Eine beeindruckende Menschenmenge füllte am Samstag die Straßen der bayerischen Landeshauptstadt. Rund 250.000 Demonstranten versammelten sich im Zentrum Münchens, um während der Münchner Sicherheitskonferenz auf die Menschenrechtsverletzungen im Iran aufmerksam zu machen. Es war eine der größten Demonstrationen, die München in den letzten Jahren erlebt hat.
Die Polizei München bestätigte die hohe Teilnehmerzahl und sprach von einem weitgehend friedlichen Verlauf. Nur vereinzelt kam es zu kleineren Zwischenfällen. Die Organisatoren hatten im Vorfeld mit etwa 100.000 Teilnehmern gerechnet, diese Zahl wurde jedoch deutlich übertroffen.
«Wir sind überwältigt von der Solidarität und dem starken Signal, das heute von München ausgeht», sagte Mina Ahadi, eine der Organisatorinnen der Demonstration. «Die Menschen hier zeigen dem iranischen Regime, dass die Welt hinschaut und die Unterdrückung nicht länger hinnimmt.»
Persönliche Schicksale bewegen die Menge
Besonders bewegend waren die persönlichen Berichte iranischer Frauen, die auf der Demonstration sprachen. Eine Teilnehmerin, die anonym bleiben möchte, berichtete unter Tränen: «Sie haben gedroht, mich zu ermorden, wenn ich kein Kopftuch trage. Ich musste meine Heimat verlassen, um frei leben zu können.«
Diese und ähnliche Geschichten verdeutlichten die brutale Realität im Iran. Seit den Massenprotesten nach dem Tod von Jina Mahsa Amini im September 2022, die in Polizeigewahrsam starb, weil sie ihr Kopftuch nicht «korrekt» getragen hatte, hat das Regime die Repressionen noch verstärkt.
«Die Situation im Iran wird immer schlimmer», erklärte der Menschenrechtsaktivist Hassan Nazari. «Allein im letzten Jahr wurden mehr als 500 Menschen bei Protesten getötet und Tausende inhaftiert. Viele wurden gefoltert oder sind spurlos verschwunden.«
Internationale Aufmerksamkeit während der Sicherheitskonferenz
Der Zeitpunkt der Demonstration war bewusst gewählt. Parallel fand in München die 60. Sicherheitskonferenz statt, bei der sich hochrangige Politiker und Sicherheitsexperten aus aller Welt trafen. Die Demonstranten nutzten diese internationale Bühne, um ihre Botschaft zu verstärken.
«Es ist wichtig, dass die Weltpolitiker, die nur wenige Hundert Meter entfernt tagen, unsere Stimmen hören», sagte Shohreh Bayat, eine ehemalige iranische Schachschiedsrichterin, die heute im Exil lebt. «Wir fordern konkrete Maßnahmen gegen das Regime und nicht nur leere Worte.»
Mehrere Teilnehmer der Sicherheitskonferenz äußerten sich zu den Protesten. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock sagte am Rande der Konferenz: «Die Bilder aus München zeigen eindrucksvoll, wie viele Menschen weltweit für Freiheit und Menschenrechte im Iran eintreten. Diese Stimmen dürfen nicht ignoriert werden.»
Breites Bündnis von Unterstützern
Die Demonstration wurde von einem breiten Bündnis verschiedener Organisationen getragen. Neben iranischen Exilgruppen beteiligten sich auch deutsche Menschenrechtsorganisationen, Frauenrechtsgruppen und Vertreter verschiedener politischer Parteien.
Besonders auffällig war die große Zahl junger Menschen unter den Demonstranten. Viele von ihnen trugen Schilder mit Bildern von im Iran hingerichteten oder inhaftierten Gleichaltrigen. «Ich bin hier, weil ich das Glück habe, in einem freien Land zu leben«, sagte die 19-jährige Studentin Leyla, deren Eltern vor 20 Jahren aus dem Iran flohen. «Aber ich vergesse nicht, dass Menschen meines Alters im Iran für die gleichen Freiheiten sterben, die für mich selbstverständlich sind.»
Forderungen der Demonstranten
Die Demonstranten forderten ein härteres Vorgehen gegen das iranische Regime. Konkret verlangten sie:
- Die Einstufung der iranischen Revolutionsgarden als terroristische Organisation
- Wirtschaftssanktionen gegen hochrangige Vertreter des Regimes
- Diplomatische Isolation des Iran
- Unterstützung für die Demokratiebewegung im Land
- Schutz für geflüchtete Iranerinnen und Iraner in Deutschland
«Es reicht nicht, besorgt zu sein. Wir brauchen Taten», betonte Omid Nouripour, Bundesvorsitzender der Grünen und selbst gebürtiger Iraner, in seiner Rede. «Deutschland und Europa müssen klare Konsequenzen ziehen und dürfen nicht zur Tagesordnung übergehen.«
Blick in die Zukunft
Die Veranstalter werteten die Demonstration als großen Erfolg und kündigten weitere Aktionen an. «Der Kampf geht weiter, bis im Iran Freiheit und Demokratie herrschen», sagte Aktivist Ali Rahnama. «Die Menschen im Iran sollen wissen, dass sie nicht allein sind.»
Experten sehen in der hohen Teilnehmerzahl ein Zeichen für die wachsende internationale Solidarität mit der iranischen Protestbewegung. «Diese Demonstration zeigt, dass das Thema in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist», erklärte die Politikwissenschaftlerin Dr. Maria Schäfer vom Institut für Nahoststudien.
Für die iranische Opposition im Exil ist diese Unterstützung lebenswichtig. «Jede Stimme zählt, jedes Gesicht in der Menge gibt den Menschen im Iran Hoffnung», sagte eine Demonstrantin, die erst vor sechs Monaten aus dem Iran fliehen konnte. «Wir werden nicht aufgeben, bis alle Iranerinnen und Iraner in Freiheit leben können.«
Die Bilder der 250.000 Menschen, die in München friedlich für Menschenrechte demonstrierten, gingen um die Welt und erreichten über soziale Medien auch viele Menschen im Iran selbst – trotz der massiven Internetzensur des Regimes.