In der Nacht zum Mittwoch brach ein Feuer im ehemaligen Stadtbad Lichtenberg aus. Das seit Jahren leerstehende Schwimmbad an der Hubertusstraße diente zuletzt als Unterschlupf für obdachlose Menschen. Die Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot an.
Gegen 1:30 Uhr wurden die Einsatzkräfte alarmiert. Als sie eintrafen, standen Teile des historischen Gebäudes bereits in Flammen. «Wir konnten dichten Rauch schon von weitem sehen», berichtete ein Feuerwehrsprecher. Insgesamt waren 52 Feuerwehrleute mit 16 Fahrzeugen vor Ort.
Die Löscharbeiten gestalteten sich schwierig. Das teilweise einsturzgefährdete Gebäude konnte nur von außen bekämpft werden. «Die Sicherheit unserer Einsatzkräfte hat oberste Priorität», erklärte der Einsatzleiter. Die Feuerwehr brauchte mehrere Stunden, um den Brand unter Kontrolle zu bringen.
Nach ersten Erkenntnissen befanden sich zum Zeitpunkt des Feuers keine Personen im Gebäude. Anwohner berichteten jedoch, dass das verlassene Schwimmbad regelmäßig von Obdachlosen als Schlafplatz genutzt wurde. Sozialarbeiter der Berliner Kältehilfe sind nun vor Ort, um möglichen Betroffenen Unterstützung anzubieten.
«Wir haben bereits Kontakt zu einigen Menschen aufgenommen, die dort übernachtet haben», sagte Maria Köhler vom Verein für Wohnungslosenhilfe. «Jetzt geht es darum, ihnen schnell alternative Unterkünfte anzubieten.»
Das Stadtbad Lichtenberg, erbaut in den 1920er Jahren, steht seit 2008 leer. Mehrere Initiativen versuchten in den vergangenen Jahren, das denkmalgeschützte Gebäude zu retten und einer neuen Nutzung zuzuführen. Bisher ohne Erfolg.
«Es ist tragisch, dass wieder einmal ein historisches Gebäude durch Leerstand gefährdet wird», kommentierte Bezirksstadtrat Martin Weber. «Und noch tragischer, dass Menschen in solchen unsicheren Orten Zuflucht suchen müssen.»
Die Brandursache ist noch unklar. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen und schließt Brandstiftung nicht aus. Experten können das Gebäude jedoch erst betreten, wenn die Statik überprüft wurde.
Im Umfeld des ehemaligen Bades werden nun verstärkt Sozialarbeiter eingesetzt, um obdachlosen Menschen Hilfe anzubieten. Die Bezirksverwaltung kündigte an, zusätzliche Notschlafplätze in der Umgebung bereitzustellen.
Der Vorfall wirft erneut ein Schlaglicht auf die Wohnungslosigkeit in Berlin. Nach Schätzungen der Berliner Stadtmission leben derzeit etwa 4.000 bis 6.000 Menschen ohne festen Wohnsitz in der Hauptstadt. Besonders im Winter suchen viele Schutz in leerstehenden Gebäuden.
Für das Stadtbad Lichtenberg bedeutet der Brand einen weiteren Rückschlag. Wie stark die historische Bausubstanz beschädigt wurde, ist noch nicht abzusehen. Anwohner und Denkmalschützer befürchten jedoch, dass das Feuer den Verfall des Gebäudes weiter beschleunigt haben könnte.