In einem sonst ruhigen Münchner Stadtviertel herrscht seit gestern Entsetzen und Trauer. Eine 75-jährige Bewohnerin wurde tot in ihrem Wohnhaus aufgefunden. Nach ersten Ermittlungen der Polizei steht ein Nachbar unter dringendem Tatverdacht.
Die Polizei wurde am Mittwochnachmittag alarmiert, nachdem Angehörige die Seniorin nicht erreichen konnten und besorgt Nachschau hielten. Bei ihrer Ankunft fanden die Beamten die leblose Frau mit Anzeichen von Gewalteinwirkung.
«Wir sind alle fassungslos», sagt Maria Huber, eine langjährige Nachbarin der Verstorbenen. «Sie war eine hilfsbereite und freundliche Person, die jeden mit einem Lächeln begrüßte.» Die 75-Jährige lebte seit über drei Jahrzehnten in dem Haus und war in der Nachbarschaft beliebt und respektiert.
Nach intensiven Ermittlungen nahmen Polizeibeamte noch am selben Tag einen 48-jährigen Mann fest, der nur wenige Häuser entfernt wohnt. Die Staatsanwaltschaft München I hat bereits Haftbefehl wegen des Verdachts auf Totschlag beantragt. Zum genauen Tatmotiv schweigen die Ermittler derzeit noch.
«Wir haben bisher keine Hinweise auf eine länger bestehende Auseinandersetzung zwischen dem Verdächtigen und dem Opfer», erklärt Hauptkommissar Thomas Weber von der Münchner Kriminalpolizei. «Die genauen Tatumstände sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen.»
Nach Aussagen mehrerer Anwohner war der Verdächtige erst vor etwa einem Jahr in die Nachbarschaft gezogen. Ein Nachbar, der anonym bleiben möchte, berichtet: «Er hat immer einen ruhigen Eindruck gemacht, grüßte freundlich. Dass so etwas passieren könnte, hätte niemand gedacht.»
Die Kriminalpolizei hat die Spurensicherung am Tatort inzwischen abgeschlossen. Ein Team aus Rechtsmedizinern untersucht derzeit, wie genau die Seniorin zu Tode kam. Die Ermittler bitten Zeugen, die im Tatzeitraum zwischen Dienstagabend und Mittwochmittag verdächtige Beobachtungen gemacht haben, sich zu melden.
Für die Nachbarschaft bedeutet der Vorfall einen tiefen Einschnitt. «Das Gefühl von Sicherheit ist erstmal weg», sagt Robert Maier, Vorsitzender der örtlichen Bürgerinitiative. «Viele ältere Menschen in unserer Gegend sind jetzt verängstigt.»
Die Stadt München hat für betroffene Anwohner ein Kriseninterventionsteam bereitgestellt. Mehrere Nachbarn haben spontan einen kleinen Gedenkort vor dem Haus der Verstorbenen eingerichtet, wo Kerzen und Blumen an die beliebte Seniorin erinnern.
Die Polizei versichert, mit erhöhter Präsenz im Viertel für Sicherheit zu sorgen. «Wir nehmen die Sorgen der Anwohner sehr ernst», betont Revierleiter Michael Schmidt. «Nach aktuellem Ermittlungsstand handelt es sich aber um eine Einzeltat ohne weitere Gefährdung für die Bevölkerung.»
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die oft unsichtbaren Spannungen, die selbst in gewachsenen Nachbarschaften bestehen können. Experten für Kriminalprävention raten, bei auffälligen Veränderungen im Verhalten von Nachbarn oder ungewöhnlichen Vorkommnissen niedrigschwellig die Polizei zu informieren.
Für die Angehörigen der Getöteten wurde eine psychologische Betreuung organisiert. Die Nachbarschaft plant für das Wochenende eine kleine Gedenkveranstaltung, um gemeinsam zu trauern und Zusammenhalt zu zeigen.