Gestern Abend erlebte Trier einen Moment kollektiven Atemanhaltens. Ein Mann mit Messer bedrohte Passanten in der Innenstadt. Die Polizei rückte mit Großaufgebot an. Solche Szenen kennen wir sonst nur aus Nachrichten anderer Städte. Plötzlich war die Gefahr mitten unter uns, in unseren vertrauten Straßen.
Die Beamten trafen gegen 21 Uhr auf den bewaffneten Mann. Nach mehrfacher Aufforderung, das Messer niederzulegen, eskalierte die Situation. «Die Einsatzkräfte mussten von der Schusswaffe Gebrauch machen, nachdem der Täter auf Ansprache nicht reagierte und eine akute Bedrohungslage bestand», erklärte Polizeisprecherin Helena Werthmann. Der Angreifer wurde am Bein verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Niemand sonst kam zu Schaden.
Ich war gerade auf dem Heimweg vom Kino, als die Sirenen durch die Nacht heulten. Meine Freundin zog mich instinktiv in einen Hauseingang. Die Anspannung auf den Gesichtern der Menschen war greifbar. Eine ältere Dame neben uns flüsterte: «Nicht schon wieder sowas in unserer Stadt.»
Trier hat schon einmal kollektiv getrauert. Die Amokfahrt von 2020 sitzt noch tief in unseren Knochen. Vielleicht erklärt das die Welle der Erleichterung, die heute durch Gespräche und soziale Medien schwappt. Die Stadt atmet auf. Und fragt sich gleichzeitig: Was bringt Menschen zu solchen Taten? Eine Antwort, die uns allen fehlt.