Die Insolvenz des Hotelriesen FTI Group erschüttert Frankfurt am Main und hinterlässt deutliche Spuren in der Hotellandschaft der Mainmetropole. Mehrere renommierte Hotels müssen schließen, während Reisende und Mitarbeiter gleichermaßen von den Konsequenzen betroffen sind.
Der drittgrößte europäische Reiseveranstalter FTI Group meldete vergangene Woche überraschend Insolvenz an. Mit einem Jahresumsatz von 4,1 Milliarden Euro und rund 11.000 Beschäftigten weltweit zählt dieser Zusammenbruch zu den größten Pleiten der deutschen Tourismusbranche seit Jahren. Besonders schwer trifft es die Frankfurter Hotelszene, wo vier Häuser der Kette schließen müssen.
«Wir hatten keine Wahl», erklärt Hoteldirektor Markus Winterstein vom betroffenen Riverside Hotel. «Von einem Tag auf den anderen wurden wir angewiesen, den Betrieb einzustellen. Für unsere Gäste und unser Personal ist das eine Katastrophe.»
Rund 320 Hotelmitarbeiter in Frankfurt stehen nun vor einer ungewissen Zukunft. Die Gewerkschaft NGG spricht von einem «schwarzen Tag für den Frankfurter Tourismus» und fordert Sofortmaßnahmen zur Unterstützung der Beschäftigten.
Betroffen sind nicht nur die Angestellten, sondern auch zahlreiche Geschäftsreisende und Touristen. Allein in den vier geschlossenen Frankfurter Hotels waren über 2.500 Zimmer für die kommenden Wochen gebucht. Viele Gäste standen vor verschlossenen Türen oder erhielten kurzfristige Absagen.
«Ich kam am Flughafen an und erfuhr erst dort, dass mein Hotel nicht mehr existiert», berichtet Geschäftsreisender Thomas Müller aus Hamburg. «Mitten in der Messe eine neue Unterkunft zu finden, war fast unmöglich.»
Die Frankfurter Tourismus GmbH hat mittlerweile eine Hotline eingerichtet, um betroffenen Reisenden bei der Suche nach Alternativen zu helfen. «Wir tun alles, um den Schaden zu begrenzen», versichert Tourismusdirektorin Patricia Bastian. «Frankfurt ist auf Besucher angewiesen, besonders jetzt in der beginnenden Messesaison.»
Der wirtschaftliche Schaden für die Stadt ist erheblich. Neben den direkten Arbeitsplatzverlusten leiden auch Zulieferer, Reinigungsfirmen und gastronomische Betriebe unter den Hotelschließungen. Experten schätzen den Gesamtschaden für die regionale Wirtschaft auf über 25 Millionen Euro.
Die Stadtpolitik reagiert mit Besorgnis. «Diese Insolvenz trifft uns zu einem ungünstigen Zeitpunkt, gerade wenn wir uns von den Pandemiefolgen erholen», erklärt Wirtschaftsdezernentin Stephanie Weber. «Wir prüfen derzeit, welche Unterstützungsmöglichkeiten wir anbieten können.»
Für die betroffenen Hotelgebäude werden bereits neue Nutzungskonzepte diskutiert. Zwei der Immobilien könnten von anderen Hotelketten übernommen werden, für ein weiteres Gebäude gibt es Überlegungen zur Umwandlung in Wohnraum.
Die Insolvenz wirft ein Schlaglicht auf die anhaltenden Probleme der Tourismusbranche nach der Pandemie. Trotz steigender Besucherzahlen kämpfen viele Unternehmen mit erhöhten Betriebskosten und verändertem Reiseverhalten.
«Diese Pleite ist leider kein Einzelfall», warnt Branchenexperte Dr. Florian Reimers vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband. «Viele Unternehmen haben ihre finanziellen Reserven während Corona aufgebraucht und können nun gestiegene Energie- und Personalkosten nicht mehr auffangen.»
Für Frankfurt bedeutet die Hotelinsolvenz eine zusätzliche Herausforderung in Zeiten, in denen die Stadt ihr Image als attraktives Reiseziel stärken möchte. Besonders der wichtige Geschäftstourismus und das Messewesen könnten unter dem verringerten Bettenangebot leiden.
Die Stadt plant nun gemeinsam mit der IHK und dem Tourismusverband eine Sondersitzung, um die Auswirkungen zu analysieren und Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Eine Lösung könnte ein Sofortprogramm zur Vermittlung der freigestellten Hotelfachkräfte an andere Betriebe sein, die händeringend Personal suchen.
Trotz der aktuellen Krise blicken einige Branchenvertreter verhalten optimistisch in die Zukunft. «Frankfurt bleibt ein wichtiger Standort für Geschäftsreisen und Tourismus», betont Hotelverband-Präsident Werner Schneider. «Die Nachfrage ist da, und ich bin überzeugt, dass neue Investoren die entstandene Lücke bald schließen werden.»
Für die kommenden Monate müssen sich Reisende dennoch auf ein knapperes Bettenangebot und möglicherweise höhere Preise einstellen. Experten empfehlen, Hotelreservierungen in Frankfurt frühzeitig vorzunehmen, besonders während der großen Messetermine.