Die Berliner Grünen wollen keine neuen Gasheizungen mehr in landeseigenen Wohnungen einbauen lassen. Diese Forderung sorgt für Diskussionen über die Zukunft des Heizens in der Hauptstadt. Rund 330.000 Wohnungen gehören den städtischen Wohnungsbaugesellschaften. Das sind etwa 18 Prozent aller Wohnungen in Berlin.
Die grüne Fraktion im Abgeordnetenhaus hat einen klaren Plan. Sie will, dass ab sofort keine Gasheizungen mehr neu eingebaut werden. Stattdessen sollen klimafreundliche Alternativen zum Einsatz kommen. Damit reagieren die Grünen auf die Klimaziele der Stadt und die steigenden Energiekosten.
Stefan Ziller, umweltpolitischer Sprecher der Grünen, erklärt die Position seiner Partei deutlich: «Wir können nicht weiter auf fossile Brennstoffe setzen. Jede neue Gasheizung läuft 20 Jahre oder länger. Das passt nicht zu unseren Klimazielen.» Die Grünen sehen in dieser Maßnahme einen wichtigen Schritt für den Klimaschutz in Berlin.
Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften spielen eine zentrale Rolle für bezahlbares Wohnen in Berlin. Degewo, Gewobag, Howoge, Stadt und Land sowie Gesobau verwalten zusammen einen riesigen Bestand. Diese Gesellschaften gehören dem Land Berlin und haben einen sozialen Auftrag. Sie sollen günstigen Wohnraum bereitstellen und gleichzeitig klimafreundlich wirtschaften.
Der Hintergrund der Debatte
Berlin hat sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt. Die Stadt will bis 2045 klimaneutral werden. Das bedeutet, dass auch der Gebäudesektor umgebaut werden muss. Mehr als ein Drittel der CO2-Emissionen in Berlin entsteht durch das Heizen von Gebäuden. Alte Gasheizungen stoßen besonders viel Kohlendioxid aus.
Die Bundesregierung hat bereits 2023 das Gebäudeenergiegesetz verschärft. Seit Januar 2024 gilt: In Neubauten dürfen nur noch Heizungen eingebaut werden, die mindestens 65 Prozent erneuerbare Energie nutzen. Für bestehende Gebäude gelten Übergangsfristen bis 2028 oder 2032, je nach Größe der Gemeinde.
Berlin liegt bei der Energiewende im Gebäudebereich noch zurück. Viele Wohnungen werden immer noch mit Gas beheizt. Die Stadt hat zwar einen Masterplan für die Wärmewende beschlossen, aber die Umsetzung läuft schleppend. Andere deutsche Großstädte wie München oder Hamburg sind schon weiter.
Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften haben in den letzten Jahren bereits begonnen, klimafreundlicher zu werden. Sie investieren in Wärmedämmung und modernere Heizungen. Trotzdem werden noch immer neue Gasheizungen eingebaut, wenn alte defekt sind. Das wollen die Grünen jetzt ändern.
Die Kosten für Gas sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine explodierten die Preise. Viele Berliner Haushalte mussten deutlich mehr für ihre Heizung zahlen. Das hat die Diskussion über alternative Heizmethoden beschleunigt.
Die verschiedenen Positionen
Die Grünen argumentieren vor allem mit dem Klimaschutz. Sie verweisen darauf, dass Deutschland seine Klimaziele nur erreichen kann, wenn der Gebäudesektor umgebaut wird. «Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften müssen Vorbild sein», fordert Stefan Ziller. Die Grünen sehen keine Zukunft für Gasheizungen.
Als Alternative schlagen die Grünen verschiedene Möglichkeiten vor. Wärmepumpen gelten als die wichtigste Technologie. Sie nutzen Strom, um Wärme aus der Luft oder dem Erdreich zu gewinnen. Auch Fernwärme kommt infrage, wenn sie klimaneutral erzeugt wird. In manchen Häusern könnten Pelletheizungen sinnvoll sein.
Die SPD, Koalitionspartner der Grünen in Berlin, reagiert zurückhaltend. Die Sozialdemokraten befürworten den Klimaschutz grundsätzlich. Gleichzeitig warnen sie vor zu hohen Kosten für die Mieter. «Wir müssen Klimaschutz und soziale Verträglichkeit zusammenbringen», erklärt ein SPD-Sprecher für Stadtentwicklung.
Die CDU lehnt ein sofortiges Verbot neuer Gasheizungen ab. Die Christdemokraten argumentieren, dass moderne Gasheizungen effizienter seien als alte Modelle. Sie befürchten, dass ein Verbot die Modernisierung verteuert und am Ende die Mieter belastet. «Ideologie darf nicht über Praktikabilität stehen», meint der baupolitische Sprecher der CDU-Fraktion.
Die Wohnungsbaugesellschaften selbst äußern sich vorsichtig. Sie betonen, dass sie bereits viel in Klimaschutz investieren. Gleichzeitig weisen sie auf praktische Probleme hin. In vielen Altbauten sind Wärmepumpen schwer einzubauen. Die Häuser müssten erst aufwendig gedämmt werden.
Andreas Breitner, Vorstand der Degewo, erklärt: «Wir wollen klimaneutral werden. Aber wir müssen schauen, was in jedem einzelnen Gebäude technisch und wirtschaftlich möglich ist.» Die Gesellschaften befürchten, dass ein pauschales Verbot ihre Handlungsmöglichkeiten zu stark einschränkt.
Die praktischen Herausforderungen
Der Einbau von Wärmepumpen ist nicht überall einfach. Altbauten haben oft schlechte Dämmung und alte Heizkörper. Wärmepumpen arbeiten am besten bei niedrigen Vorlauftemperaturen. Das funktioniert nur in gut gedämmten Häusern. Eine umfassende Sanierung kostet schnell mehrere hundert Euro pro Quadratmeter.
Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften bewirtschaften viele Altbauten aus den 1950er und 1960er Jahren. Diese Gebäude zu sanieren ist aufwendig. Wenn die Mieten nicht stark steigen sollen, brauchen die Gesellschaften mehr öffentliche Förderung. Die gibt es zwar, aber sie reicht oft nicht aus.
Auch das Fernwärmenetz in Berlin ist begrenzt. Nicht alle Stadtteile sind angeschlossen. Der Ausbau dauert Jahre und kostet Milliarden. Die Berliner Fernwärme wird größtenteils von Vattenfall geliefert. Das Unternehmen will klimaneutraler werden, nutzt aber noch Erdgas und Kohle.
Fachleute für Gebäudetechnik sehen sowohl Chancen als auch Probleme. Professor Martin Kriegel von der TU Berlin erklärt: «Wärmepumpen sind die Zukunft. Aber wir müssen bei jedem Gebäude genau prüfen, welche Lösung passt.» Er warnt vor pauschalen Verboten ohne Übergangsregelungen.
Die Handwerkskammern melden einen Fachkräftemangel. Es gibt nicht genug Installateure, die Wärmepumpen einbauen können. Wenn alle gleichzeitig umrüsten wollen, entstehen Engpässe. Das treibt die Preise nach oben und verzögert Projekte.
Ein weiteres Problem ist der Stromverbrauch. Wärmepumpen brauchen Elektrizität. Wenn viele Haushalte gleichzeitig umsteigen, steigt der Strombedarf deutlich. Das Berliner Netz muss dafür ausgebaut werden. Auch das kostet Geld und braucht Zeit.
Die finanziellen Folgen
Die Kosten für den Umbau sind erheblich. Eine neue Gasheizung kostet zwischen 5.000 und 10.000 Euro. Eine Wärmepumpe liegt bei 20.000 bis 40.000 Euro, je nach Gebäude. Dazu kommen oft noch Kosten für Dämmung und neue Heizkörper.
Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften können solche Kosten auf die Miete umlegen. Das Gesetz erlaubt bis zu acht Prozent der Modernisierungskosten pro Jahr. Bei einer 70-Quadratmeter-Wohnung kann das schnell 100 Euro mehr Miete im Monat bedeuten.
Die Grünen wollen verhindern, dass die Mieter zu stark belastet werden. Sie fordern höhere öffentliche Zuschüsse für klimafreundliche Heizungen in Sozialwohnungen. Das Land Berlin müsste dafür mehr Geld bereitstellen. Im aktuellen Haushalt sind die Mittel begrenzt.
Die Betriebskosten unterscheiden sich je nach Heiztechnik. Wärmepumpen sind im Betrieb oft günstiger als Gasheizungen, wenn der Strompreis niedrig bleibt. Aktuell ist Strom aber teurer als Gas. Die Bundesregierung plant Entlastungen, aber die Details sind noch unklar.
Die Fernwärme in Berlin ist teuer geworden. 2023 stiegen die Preise um fast 50 Prozent. Viele Mieter mit Fernwärme mussten hohe Nachzahlungen leisten. Die Grünen argumentieren, dass langfristig klimaneutrale Energie billiger wird. Kurzfristig belastet sie aber viele Haushalte.
Fördergelder vom Bund gibt es für klimafreundliche Heizungen. Die KfW-Bank vergibt Zuschüsse von bis zu 40 Prozent der Investitionskosten. Aber die Programme sind kompliziert und oft schnell ausgeschöpft. Viele Vermieter nutzen die Förderung nicht konsequent.
Reaktionen aus den Stadtteilen
In Marzahn-Hellersdorf stehen viele Plattenbauten der landeseigenen Gesellschaften. Die Bewohner sind skeptisch. «Ich zahle jetzt schon mehr als die Hälfte meiner Rente für die Wohnung», sagt Rentnerin Petra Schmidt. «Wenn die Miete noch mehr steigt, weiß ich nicht, wie ich das schaffen soll.»
In Friedrichshain-Kreuzberg gibt es mehr Zustimmung für die Pläne der Grünen. Viele jüngere Bewohner befürworten Klimaschutz. «Wir müssen endlich handeln», meint Student Jonas Weber. «Die Klimakrise wartet nicht. Aber natürlich muss es sozial gerecht ablaufen.»
Umweltverbände unterstützen die Forderung der Grünen weitgehend. Der BUND Berlin fordert sogar noch schnellere Maßnahmen. «Die landeseigenen Gesellschaften müssen Vorreiter sein», erklärt Geschäftsführerin Franziska Sperfeld. «Wenn nicht sie, wer dann?» Der BUND schlägt vor, dass das Land Berlin die Mehrkosten übernimmt.
Der Berliner Mieterverein warnt vor steigenden Belastungen. «Klimaschutz ist wichtig, aber er darf nicht auf dem Rücken der Mieter ausgetragen werden», sagt Geschäftsführer Reiner Wild. Der Verein fordert, dass Modernisierungen nicht auf die Miete umgelegt werden dürfen. Das Land müsse die Kosten tragen.
Vertreter der Energiewirtschaft sehen Chancen für neue Geschäftsmodelle. Stadtwerke könnten lokale Wärmenetze ausbauen. Unternehmen für erneuerbare Energien wittern Aufträge. Gleichzeitig warnen sie vor unrealistischen Zeitplänen.
Der politische Ausblick
Die Grünen haben ihren Vorstoß im Abgeordnetenhaus zur Debatte gestellt. Eine verbindliche Entscheidung gibt es noch nicht. Die SPD als Koalitionspartner muss zustimmen. Das ist derzeit fraglich. Die Sozialdemokraten wollen erst eine genaue Kostenrechnung sehen.
Im Berliner Senat ist die Zuständigkeit geteilt. Die Grünen stellen die Senatorin für Umwelt und Klimaschutz, Madeleine Henfling. Sie unterstützt die Forderung ihrer Partei. Der SPD-Senator für Stadtentwicklung, Christian Gaebler, ist zurückhaltender. Er will die Wohnungsbaugesellschaften nicht zu sehr einschränken.
Die nächste Abgeordnetenhaussitzung im April wird zeigen, ob sich eine Mehrheit findet. Die Grünen haben 32 von 147 Sitzen. Sie brauchen die SPD mit ihren 36 Sitzen. Gemeinsam hätten sie eine knappe Mehrheit. Aber innerhalb der SPD gibt es unterschiedliche Meinungen.
Bundesweit wird das Thema diskutiert. Auch in anderen Städten fordern Grüne ähnliche Maßnahmen. Hamburg hat bereits beschlossen, dass städtische Gebäude ab 2025 keine neuen Gasheizungen mehr bekommen. München plant Ähnliches. Berlin könnte einem Trend folgen.
Die Bundesregierung will die Wärmewende beschleunigen. Wirtschaftsminister Robert Habeck plant neue Förderprogramme. Das könnte Berlin helfen, die Kosten zu stemmen. Aber die Details sind noch nicht beschlossen. Die Berliner Politik wartet teilweise auf Klarheit aus dem Bund.
Vergleich mit anderen Städten
München hat bereits 2019 beschlossen, dass kommunale Gebäude klimaneutral beheizt werden sollen. Die Stadt investiert massiv in Fernwärme aus Geothermie. Mehrere Anlagen zapfen heißes Wasser aus der Tiefe an. Das ist in Berlin geologisch schwieriger.
Hamburg setzt auf Großwärmepumpen und Abwasserwärme. Die Hansestadt hat ehrgeizige Ziele und investiert Milliarden. Auch dort gibt es Debatten über die Kosten. Aber die Hamburger Politik hat sich klar auf einen Kurs festgelegt.
Kopenhagen gilt international als Vorbild. Die dänische Hauptstadt heizt fast komplett mit Fernwärme. Die wird zu 99 Prozent klimaneutral erzeugt. Kopenhagen hat früh begonnen und konsequent investiert. Dänemark hat allerdings andere politische Rahmenbedingungen.
Wien betreibt eines der größten Fernwärmenetze Europas. Die österreichische Hauptstadt plant, bis 2040 komplett klimaneutral zu heizen. Auch dort gehören viele Wohnungen der Stadt. Die Wiener Politik hat das Thema zur Priorität gemacht.
Berlin hinkt im Vergleich hinterher. Zwar gibt es Pläne und Programme, aber die Umsetzung ist langsamer als in anderen europäischen Hauptstädten. Die politischen Mehrheiten in Berlin sind weniger stabil. Das erschwert langfristige Entscheidungen.
Mögliche Lösungswege
Experten schlagen einen schrittweisen Ansatz vor. Zunächst könnten bei Neubauten nur noch klimafreundliche Heizungen eingebaut werden. Das ist technisch einfacher und trifft keine Bestandsmieter. Die landeseigenen Gesellschaften bauen jährlich etwa 3.000 neue Wohnungen.
Im Bestand könnte eine Priorisierung helfen. Gut gedämmte Häuser, die für Wärmepumpen geeignet sind, werden zuerst umgerüstet. Schlecht gedämmte Altbauten können vorerst moderne Gasheizungen bekommen. Diese müssen dann langfristig durch klimaneutrale Lösungen ersetzt werden.
Die Fernwärme muss ausgebaut und klimafreundlicher werden. Berlin plant mehrere große Wärmepumpen, die Wärme aus der Spree gewinnen sollen. Auch Abwasserwärme könnte genutzt werden. Diese Projekte brauchen aber Jahre bis zur Fertigstellung.
Mehr öffentliche Förderung ist nötig. Die Stadt könnte einen Klimafonds für landeseigene Wohnungen einrichten. Daraus würden klimafreundliche Heizungen bezuschusst, ohne dass die Mieten steigen. Das kostet das Land Geld, schützt aber die Mieter.
Bessere Beratung und Planung können helfen. Die Wohnungsbaugesellschaften brauchen klare Leitlinien, welche Heizung für welches Gebäude geeignet ist. Ein zentrales Kompetenzzentrum könnte technische Unterstützung bieten.
Was können Mieter tun
Mieter in landeseigenen Wohnungen können sich bei ihrer Hausverwaltung informieren. Die Gesellschaften müssen rechtzeitig ankündigen, wenn Modernisierungen geplant sind. Mieter haben Anspruch auf Auskunft über geplante Baumaßnahmen.
Bei angekündigten Modernisierungen können Mieter Widerspruch einlegen, wenn die Maßnahmen unverhältnismäßig sind. Ein Anwalt für Mietrecht oder der Mieterverein kann beraten. Oft lassen sich Kompromisse finden, die für beide Seiten akzeptabel sind.
Mieter können sich in Mieterbeiräten organisieren. Diese gibt es bei allen landeseigenen Gesellschaften. Die Beiräte haben Mitspracherechte bei größeren Modernisierungen. Gemeinsam haben Mieter mehr Einfluss als einzeln.
Auch politisches Engagement ist möglich. Mieter können ihre Abgeordneten im Bezirk oder im Landesparlament kontaktieren. Viele Politiker sind offen für Gespräche mit Bürgern. Briefe, E-Mails oder Besuche in Bürgersprechstunden können Wirkung zeigen.
Der Berliner Mieterverein bietet Beratung zu allen Fragen rund um Heizung und Modernisierung. Mitglieder bekommen kostenlose Rechtsberatung. Auch öffentliche Infoveranstaltungen helfen, die eigenen Rechte zu kennen.
Die soziale Dimension
Die Debatte zeigt einen Grundkonflikt: Klimaschutz ist dringend nötig, aber er kostet Geld. In Berlin leben viele Menschen mit kleinem Einkommen. Für sie sind schon kleine Mieterhöhungen eine große Belastung. Fast 40 Prozent der Berliner Haushalte gelten als armutsgefährdet.
Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften haben einen sozialen Auftrag. Sie sollen günstigen Wohnraum anbieten, besonders für Menschen mit geringem Einkommen. Gleichzeitig sollen sie wirtschaftlich arbeiten und in die Zukunft investieren. Das ist ein Spagat.
Klimaschutz darf nicht zu mehr Ungleichheit führen. Wenn nur wohlhabende Menschen sich klimafreundliches Heizen leisten können, ist das ungerecht. Die Grünen betonen, dass sie genau das verhindern wollen. Kritiker bezweifeln, dass die Pläne sozial ausgewogen sind.
Die SPD pocht auf soziale Ausgewogenheit. «Wir wollen, dass alle Menschen in Berlin gut und bezahlbar wohnen können», erklärt ein Sprecher. «Klimaschutz muss so gestaltet sein, dass niemand zurückbleibt.» Die Sozialdemokraten fordern deshalb starke soziale Abfederung.
Sozialverbände wie die Volkssolidarität warnen vor Überforderung. Viele Rentner und Geringverdiener haben kaum Spielraum im Budget. «Die Menschen müssen mitgenommen werden», fordert ein Sprecher. «Wir brauchen bezahlbare Lösungen für alle.»
Die Klimaperspektive
Aus Sicht des Klimaschutzes führt kein Weg an der Wärmewende vorbei. Deutschland hat sich verpflichtet, bis 2045 klimaneutral zu werden. Das Bundesverfassungsgericht hat 2021 geurteilt, dass die Politik mehr für den Klimaschutz tun muss. Sonst werden zukünftige Generationen zu stark belastet.
Berlin produziert jährlich etwa 17 Millionen Tonnen CO2. Davon entfallen rund 6 Millionen auf Gebäude. Ohne Umstellung bei den Heizungen sind die Klimaziele nicht zu erreichen. Das sagen alle Experten.
Die Zeit drängt. Jede neue Gasheizung läuft mindestens 20 Jahre. Wenn 2024 noch Gasheizungen eingebaut werden, laufen sie bis mindestens 2044. Das ist ein Jahr vor dem Ziel der Klimaneutralität. Die Grünen argumentieren deshalb, dass jetzt gehandelt werden muss.
Klimaforscher unterstützen die Forderung nach schnellem Handeln. Professor Volker Quaschning von der HTW Berlin erklärt: «Wir haben keine Zeit mehr für lange Übergangsfristen. Jede Tonne CO2, die wir heute vermeiden, zählt.» Er hält ein Verbot neuer Gasheizungen für richtig.
Jugendliche der Klimabewegung fordern noch radikalere Schritte. Fridays for Future Berlin kritisiert, dass die Politik zu langsam handelt. «Unsere Zukunft steht auf dem Spiel», sagt eine Sprecherin. «Die Politik muss endlich liefern.»
Ausblick und nächste Schritte
In den kommenden Wochen wird im Berliner Abgeordnetenhaus weiter diskutiert. Die Grünen haben einen Antrag angekündigt. Darin sollen die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften aufgefordert werden, keine neuen Gasheizungen mehr einzubauen. Ob der Antrag eine Mehrheit findet, ist offen.
Die Wohnungsbaugesellschaften erarbeiten derzeit ihre Klimastrategien für die nächsten Jahre. Im Sommer sollen die Konzepte vorliegen. Dann wird klarer, welche Wege die einzelnen Unternehmen einschlagen wollen. Die Senatsverwaltung wird diese Strategien prüfen.
Auch auf Bundesebene wird sich einiges tun. Die Ampelkoalition plant neue Regelungen zur Gebäudeenergie. Möglicherweise werden die Vorgaben noch verschärft. Das würde auch Berlin betreffen und die Diskussion beeinflussen.
Die Berliner Stadtgesellschaft wird weiter diskutieren. Klimaschutz bewegt viele Menschen. Gleichzeitig sind die Sorgen wegen steigender Wohnkosten groß. Diese beiden Anliegen zusammenzubringen ist die große Herausforderung.
Die Frage, wie Berlin in Zukunft heizt, wird die Stadt noch Jahre beschäftigen. Die Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, prägen das Leben in der Hauptstadt für Jahrzehnte. Es geht um Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und bezahlbares Wohnen – Themen, die alle Berliner betreffen.
Klar ist: Der Status quo wird sich ändern müssen. Wie schnell und mit welchen Mitteln, das wird die Politik entscheiden. Die Debatte um neue Gasheizungen in landeseigenen Wohnungen ist dabei nur ein Baustein. Aber ein wichtiger, der zeigt, wie schwierig es ist, ökologische und soziale Ziele unter einen Hut zu bringen.