München Mordprozess: Richterwechsel nach Eklat im Verfahren um tödliche Messerattacke
Im Mordprozess um die tödliche Messerattacke im Alten Botanischen Garten in München kommt es zu einem unerwarteten Richterwechsel. Der Vorsitzende Richter der 1. Schwurgerichtskammer am Landgericht München I wurde nach einem Eklat für befangen erklärt. Diese Entwicklung verzögert das Verfahren erheblich und sorgt für Aufmerksamkeit in der Münchener Öffentlichkeit.
Der Fall geht zurück auf ein Gewaltverbrechen vom vergangenen Sommer. Ein 25-jähriger Mann wurde im Juli 2023 im Alten Botanischen Garten, einer bekannten Grünanlage in der Münchener Innenstadt, durch mehrere Messerstiche tödlich verletzt. Die Tat ereignete sich am helllichten Tag in der beliebten Parkanlage, was viele Münchenerinnen und Münchener erschütterte.
Angeklagt ist ein 22-jähriger Mann, dem die Staatsanwaltschaft Mord aus niedrigen Beweggründen vorwirft. Der Prozess hatte vor einigen Wochen begonnen und sollte ursprünglich bis in den Frühsommer hinein dauern. Nun muss die Verhandlung mit einem neuen Vorsitzenden Richter praktisch von vorn beginnen.
Der Befangenheitsantrag gegen den bisherigen Vorsitzenden wurde von der Verteidigung des Angeklagten gestellt. Anlass war offenbar eine Äußerung des Richters während einer Verhandlung, die als voreingenommen gewertet wurde. Nach Prüfung des Antrags entschied das Landgericht, dass der Richter tatsächlich als befangen gilt und sich aus dem Verfahren zurückziehen muss.
«Ein solcher Richterwechsel während eines laufenden Mordprozesses ist äußerst selten», erklärt ein Sprecher des Münchener Landgerichts. «Es handelt sich um eine außergewöhnliche Situation, die jedoch zeigt, dass die Kontrollmechanismen unserer Justiz funktionieren.»
Die Hinterbliebenen des Opfers reagierten mit Bestürzung auf die Verzögerung. «Für die Familie ist diese Entwicklung sehr belastend», berichtet ihre Anwältin. «Sie müssen nun noch länger auf den Abschluss des Verfahrens und damit auf einen wichtigen Schritt in ihrer Trauerarbeit warten.»
Der Fall hatte im vergangenen Jahr große Aufmerksamkeit in München erregt. Der Alte Botanische Garten gilt als sozialer Brennpunkt, in dem es immer wieder zu Auseinandersetzungen kommt. Nach dem tödlichen Vorfall hatte die Stadt zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen angekündigt und die Polizeipräsenz in dem Bereich verstärkt.
Für die neue Hauptverhandlung muss nun ein komplett neuer Zeitplan erstellt werden. Bereits vernommene Zeugen müssen erneut geladen werden, Gutachten müssen wieder in die Verhandlung eingeführt werden. Rechtsexperten schätzen, dass sich das Verfahren dadurch um mehrere Monate verzögern könnte.
Die Staatsanwaltschaft bleibt trotz der Verzögerung zuversichtlich. «Wir haben umfangreiche Beweismittel, die wir in der neuen Hauptverhandlung vorlegen werden», betont der zuständige Staatsanwalt. «An unserer rechtlichen Bewertung der Tat als Mord ändert der Richterwechsel nichts.»
Der Fall wirft auch ein Schlaglicht auf die Diskussion um die Sicherheit in öffentlichen Parks und Grünanlagen. Bürgermeisterin Verena Dietl hatte nach dem Vorfall eine Sicherheitskonferenz einberufen und verschiedene Maßnahmen angekündigt, darunter verbesserte Beleuchtung und regelmäßigere Kontrollen durch Polizei und Ordnungsamt.
Das Landgericht München I hat inzwischen einen neuen Vorsitzenden Richter für das Verfahren bestimmt. Der neue Prozessauftakt soll in den kommenden Wochen stattfinden. Ein genauer Termin wurde noch nicht bekannt gegeben.
Für den Angeklagten gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Er befindet sich seit seiner Festnahme kurz nach der Tat in Untersuchungshaft.