Der Bierkrug bleibt immer öfter ungefüllt. Was früher undenkbar schien, ist heute bittere Realität für deutsche Brauereien. Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen: Der Bierkonsum in Deutschland erreicht historische Tiefstände. Im ersten Quartal 2024 sank der Absatz um weitere 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine Entwicklung, die mich als beobachtende Journalistin nachdenklich stimmt.
Die Gründe für den schwindenden Durst sind vielschichtig. Demografischer Wandel und verändertes Konsumverhalten spielen entscheidende Rollen. «Die jüngere Generation trinkt deutlich bewusster und greift häufiger zu alkoholfreien Alternativen», erklärt Brauerei-Experte Holger Eichele. Auch der anhaltende Trend zu gesünderer Lebensweise wirkt sich spürbar aus. Gleichzeitig belasten gestiegene Produktionskosten die Branche. Bei meinem letzten Besuch einer Traditionsbrauerei in Bayern war die Stimmung gedrückt. Der Braumeister zeigte mir leere Lagerhallen, die früher kaum die Nachfrage decken konnten. Kleinere Betriebe kämpfen besonders hart ums Überleben, während größere Konzerne auf Innovation setzen.
Trotz aller Schwierigkeiten bleibt Bier tief in unserer Kultur verwurzelt. Volksfeste und Biergärten erleben weiterhin Zulauf. Vielleicht wandelt sich nur unsere Beziehung zum Gerstensaft – weg vom alltäglichen Konsum, hin zum bewussten Genuss besonderer Momente. In dieser Entwicklung liegt auch eine Chance für Qualität und Vielfalt, die unsere reiche Biertradition auf neue Weise weiterleben lassen könnte.