Die fünfte Jahreszeit ist nicht nur eine Zeit ausgelassener Feierlichkeiten, sondern auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für viele Städte Deutschlands. In Köln, der Karnevalshochburg schlechthin, klingeln die Kassen besonders laut.
«Der Karneval ist für unsere Stadt Gold wert«, erklärt Henriette Weber, Sprecherin der Kölner Tourismus GmbH. «Während der Karnevalszeit verzeichnen wir eine Auslastung der Hotels von nahezu 100 Prozent. Viele Betriebe sind bereits Monate im Voraus ausgebucht.»
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Allein in Köln generiert die närrische Zeit einen Umsatz von rund 600 Millionen Euro. Die Kostüm- und Dekorationsgeschäfte erleben ihren Jahreshöhepunkt, Gastronomiebetriebe steigern ihre Einnahmen um bis zu 30 Prozent und die Hotellerie verzeichnet einen Anstieg der Übernachtungszahlen um etwa 25 Prozent im Vergleich zu anderen Wintermonaten.
Peter Schmitz, Inhaber eines Kostümgeschäfts in der Kölner Altstadt, bestätigt: «Der Umsatz während der Karnevalszeit macht bei uns etwa 40 Prozent des Jahresumsatzes aus. Besonders gefragt sind dieses Jahr wieder klassische Kostüme wie Piraten und Clowns, aber auch Figuren aus aktuellen Filmen und Serien.»
Auch andere rheinische Städte profitieren erheblich vom närrischen Treiben. In Düsseldorf wird der wirtschaftliche Nutzen auf etwa 330 Millionen Euro geschätzt, in Mainz auf rund 180 Millionen. Damit liegt Köln im bundesweiten Vergleich unangefochten an der Spitze.
Der Einzelhandel freut sich über die zusätzlichen Einnahmen. Süßigkeitenhersteller produzieren für den Straßenkarneval tonnenweise «Kamelle» – die beliebten Wurfgeschenke der Umzüge. Rund 300 Tonnen Süßwaren werden allein beim Kölner Rosenmontagszug unter die Leute gebracht.
«Für viele Betriebe ist der Karneval überlebenswichtig«, erklärt Wirtschaftsexperte Dr. Thomas Müller. «Gerade in den sonst eher umsatzschwachen Wintermonaten sorgt er für einen wichtigen Schub. Viele Gastronomen und Einzelhändler erwirtschaften in dieser Zeit das Polster für das gesamte Jahr.»
Die Karnevalsvereine selbst sind längst zu mittelständischen Unternehmen geworden. Die größten Kölner Vereine haben Jahresbudgets im siebenstelligen Bereich. Allein für die Organisation des Rosenmontagszugs werden etwa 2,5 Millionen Euro aufgewendet.
Doch auch über die direkt sichtbaren Einnahmen hinaus wirkt der Karneval als Wirtschaftsmotor. Das Image als Karnevalshochburg zieht das ganze Jahr über Touristen an. Die Stadt Köln nutzt die Bekanntheit des Karnevals gezielt für ihr Stadtmarketing.
Obwohl die vergangenen Corona-Jahre dem Karneval einen Dämpfer versetzt haben, erholt sich die Branche zusehends. «Wir spüren einen regelrechten Nachholbedarf bei den Menschen», berichtet Gastronomin Sabine Keller. «Die Buchungszahlen für Karnevalssitzungen und Partys sind sogar höher als vor der Pandemie.»
Der wirtschaftliche Erfolg des Karnevals steht jedoch in einem Spannungsverhältnis zur Tradition. Kritiker bemängeln eine zunehmende Kommerzialisierung des Brauchtums. «Der Karneval sollte nicht nur als Wirtschaftsfaktor gesehen werden», mahnt Brauchtumsexpertin Dr. Maria Schmitz. «Es geht um gelebte Tradition, um Gemeinschaft und um ein Stück kultureller Identität.»
Dennoch: Für die kommenden Tage sind die Aussichten für die Karnevalswirtschaft sonnig. Das närrische Treiben sorgt in Köln und anderen Hochburgen für volle Kassen – und damit für strahlende Gesichter nicht nur bei den Jecken, sondern auch bei Hoteliers, Gastronomen und Einzelhändlern.