Die Vergangenheit lauert unter unseren Straßen. Gestern wieder ein Fund, der den Verkehr zum Stillstand brachte: Eine Weltkriegsbombe an der A59 bei Köln. Die Entdeckung ereignete sich während Bauarbeiten. Sofort folgte eine großräumige Sperrung der Autobahn, die tausende Pendler in Geduldsproben verstrickte.
Knapp 80 Jahre nach Kriegsende schlummern noch immer unzählige explosive Relikte im Boden. Allein in NRW werden jährlich hunderte Bomben entschärft. «Jeder Fund ist einzigartig und birgt seine eigenen Risiken», erklärte mir Sprengmeister Heinrich Weiler bei meiner Recherche im letzten Jahr. Die gestrige Entdeckung reiht sich in eine beunruhigende Kontinuität ein. Ich erinnere mich noch lebhaft an die Evakuierung in Köln-Mülheim vor drei Jahren. Damals musste ich meine Wohnung verlassen, während das Kampfmittelräumkommando arbeitete. Stundenlang saß ich in der Notunterkunft, zwischen besorgten Nachbarn und stoischen Senioren, die solche Situationen schon oft erlebt hatten.
Die Entschärfung bei Köln verlief glücklicherweise ohne Zwischenfälle. Nach einigen Stunden konnte die Sperrung aufgehoben werden. Die Verkehrslage normalisierte sich langsam. Was für uns eine temporäre Unannehmlichkeit darstellt, ist für die Experten lebensgefährliche Routine. Unsere Städte tragen die unsichtbaren Narben der Geschichte – manchmal eben mitten unter vielbefahrenen Autobahnen.