In der Düsseldorfer Innenstadt macht sich Stephan Bischoff mit seinem Team Gedanken über die Zukunft der deutschen Energieversorgung. Der Unternehmer will etwas erreichen, was viele für undenkbar halten: die Reaktivierung der stillgelegten Kernkraftwerke in Deutschland.
Bischoff ist Gründer und Geschäftsführer der Firma «Gesellschaft für Nuklear-Service» und setzt sich für eine Rückkehr zur Atomkraft ein. Er argumentiert, dass Deutschland ohne Kernenergie seine Klimaziele nicht erreichen und gleichzeitig die Energieversorgung sicherstellen kann. «Wir brauchen diese grundlastfähige, CO2-arme Energie, um unseren Wohlstand und unsere Industrie zu erhalten», erklärt Bischoff.
Der Atomausstieg wurde am 15. April 2023 in Deutschland vollzogen, als die letzten drei Kernkraftwerke Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 vom Netz gingen. Diese Anlagen lieferten zuletzt rund sechs Prozent des deutschen Strombedarfs.
Bischoffs Plan stößt bei Fachleuten auf unterschiedliche Reaktionen. Professor Stefan Weitemeyer vom Institut für Energiesysteme der Hochschule Osnabrück sieht große Hürden: «Eine Reaktivierung wäre technisch möglich, aber rechtlich und wirtschaftlich äußerst kompliziert.» Die Betriebsgenehmigungen sind erloschen, und es fehlt an qualifiziertem Personal.
Der Düsseldorfer Unternehmer lässt sich davon nicht abschrecken. Er hat Kontakt zu ehemaligen Betreibern der Kraftwerke aufgenommen und sammelt Unterstützer aus Politik und Wirtschaft. In Bayern, wo das Kraftwerk Isar 2 bis vor kurzem in Betrieb war, findet er offene Ohren. Ministerpräsident Markus Söder hatte sich wiederholt für längere Laufzeiten eingesetzt.
Kritiker wie Martin Brandis von der Energieberatung der Verbraucherzentrale sehen die Pläne skeptisch: «Die Kernkraft ist eine teure Technologie. Die erneuerbaren Energien sind heute deutlich günstiger.» Zudem verweist er auf die ungelöste Frage der Endlagerung für den radioaktiven Abfall.
Umfragen zeigen, dass die Meinungen der Deutschen zur Kernkraft gespalten sind. Nach einer aktuellen Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Forsa halten etwa 42 Prozent der Befragten eine Rückkehr zur Atomkraft für sinnvoll, während 51 Prozent dagegen sind.
Bischoffs Initiative hat eine breite Diskussion über die Energiepolitik angestoßen. Die Bundesregierung hält bislang am Atomausstieg fest. Wirtschaftsminister Robert Habeck betonte mehrfach, dass die Zukunft bei den erneuerbaren Energien liege.
Trotzdem gibt Bischoff nicht auf. Er plant eine Machbarkeitsstudie, die zeigen soll, wie schnell und zu welchen Kosten die stillgelegten Kraftwerke wieder ans Netz gehen könnten. «In zwei Jahren könnte das erste Kraftwerk wieder Strom liefern», schätzt er. Experten halten diesen Zeitplan allerdings für sehr optimistisch.
Die Debatte um die Kernkraft wird durch steigende Strompreise und die Sorge um die Versorgungssicherheit befeuert. Besonders energieintensive Unternehmen befürchten Nachteile im internationalen Wettbewerb.
Der Düsseldorfer Unternehmer hat noch einen weiten Weg vor sich. Doch sein Engagement zeigt, dass die Diskussion um die Zukunft der Energieversorgung in Deutschland keineswegs abgeschlossen ist. Die kommenden Monate werden zeigen, ob seine Initiative an Fahrt gewinnen kann oder ob es bei einem ambitionierten Plan bleibt.