Nach einem ungewöhnlich harten Winter mit strengem Frost und viel Nässe kämpft Hamburg mit erheblichen Straßenschäden. Die Stadtverwaltung reagiert nun mit einer gezielten «Schlagloch-Offensive», um die Verkehrssicherheit wiederherzustellen und weitere Schäden zu verhindern.
«Der Wechsel zwischen Frost und Tauwetter hat unseren Straßen in diesem Jahr besonders zugesetzt», erklärt Verkehrssenator Anjes Tjarks bei einer Pressekonferenz im Rathaus. «Wasser dringt in kleine Risse ein, gefriert und sprengt den Asphalt auf. Das Ergebnis sehen wir jetzt überall in der Stadt.»
Die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende hat in einer stadtweiten Bestandsaufnahme mehr als 1.200 reparaturbedürftige Schadstellen identifiziert. Besonders betroffen sind stark befahrene Hauptverkehrsadern wie die Elbchaussee, Teile des Rings 2 und mehrere Zufahrtsstraßen zum Hafen.
Für die «Schlagloch-Offensive» stellt der Senat kurzfristig zusätzliche 4,3 Millionen Euro bereit. «Wir wollen nicht nur punktuell flicken, sondern nachhaltig reparieren», betont Tjarks. Die Arbeiten sollen bereits nächste Woche beginnen und bis zum Frühsommer abgeschlossen sein.
Moderne Reparaturmethoden kommen zum Einsatz
Die städtischen Straßenbaubetriebe setzen auf innovative Techniken, um die Reparaturen effizient durchzuführen. «Wir arbeiten mit speziellen Heißasphalt-Mischungen, die auch bei niedrigeren Temperaturen verarbeitet werden können», erläutert Bettina Meyer, Leiterin der städtischen Straßenbaubetriebe. «Das ermöglicht uns, auch jetzt schon mit den Reparaturen zu beginnen, ohne auf wärmeres Wetter warten zu müssen.»
Zum Einsatz kommen auch mobile Asphaltmischanlagen, die direkt vor Ort frischen Asphalt produzieren können. «Das spart Zeit und sorgt für bessere Qualität, weil der Asphalt nicht erst transportiert werden muss und so nicht abkühlt», erklärt Meyer.
Bürger können Schlaglöcher melden
Die Stadt ruft die Hamburgerinnen und Hamburger zur Mithilfe auf. Über die städtische App «Melde Michel» oder telefonisch können Bürger Schlaglöcher und andere Straßenschäden direkt melden. Diese Meldungen fließen in die Priorisierung der Reparaturarbeiten ein.
«Die Augen der Bürger sind überall in der Stadt. Diese Hilfe ist für uns sehr wertvoll», sagt Verkehrssenator Tjarks. «Besonders gefährliche Stellen werden innerhalb von 24 Stunden zumindest provisorisch gesichert.»
Seit Jahresbeginn sind bereits über 800 Bürgermeldungen zu Straßenschäden eingegangen – doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum.
Verkehrsbehinderungen werden minimiert
Die Behörde für Verkehr verspricht, die Reparaturarbeiten so zu koordinieren, dass Verkehrsbehinderungen möglichst gering bleiben. «Wo immer möglich, werden wir nachts oder am Wochenende arbeiten», erklärt Tjarks. «Und wir stimmen uns eng mit den Verkehrsbetrieben ab, um Auswirkungen auf Bus- und Bahnlinien zu minimieren.»
Für die größeren Reparaturmaßnahmen wurde ein detaillierter Zeitplan erstellt, der auf der Website der Stadt eingesehen werden kann. Autofahrer werden gebeten, die entsprechenden Hinweise zu beachten und gegebenenfalls mehr Zeit für ihre Fahrten einzuplanen.
Radwege werden gleichwertig behandelt
Ein besonderer Fokus liegt auf der Reparatur von Radwegen, die ebenfalls stark von Frostschäden betroffen sind. «Radfahrer sind durch Schlaglöcher besonders gefährdet», betont Tjarks. «Deshalb haben wir die wichtigsten Radrouten mit gleicher Priorität in unser Reparaturprogramm aufgenommen.»
Für den ADFC Hamburg, der sich für die Interessen der Radfahrer einsetzt, ist das ein wichtiges Signal. «Wir begrüßen sehr, dass die Stadt die Radwege gleichwertig behandelt», sagt Dirk Lau vom ADFC. «Schlaglöcher sind für Radfahrer nicht nur unangenehm, sondern können zu gefährlichen Stürzen führen.»
Langfristige Straßensanierung bleibt wichtig
Die «Schlagloch-Offensive» ist nach Angaben des Senats eine notwendige Sofortmaßnahme, ersetzt aber nicht das langfristige Straßensanierungsprogramm der Stadt. «Wir investieren weiterhin jährlich rund 80 Millionen Euro in die grundlegende Erneuerung unserer Straßeninfrastruktur», erklärt Tjarks. «Nur so können wir den Sanierungsstau langfristig abbauen.»
Experten bestätigen, dass der Klimawandel mit häufigeren Extremwetterlagen und stärkeren Temperaturschwankungen die Straßeninfrastruktur künftig noch mehr belasten wird. «Wir müssen bei Neubauten und Sanierungen verstärkt auf widerstandsfähigere Materialien und Bauweisen setzen», erklärt Professor Martin Schmidt von der TU Hamburg-Harburg.
Die Hamburger Wirtschaft begrüßt die Initiative des Senats. «Gute Straßen sind für den Wirtschaftsstandort Hamburg unverzichtbar», betont Handelskammer-Präses Norbert Aust. «Die schnelle Reaktion der Stadt ist ein wichtiges Signal.»
Für die Hamburgerinnen und Hamburger bedeutet die «Schlagloch-Offensive» die Aussicht auf baldige Verbesserung der Straßenverhältnisse – und hoffentlich weniger Reifenschäden und gefährliche Situationen im Straßenverkehr.