Die Hamburger Innenstadt wurde gestern Nacht Schauplatz eines gefährlichen illegalen Autorennens mit dramatischem Ende. Ein hochmotorierter BMW durchbrach die Glasfassade eines Bürogebäudes am Rande der Mönckebergstraße, nachdem der Fahrer bei überhöhter Geschwindigkeit die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren hatte.
Nach Angaben der Polizei Hamburg ereignete sich der Vorfall gegen 23:40 Uhr. Augenzeugen berichteten, dass zwei Fahrzeuge – ein schwarzer BMW M4 und ein silberner Mercedes AMG – mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit durch die nächtliche Innenstadt rasten. In einer Kurve verlor der BMW-Fahrer offenbar die Kontrolle, kam von der Fahrbahn ab und krachte mit hoher Wucht in die Glasfassade eines Geschäftsgebäudes.
«Der Knall war ohrenbetäubend», berichtet Marion Schmidt, die in der Nähe wohnt und durch den Unfall geweckt wurde. «Als ich aus dem Fenster schaute, sah ich den BMW halb im Gebäude stecken und zwei Männer, die davonrannten.»
Die Polizei bestätigt, dass beide Fahrer vom Unfallort flüchteten, noch bevor die alarmierten Einsatzkräfte eintrafen. Die Ermittlungen zur Identität der Fahrer laufen auf Hochtouren. Der beschädigte BMW wurde sichergestellt und wird nun kriminaltechnisch untersucht. Laut Polizeisprecherin Anja Weber liegt der geschätzte Sachschaden bei über 100.000 Euro.
«Illegale Straßenrennen sind kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, die Menschenleben gefährdet», betont Weber. Seit der Gesetzesänderung 2017 können solche Rennen mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden, besonders wenn Menschen zu Schaden kommen.
Für die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk gestaltete sich die Bergung des Fahrzeugs als schwierig. Die Statik des betroffenen Gebäudebereichs musste zunächst geprüft werden, bevor der BMW aus der zerstörten Fassade gezogen werden konnte. Die Arbeiten dauerten bis in die frühen Morgenstunden.
Erst letzte Woche hatte die Hamburger Polizei eine Sondereinheit gegen illegale Straßenrennen eingerichtet. Nach Behördenangaben wurden im vergangenen Jahr 121 solcher Rennen in der Hansestadt registriert – eine Steigerung von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Im Stadtteil St. Georg, wo sich der Unfall ereignete, fordern Anwohner nun verstärkte Kontrollen. «Das war nur eine Frage der Zeit», sagt Anwohnerin Claudia Meier. «Nachts hören wir oft, wie aufgemotzte Autos mit Vollgas durch die Straßen jagen. Dass noch niemand verletzt wurde, ist ein Wunder.»
Die Ermittler hoffen nun auf weitere Zeugenhinweise. Die Polizei bittet Personen, die Beobachtungen zum Unfallhergang oder zu den flüchtigen Fahrern gemacht haben, sich unter der Telefonnummer 040-428651234 zu melden. Auch Videoaufnahmen von Dashcams oder Smartphones könnten bei der Aufklärung helfen.
Stadtteilpolizist Thomas Brandt sieht in dem Vorfall ein wachsendes Problem: «Die Raser-Szene wird immer dreister. Wir sehen zunehmend junge Männer, die ihre hochmotorierten Fahrzeuge als Statussymbol und für gefährliche Mutproben missbrauchen. Die sozialen Medien befeuern diesen Trend zusätzlich.»
Der gestrige Vorfall reiht sich ein in eine besorgniserregende Entwicklung in deutschen Großstädten. Experten sehen einen Zusammenhang mit der wachsenden Verbreitung von Auto-Rennen in Filmen und Computerspielen. «Viele junge Fahrer unterschätzen die realen Gefahren völlig», erklärt Verkehrspsychologe Dr. Michael Wegner. «Sie überschätzen ihr Können und blenden die möglichen Konsequenzen aus.»
Anwohner und Geschäftsleute in der betroffenen Gegend zeigen sich erschüttert. «Ich bin froh, dass der Unfall nachts passierte», sagt Kioskbesitzer Ali Yilmaz, dessen Geschäft nur wenige Meter vom Unfallort entfernt liegt. «Tagsüber wären hier viele Menschen unterwegs gewesen.»