Letzte Woche saß ich im Café gegenüber dem Stuttgarter Landtag. An den Nebentischen wurde hitzig diskutiert. Die Landtagswahl in Baden-Württemberg hatte alle überrascht. Die Grünen hatten einen beeindruckenden Sieg eingefahren. Niemand hatte damit in dieser Deutlichkeit gerechnet.
Was war passiert? Das traditionell konservative Bundesland hatte sich verändert. Die Grünen holten über 32 Prozent der Stimmen. Die CDU, jahrzehntelang die dominierende Kraft, landete dahinter. Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte es geschafft. Seine ruhige Art kam an. Seine Bodenständigkeit überzeugte die Wähler. «Die Menschen wollen Verlässlichkeit in unsicheren Zeiten», sagte Kretschmann am Wahlabend. Diese Aussage traf ins Schwarze.
Besonders in den Städten war der Zuspruch enorm. Stuttgart, Freiburg, Heidelberg – überall grün. Aber auch auf dem Land gewannen die Grünen hinzu. Klimaschutz und Wirtschaft mussten sich nicht widersprechen. Das hatten viele verstanden. Meine Cousine aus dem Schwäbischen meinte am Telefon: «Die machen halt ihre Arbeit anständig.» Mehr Lob geht im Ländle nicht.
Diese Wahl markierte einen Wendepunkt. Baden-Württemberg zeigte: Ökologie und Tradition können zusammenpassen. Die grün-schwarze Koalition wurde fortgesetzt. Das Bundesland blieb seinem pragmatischen Kurs treu. Vielleicht ist genau diese schwäbische Gelassenheit das Erfolgsrezept. Politik ohne Drama – manchmal ist das genau das Richtige.