Ein doppeltes Verkehrschaos legte am Mittwoch große Teile Münchens lahm. Die Kombination aus einem ganztägigen Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr und dem Champions-League-Heimspiel des FC Bayern München gegen Real Madrid sorgte für überfüllte Straßen und frustrierte Pendler in der bayerischen Landeshauptstadt.
Der Warnstreik der Gewerkschaft Verdi führte zur kompletten Einstellung des U-Bahn- und Trambetriebs. Nur wenige Busse, die von privaten Subunternehmen betrieben werden, verkehrten nach einem Notfallplan. «Wir fordern bessere Arbeitsbedingungen und eine faire Bezahlung für unsere Mitglieder,» erklärte Verdi-Sprecher Heinrich Birner. Der Streik begann um 3:30 Uhr morgens und dauerte bis Betriebsschluss.
Viele Münchnerinnen und Münchner stiegen notgedrungen aufs Auto um. «Normalerweise fahre ich mit der U-Bahn zur Arbeit, aber heute musste ich das Auto nehmen,» berichtete die 34-jährige Anna Schmidt, die in Schwabing arbeitet. «Für die Strecke, die sonst 20 Minuten dauert, habe ich heute über eine Stunde gebraucht.»
Die Verkehrslage verschärfte sich am Abend dramatisch, als tausende Fußballfans auf dem Weg zur Allianz Arena waren. Das Champions-League-Halbfinale zwischen dem FC Bayern München und Real Madrid lockte 75.000 Zuschauer an. Da die U-Bahn zur Arena nicht fuhr, bildeten sich lange Autoschlangen in Richtung Fröttmaning.
Die Münchner Polizei riet Autofahrern, die Bereiche rund um die Arena weiträumig zu umfahren. «Wir haben zusätzliche Einsatzkräfte mobilisiert, um den Verkehr zu regeln und Staus zu minimieren,» sagte Polizeisprecher Marcus Weber. Trotz der Bemühungen kam es zu Verzögerungen von bis zu zwei Stunden.
Der FC Bayern hatte vorab Shuttle-Busse vom Olympia-Einkaufszentrum zur Arena organisiert. «Wir versuchen, die Situation für unsere Fans so angenehm wie möglich zu gestalten,» sagte Vereinssprecher Stefan König. Viele Fans nutzten auch die Möglichkeit, mit Regionalzügen anzureisen, die nicht vom Streik betroffen waren.
Für die Münchner Wirtschaft bedeutete der Tag erhebliche Einbußen. Die Industrie- und Handelskammer München schätzt den wirtschaftlichen Schaden auf mehrere Millionen Euro. «Wenn Mitarbeiter zu spät oder gar nicht zur Arbeit kommen können, hat das direkte Auswirkungen auf die Produktivität,» erklärte IHK-Präsident Christoph Leicher.
Besonders hart traf es die Gastronomie in der Innenstadt. «Viele Mittagskunden sind heute ausgeblieben, weil sie im Stau standen oder von zu Hause gearbeitet haben,» berichtete Gastwirt Michael Huber vom Restaurant «Münchner Stubn» am Marienplatz.
Auch Touristen waren von dem Chaos betroffen. «Wir wollten heute eigentlich eine Stadttour machen, aber unser Bus kam nicht durch den Verkehr,» sagte die amerikanische Touristin Jennifer Miller. «Wir haben dann einfach in der Nähe unseres Hotels die Gegend erkundet.»
Die Stadtwerke München entschuldigten sich für die Unannehmlichkeiten und verwiesen auf die laufenden Tarifverhandlungen. «Wir hoffen auf eine baldige Einigung, um weitere Streiks zu vermeiden,» sagte MVG-Sprecher Maximilian Wagner.
Experten raten, bei ähnlichen Situationen in Zukunft wenn möglich auf das Fahrrad umzusteigen oder im Homeoffice zu arbeiten. «An Tagen mit absehbaren Verkehrsproblemen sollten Arbeitgeber flexibel reagieren und Heimarbeit ermöglichen,» empfiehlt Verkehrsplanerin Dr. Sabine Reitmeier von der TU München.
Für den Rest der Woche wird wieder normaler Betrieb im Münchner Nahverkehr erwartet. Weitere Verhandlungsrunden zwischen Verdi und den Arbeitgebern sind für nächste Woche angesetzt.