Berliner Polizei probt den Ernstfall: Amoklagentraining an Schule sorgt für Verunsicherung
In Berlin-Kreuzberg hat die Polizei gestern eine großangelegte Übung für den Ernstfall einer Amoklage durchgeführt. An der Theodor-Hoppe-Schule trainierten Einsatzkräfte verschiedener Einheiten das koordinierte Vorgehen bei einer bewaffneten Bedrohungssituation. Die Übung löste bei Anwohnern zeitweise Verunsicherung aus, da laute Knallgeräusche zu hören waren.
«Diese Trainingsszenarien sind unverzichtbar, um unsere Einsatzkräfte optimal auf Extremsituationen vorzubereiten», erklärt Polizeisprecher Martin Halweg. «Wir müssen regelmäßig üben, damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt.»
Die Polizei hatte im Vorfeld über die sozialen Medien und durch Aushänge in der Nachbarschaft über die geplante Übung informiert. Dennoch riefen besorgte Anwohner wegen der Knallgeräusche bei der Polizei an. Die Geräusche stammten von Übungsmunition, die im Rahmen des Trainings zum Einsatz kam.
An der Übung waren neben regulären Polizeikräften auch Spezialeinheiten beteiligt. Trainiert wurden verschiedene Szenarien, darunter die Evakuierung von Schülern und Lehrern sowie die Neutralisierung einer bewaffneten Bedrohung. Auch die Zusammenarbeit mit Rettungsdiensten wurde geprobt.
Berlins Innensenatorin Iris Spranger betonte die Wichtigkeit solcher Vorbereitungen: «Die Sicherheit unserer Schulen hat höchste Priorität. Auch wenn wir hoffen, dass ein solcher Fall niemals eintritt, müssen wir bestmöglich vorbereitet sein.»
Statistiken der Berliner Polizei zeigen, dass Amoklagen an Schulen in Deutschland selten sind, ihre Auswirkungen jedoch verheerend sein können. In den vergangenen zwanzig Jahren gab es bundesweit sieben schwere Amoktaten an Bildungseinrichtungen.
«Jede Minute zählt in einer solchen Situation», erklärt Einsatzleiter Kommissar Thomas Weber. «Unser Ziel ist es, schnellstmöglich Zugang zum Täter zu bekommen und gleichzeitig möglichst viele Menschen in Sicherheit zu bringen.»
Die gestrige Übung ist Teil eines umfassenden Sicherheitskonzepts, das die Berliner Polizei in Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Bildung entwickelt hat. Es umfasst neben Einsatztrainings auch präventive Maßnahmen und Notfallpläne für Schulen.
«Für uns Lehrer ist es beruhigend zu wissen, dass die Polizei solche Szenarien trainiert», sagt Schulleiterin Monika Bauer. «Wir arbeiten eng mit den Behörden zusammen, um unsere Schüler bestmöglich zu schützen.»
Die Übung dauerte insgesamt vier Stunden und wurde anschließend von Experten ausgewertet. Erkenntnisse aus dem Training werden nun in die Einsatzkonzepte der Berliner Polizei einfließen. Ähnliche Übungen sollen in den kommenden Monaten an weiteren Schulstandorten stattfinden.
«Die Sicherheit an Berliner Schulen ist eine Gemeinschaftsaufgabe», betont der Landeselternsprecher Norman Heise. «Solche Übungen sind wichtig, aber ebenso wichtig ist die Prävention durch soziale Arbeit und psychologische Betreuung an Schulen.»
Nach Angaben der Polizei werden die Erfahrungen aus der Übung nun ausgewertet und in die Weiterbildung der Einsatzkräfte integriert. Ziel sei es, die Reaktionsfähigkeit kontinuierlich zu verbessern und die Zusammenarbeit zwischen allen beteiligten Behörden zu optimieren.
«Berlin hat ein sehr gutes Sicherheitskonzept für Schulen», erläutert Polizeipsychologin Dr. Sandra Klein. «Aber wir müssen es regelmäßig überprüfen und anpassen. Solche Übungen sind dabei ein wichtiger Baustein.»
Die Polizei bittet um Verständnis für mögliche Unannehmlichkeiten während solcher Trainings und betont, dass die Sicherheit der Bevölkerung an erster Stelle steht.