Der Essener Stadtrat hat ein umfangreiches Programm zur Erweiterung der Fahrradinfrastruktur beschlossen. Im Zentrum steht die Installation von 500 neuen Fahrradständern im gesamten Stadtgebiet bis Ende 2025. Die Maßnahme ist Teil der städtischen Mobilitätsstrategie, die das Radfahren als umweltfreundliche Alternative zum Autoverkehr fördern soll.
«Wir wollen Essen fahrradfreundlicher machen», erklärt Verkehrsdezernentin Simone Raskob. «Die neuen Fahrradständer sind ein wichtiger Baustein, um mehr Menschen aufs Rad zu bringen.» Die Stadt investiert rund 350.000 Euro in das Projekt. Die Standorte wurden basierend auf einer Bürgerbefragung und Verkehrsanalysen ausgewählt.
Besonders in der Innenstadt und an stark frequentierten Plätzen wie dem Hauptbahnhof, dem Rathaus und den Einkaufsstraßen werden moderne Anlehnbügel installiert. Diese bieten mehr Sicherheit als herkömmliche Vorderradhalter, da Fahrräder am Rahmen angeschlossen werden können.
Die ersten 120 Ständer werden bereits im April im Stadtkern aufgestellt. «Die Nachfrage ist enorm», berichtet Johannes Weber vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Essen. «Viele Radfahrende finden aktuell keinen sicheren Abstellplatz, besonders in der Innenstadt und an Bahnhöfen.»
Auch Anwohner zeigen sich erfreut. «Ich fahre oft mit dem Rad zum Einkaufen, aber die Suche nach einem Abstellplatz ist frustierend», erzählt die Rüttenscheider Anwohnerin Martina Brandt. «Die neuen Ständer sind längst überfällig.»
Das Projekt beinhaltet zudem fünf überdachte Fahrradabstellanlagen an wichtigen ÖPNV-Knotenpunkten, um die Kombination von Rad und öffentlichem Nahverkehr zu erleichtern. Die erste dieser Anlagen soll am Bahnhof Essen-Altenessen entstehen und Platz für 60 Räder bieten.
Die Initiative ist Teil des Essener Radverkehrskonzepts, das bis 2030 den Radverkehrsanteil auf 15 Prozent steigern will. Aktuell liegt er bei etwa 7 Prozent. Zum Vergleich: In Münster beträgt der Anteil des Radverkehrs bereits 39 Prozent.
«Fahrradständer allein reichen natürlich nicht aus», betont Stadtplaner Martin Schmitz. «Wir arbeiten parallel am Ausbau des Radwegenetzes und an der Verbesserung der Verkehrssicherheit.» In den kommenden Jahren sollen 25 Kilometer neue Radwege und Fahrradstraßen entstehen.
Das Fahrradständerprogramm wird durch ein digitales Informationssystem ergänzt. Über die städtische App können Radfahrende künftig freie Abstellplätze finden. «Die Digitalisierung hilft uns, die Infrastruktur effizienter zu nutzen», erklärt Digitalisierungsbeauftragter Thomas Kufen.
Neben der Stadt engagieren sich auch lokale Unternehmen. Die RWE-Stiftung fördert zehn Ladestationen für E-Bikes an ausgewählten Standorten. «Elektrofahrräder werden immer beliebter», sagt Stiftungsvorstand Peter Schmidt. «Mit den Ladestationen wollen wir diesen Trend unterstützen.»
Die Bürgerbeteiligung soll auch bei der weiteren Umsetzung eine zentrale Rolle spielen. Über ein Online-Portal können Essener Vorschläge für zusätzliche Standorte einreichen. «Niemand kennt die Bedarfe vor Ort besser als die Menschen, die täglich mit dem Rad unterwegs sind», betont Oberbürgermeister Thomas Kufen.
Kritik kommt von der Autofahrerlobby. Der Verband der Automobilklubs befürchtet, dass für die Fahrradständer weitere Parkplätze wegfallen könnten. Die Stadtverwaltung versichert jedoch, dass überwiegend bisher ungenutzte Flächen umgewandelt werden.
Experten sehen in dem Programm einen wichtigen Schritt. «Sichere Abstellanlagen sind entscheidend für die Förderung des Radverkehrs», erklärt Verkehrsplanerin Dr. Claudia Müller von der Universität Duisburg-Essen. «Studien zeigen, dass die Angst vor Diebstahl viele Menschen vom Radfahren abhält.»
Die neuen Fahrradständer sind Teil eines Gesamtpakets für nachhaltige Mobilität in Essen. Die Stadt wurde 2017 zur Grünen Hauptstadt Europas gekürt und verfolgt ambitionierte Klimaziele. Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß um 55 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden.
Interessierte Bürger können sich auf der Webseite der Stadt Essen über den Fortschritt des Projekts informieren. Dort werden auch regelmäßig die neuen Standorte der Fahrradständer veröffentlicht.