In einem Münchner Gerichtssaal beginnt heute die juristische Aufarbeitung eines tragischen Vorfalls, der die lokale Kampfsportgemeinschaft erschüttert hat. Ein 37-jähriger Mann muss sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten, nachdem ein Trainingskampf tödlich endete.
Der Vorfall ereignete sich im November 2022 in einer Kampfsportschule im Münchner Stadtteil Sendling. Während eines Sparrings, also eines Übungskampfes, trat der Angeklagte seinem 35-jährigen Trainingspartner gegen den Hals. Was als normales Training begann, nahm eine dramatische Wendung, als das Opfer kurz darauf zusammenbrach.
«Der Tritt verursachte eine Verletzung der Halsschlagader, die zu einem Schlaganfall führte», erklärt Staatsanwältin Juliane Grotz. «Der 35-Jährige verstarb drei Wochen später im Krankenhaus an den Folgen.»
Die Ermittlungen zeigen, dass der Angeklagte und das Opfer erfahrene Kampfsportler waren und regelmäßig miteinander trainierten. Beide kannten die Risiken ihres Sports. Dennoch wirft die Staatsanwaltschaft dem 37-Jährigen vor, die nötige Sorgfalt missachtet zu haben.
«Bei Kampfsportarten mit vollem Körperkontakt besteht immer ein gewisses Risiko», sagt Thomas Weber, ein lokaler Kampfsporttrainer, der den Fall aufmerksam verfolgt. «Aber wir trainieren mit klaren Regeln und Schutzmaßnahmen, um genau solche Tragödien zu verhindern.»
In der Münchner Kampfsportszene herrscht Betroffenheit. «Wir sind eine enge Gemeinschaft. Wenn so etwas passiert, trifft es uns alle», berichtet Maria Schneider vom Bayerischen Kampfsportverband. «Viele Schulen überprüfen jetzt nochmal ihre Sicherheitskonzepte.»
Die Verteidigung betont, dass es sich um einen tragischen Unfall ohne Vorsatz handelte. «Mein Mandant ist am Boden zerstört», erklärt Verteidiger Andreas Schmidt. «Er hat seinen Trainingspartner als Freund betrachtet und leidet selbst enorm unter den Konsequenzen.»
Für den Prozess sind mehrere Verhandlungstage angesetzt. Experten für Kampfsport und Rechtsmediziner werden als Sachverständige gehört. Sie sollen klären, ob der Tritt regelkonform war und ob der Angeklagte die Gefährlichkeit seiner Handlung hätte erkennen müssen.
Die Familie des Verstorbenen nimmt als Nebenkläger am Verfahren teil. «Sie wollen vor allem verstehen, was genau passiert ist», sagt ihr Anwalt Michael Berger. «Und sie hoffen, dass solche Unfälle künftig verhindert werden können.»
Der Fall wirft grundsätzliche Fragen zur Sicherheit im Kampfsport auf. In den letzten Jahren haben viele Kampfsportarten an Beliebtheit gewonnen, besonders Mixed Martial Arts (MMA) und verschiedene asiatische Kampfkünste.
«Wir müssen das richtige Gleichgewicht finden», meint Sportmediziner Dr. Thomas Müller. «Kampfsport bietet viele positive Aspekte wie Disziplin und Fitness. Aber die Sicherheit muss immer an erster Stelle stehen.»
Das Amtsgericht München könnte den Angeklagten zu einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren verurteilen. Ein Urteil wird für Ende des Monats erwartet.
«Dieser Fall erinnert uns alle daran, dass selbst im kontrollierten Umfeld eines Trainings schwerwiegende Unfälle passieren können», sagt Richter Klaus Hoffmann zu Prozessbeginn. «Unsere Aufgabe ist es nun, die strafrechtliche Verantwortung fair zu bewerten.»
Die Münchner Kampfsportschulen haben inzwischen reagiert. Viele bieten zusätzliche Sicherheitsschulungen an und überarbeiten ihre Trainingskonzepte, besonders für fortgeschrittene Kämpfer.
«Aus dieser Tragödie müssen wir lernen», betont Weber. «Respekt und Kontrolle sind im Kampfsport genauso wichtig wie Technik und Kraft.»