Die stille Revolution in der Medizin hat begonnen. Während ich letzte Woche durch die Flure einer Berliner Universitätsklinik ging, fielen mir die neuen Plakate zur geschlechtsspezifischen Herzinfarkt-Symptomatik auf. Ein längst überfälliger Wandel in einem Gesundheitssystem, das Frauen jahrzehntelang systematisch übersehen hat.
Frauen wurden in der medizinischen Forschung historisch vernachlässigt. Klinische Studien basierten überwiegend auf männlichen Probanden, deren Ergebnisse man einfach auf Frauen übertrug. «Wir behandeln Frauen noch immer häufig wie kleine Männer, obwohl fundamentale biologische Unterschiede existieren», erklärt Prof. Dr. Vera Regitz-Zagrosek, Pionierin der Gendermedizin. Die Konsequenzen sind gravierend: Fehldiagnosen, unpassende Medikamentendosierungen, übersehene Symptome. Erst kürzlich erlebte ich selbst, wie eine Freundin mit atypischen Herzinfarkt-Symptomen nach Hause geschickt wurde – mit der Diagnose «Stress».
Die neue Aufmerksamkeit für Frauengesundheit ist mehr als überfällig. Initiativen wie das «Deutsche Zentrum für Frauengesundheitsforschung» oder die Aufnahme geschlechtsspezifischer Inhalte ins Medizinstudium markieren erste wichtige Schritte. Doch der Weg ist noch weit.
Unsere Gesellschaft steht an einem Wendepunkt. Die medizinische Gleichberechtigung von Frauen ist keine Nebensächlichkeit, sondern eine Frage der Gerechtigkeit und der Qualität unserer Gesundheitsversorgung. Was so lange im Verborgenen blieb, tritt endlich ins Licht. Für mich persönlich ist es höchste Zeit.