Im Hamburger Hauptbahnhof sorgte gestern ein Vorfall für Aufsehen, als ein mutmaßlicher Ladendieb nach seiner Festnahme den verbotenen Hitlergruß zeigte. Der Vorfall ereignete sich am späten Nachmittag im stark frequentierten Bahnhofsgebäude.
Nach ersten Erkenntnissen wurde der 36-jährige Mann zunächst beim Diebstahl in einem der Geschäfte im Hauptbahnhof ertappt. Als Sicherheitsmitarbeiter ihn stellten, reagierte er zunehmend aggressiv. Die herbeigerufene Bundespolizei nahm den Mann vorläufig fest.
«Während der Festnahme verhielt sich der Verdächtige äußerst unkooperativ und zeigte plötzlich den verfassungsfeindlichen Hitlergruß«, berichtet Polizeihauptwachtmeister Jens Maurer von der Bundespolizeiinspektion Hamburg. «Solche Vorfälle nehmen wir sehr ernst und leiten umgehend entsprechende Maßnahmen ein.»
Mehrere Reisende wurden Zeugen des Vorfalls, der sich in der Haupthalle des Bahnhofs abspielte. Eine Frau, die anonym bleiben möchte, beschreibt die Situation: «Es war erschreckend zu sehen, wie offen solche Symbole gezeigt werden. Viele Menschen waren sichtlich schockiert.»
Das Zeigen des Hitlergrußes ist in Deutschland als Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen strafbar und kann mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet werden. Der Staatsschutz beim Landeskriminalamt Hamburg hat die Ermittlungen übernommen.
Der Verdächtige, der bereits polizeibekannt ist, muss sich nun wegen Ladendiebstahls und der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole verantworten. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wurde er vorläufig wieder auf freien Fuß gesetzt.
Die Bundespolizei verzeichnet am Hamburger Hauptbahnhof in den letzten Monaten eine Zunahme von Straftaten. Allein im vergangenen Jahr wurden über 14.000 Delikte registriert, darunter hauptsächlich Diebstähle, Körperverletzungen und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz.
«Der Hauptbahnhof ist mit täglich über 450.000 Reisenden nicht nur ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, sondern auch ein sozialer Brennpunkt», erklärt Sozialarbeiter Michael Herbst von der Bahnhofsmission. «Hier treffen verschiedene gesellschaftliche Gruppen aufeinander, was manchmal zu Konflikten führt.»
Die Polizei hat ihre Präsenz am Hauptbahnhof in den letzten Wochen verstärkt. Eine gemeinsame Task Force von Bundes- und Landespolizei soll die Sicherheitslage verbessern. Zudem wurden zusätzliche Überwachungskameras installiert.
Rechtsextreme Vorfälle im öffentlichen Raum nehmen nach Einschätzung des Hamburger Verfassungsschutzes leicht zu. Im letzten Jahr wurden in der Hansestadt 312 Straftaten mit rechtsextremem Hintergrund registriert – ein Anstieg von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Zeugen des Vorfalls werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden. Besonders wichtig sind Handyaufnahmen oder andere Beobachtungen, die zur Aufklärung des Falls beitragen können.