Ein plötzlicher Stromausfall hat heute Morgen den gesamten Stadtbahnverkehr in Stuttgart zum Erliegen gebracht. Tausende Pendler standen vor verschlossenen Türen oder saßen in stehengebliebenen Bahnen fest. Der technische Defekt, der gegen 7:30 Uhr auftrat, betraf alle Stadtbahnlinien im Stuttgarter Stadtgebiet.
«Ich stand gerade an der Haltestelle Charlottenplatz, als die Anzeigetafeln plötzlich schwarz wurden», berichtet Augenzeugin Maria Berger. «Kurz darauf gab es eine Durchsage, dass alle Stadtbahnen bis auf Weiteres außer Betrieb sind. Die Menschen um mich herum waren zunächst verwirrt, dann zunehmend frustriert.»
Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) bestätigte den Vorfall. «Ein technisches Problem im zentralen Stromversorgungssystem hat zu einem flächendeckenden Ausfall im Stadtbahnnetz geführt», erklärte SSB-Sprecher Thomas Weber. «Unsere Techniker arbeiten mit Hochdruck an der Behebung des Problems.»
Besonders dramatisch war die Situation für Fahrgäste, die sich zum Zeitpunkt des Stromausfalls in den Tunnelabschnitten befanden. In der U1 zwischen Hauptbahnhof und Staatsgalerie mussten etwa 80 Fahrgäste in völliger Dunkelheit ausharren, bis sie von Einsatzkräften evakuiert werden konnten.
«Ich habe meine Handytaschenlampe eingeschaltet, um für etwas Licht zu sorgen», erzählt der 42-jährige Fahrgast Michael Schneider. «Die Stimmung war angespannt, aber die meisten blieben ruhig. Nach etwa 20 Minuten erreichten uns die Rettungskräfte und brachten uns sicher zum Ausgang.»
Die Störung hat weitreichende Auswirkungen auf den gesamten Verkehr in Stuttgart. Auf den Straßen bildeten sich lange Staus, da viele Menschen spontan auf Autos oder Taxis umsteigen mussten. Die Taxizentralen meldeten eine Vervierfachung der Anrufe und lange Wartezeiten.
«So einen umfassenden Ausfall haben wir seit dem großen Stromausfall 2023 nicht mehr erlebt», sagte Verkehrsdezernentin Julia Hofmann. «Das zeigt einmal mehr, wie abhängig unsere städtische Mobilität von funktionierender Infrastruktur ist.»
Die SSB richtete einen Ersatzverkehr mit Bussen ein, jedoch reichte die Kapazität bei weitem nicht aus, um die normalerweise über 400.000 täglichen Fahrgäste zu befördern. Viele Arbeitnehmer berichteten von erheblichen Verspätungen.
«Ich komme mindestens zwei Stunden zu spät zur Arbeit», sagte die 35-jährige Krankenschwester Sabine Müller, die in der Uniklinik arbeitet. «Zum Glück hat mein Team Verständnis, aber es ist ärgerlich, weil solche Ausfälle in letzter Zeit häufiger vorkommen.»
Nach Angaben der Stadtwerke Stuttgart steht der Ausfall möglicherweise im Zusammenhang mit Wartungsarbeiten am Stromnetz, die in der Nacht durchgeführt wurden. Eine abschließende Ursachenklärung steht jedoch noch aus.
Experten für Verkehrsinfrastruktur sehen in dem Vorfall ein Alarmsignal. «Die zunehmende Elektrifizierung des Verkehrs erfordert massive Investitionen in resiliente Stromnetze», erklärt Prof. Dr. Martin Bauer von der Universität Stuttgart. «Wir müssen mehr in Ausfallsicherheit und redundante Systeme investieren, sonst werden solche Störungen zum Regelfall.»
Gegen Mittag konnten erste Stadtbahnlinien den Betrieb wieder aufnehmen. Die SSB rechnet damit, dass der Normalbetrieb erst am Abend wiederhergestellt sein wird. Fahrgäste werden gebeten, die aktuellen Meldungen über die SSB-App zu verfolgen oder auf alternative Verkehrsmittel auszuweichen.
Der heutige Vorfall reiht sich ein in eine Serie von Infrastrukturstörungen, die Stuttgart in den letzten Jahren erlebt hat. Stadtrat Markus Klein forderte eine Sondersitzung des Verkehrsausschusses: «Wir müssen dringend über den Zustand unserer Verkehrsinfrastruktur sprechen und mehr Mittel für die Modernisierung bereitstellen.»