankenhaus Berlin.
Die Feuerwehr Berlin rät: «Bleiben Sie heute wenn möglich zu Hause. Falls Sie unbedingt raus müssen, planen Sie mehr Zeit ein, tragen Sie festes Schuhwerk und gehen Sie langsam mit kleinen Schritten.»
Für Anwohner gilt die Pflicht, Gehwege vor ihren Grundstücken zu räumen und zu streuen. Die BSR weist darauf hin, dass dies zwischen 7 und 20 Uhr erfolgen muss. Bei anhaltendem Schneefall oder Glätte muss mehrmals am Tag gestreut werden.
Besonders tückisch: Die Glätte ist oft nicht auf den ersten Blick erkennbar. «Es handelt sich teilweise um sogenanntes Schwarzeis, das kaum sichtbar ist,» warnt die Polizei. Betroffen sind nicht nur Nebenstraßen, sondern auch große Verkehrsadern wie der Berliner Ring und die Stadtautobahn.
In Brandenburg ist die Lage ähnlich angespannt. Auf der A10 südlich von Berlin kam es zu einem Auffahrunfall mit vier Fahrzeugen. Die Autobahn musste kurzzeitig gesperrt werden. «Die Streufahrzeuge kommen kaum nach,» sagt Landespolizeisprecher Peter Salender.
Der Deutsche Wetterdienst prognostiziert, dass die Glätte noch bis zum Mittag anhalten wird. Erst dann sollen die Temperaturen leicht steigen und die Situation entspannen. Für morgen ist jedoch bereits der nächste Kälteeinbruch vorhergesagt.
In den sozialen Netzwerken teilen Berliner ihre Erfahrungen. «Bin gerade auf dem Weg zur U-Bahn dreimal fast hingefallen,» schreibt eine Nutzerin. Ein anderer berichtet: «Mein Bus steht seit 30 Minuten an der gleichen Stelle. Nichts geht mehr.»
Die BVG hat auf einigen Buslinien den Betrieb vorübergehend eingestellt, darunter auf steilen Streckenabschnitten in Kreuzberg und Prenzlauer Berg. «Die Sicherheit unserer Fahrgäste und Fahrer geht vor,» erklärt BVG-Sprecher Klaus Weber.
Schulen bleiben geöffnet, allerdings gilt für Schüler, die wegen der Witterungsverhältnisse nicht zur Schule kommen können, eine entschuldigte Fehlzeit. Eltern entscheiden selbst, ob der Schulweg zumutbar ist.
Die Glättesituation trifft die Region in einer ohnehin angespannten Verkehrslage. Durch mehrere Großbaustellen, besonders auf der Stadtautobahn und am Ostkreuz, sind Ausweichrouten bereits stark belastet.
Experten empfehlen, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen – sofern diese fahren. Wer mit dem Auto unterwegs sein muss, sollte deutlich mehr Zeit einplanen, ausreichend Abstand halten und besonders vorausschauend fahren.
Die extremen Witterungsbedingungen zeigen einmal mehr, wie wichtig eine gute Vorbereitung auf Wintereinbrüche ist. Die BSR betont, dass der Winterdienst rund um die Uhr im Einsatz sei, aber bittet die Bevölkerung um Verständnis und Geduld.