Im Schatten alter Grenzbäume stehen wieder Polizisten. Sie kontrollieren Pässe, scannen Nummernschilder und durchsuchen gelegentlich Kofferräume. Was vor Jahren als temporäre Maßnahme begann, gehört mittlerweile zum deutschen Alltag. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat die Grenzkontrollen an allen deutschen Landgrenzen erneut verlängert – diesmal bis mindestens Oktober 2026.
«Die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger steht an erster Stelle», erklärte Dobrindt gestern auf einer Pressekonferenz in Berlin. «Die Kontrollen haben sich als wirksames Instrument gegen irreguläre Migration und grenzüberschreitende Kriminalität erwiesen.» Seit ihrer Einführung wurden über 27.000 Einreiseverweigerungen ausgesprochen und mehr als 4.500 Haftbefehle vollstreckt. Die Maßnahmen betreffen vor allem die Grenzen zu Polen, Tschechien, Österreich und der Schweiz.
Die europäischen Nachbarn reagieren unterschiedlich. Während Österreich Verständnis signalisiert, kritisiert Polen die Entscheidung scharf. Für viele Pendler bedeuten die Kontrollen längere Wartezeiten. Letzte Woche stand ich selbst eine Stunde an der deutsch-polnischen Grenze. Der Stau reichte kilometerweit. Ein Grenzbeamter winkte entschuldigend, als er meinen Ausweis kontrollierte. «Auch für uns ist das Mehrarbeit», seufzte er.
In Grenzregionen wächst der Unmut. Lokale Wirtschaftsverbände sprechen von «erheblichen Einbußen» für Unternehmen. Gleichzeitig steigt die Zustimmung in der Gesamtbevölkerung. Die Balance zwischen Sicherheit und Freizügigkeit bleibt eine Herausforderung. Während Europa offiziell grenzenlos sein sollte, kehren die Schlagbäume zurück – zumindest vorerst bis zum Herbst.