Der Wind trug ihre Stimmen bis ins Stadtzentrum, während der Regen die Transparente durchnässte. Gestern versammelten sich über 2.000 Menschen in Lindenberg, um gegen den Auftritt von Björn Höcke zu protestieren. Der umstrittene AfD-Politiker sorgt seit Jahren mit seinen polarisierenden Positionen für Aufruhr in der deutschen Politiklandschaft.
Die Demonstranten bildeten eine bunte Mischung aus Einheimischen und Zugereisten. Jung und Alt standen Seite an Seite, viele mit selbstgemalten Schildern. «Wir senden ein klares Signal gegen Hass und für Demokratie», erklärte Bürgermeister Eric Ballerstedt inmitten der Menge. Die Polizei zeigte massive Präsenz, blieb aber größtenteils im Hintergrund.
Bemerkenswert war die Organisation des Protests. Über 30 Vereine und zivilgesellschaftliche Gruppen hatten mobilisiert. Als ich durch die Reihen ging, traf ich Maria, eine 78-jährige Lindenbergerin. «Ich habe die Nachkriegszeit erlebt», sagte sie mir mit fester Stimme. «Was heute passiert, erinnert mich an Dinge, die wir nie wieder erleben wollten.»
Die Gegenveranstaltung zur Höcke-Kundgebung wurde zum Fest der Demokratie. Mit Musik, Reden und friedlichen Aktionen setzten die Teilnehmer ein Zeichen. Die Stimmung schwankte zwischen Empörung und Entschlossenheit.
Was mich persönlich berührte: Die Gemeinschaft, die an diesem regnerischen Tag entstand. Menschen, die sich vorher nie begegnet waren, standen plötzlich zusammen. In Zeiten wachsender gesellschaftlicher Spaltung zeigte Lindenberg, dass die Kraft des gemeinsamen Protests noch immer wirksam sein kann. Die Bilder dieses Tages werden bleiben.