Letzte Woche stand ich bei einer Gedenkveranstaltung in Potsdam. Ein Mann sprach über Antisemitismus. Seine Stimme war fest. Doch seine Worte verrieten Erschöpfung. Dieser Mann war Andreas Büttner. Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter. Und er hatte gerade seine Partei verlassen.
«Es geht nicht mehr. Und ich kann nicht mehr», schrieb Büttner am Sonntagabend. Diese Worte gingen an die Kreisspitze der Linken. An seinen Landesverband. Seit 2015 war er Mitglied. Nun zieht er die Konsequenz. Der Grund: unüberbrückbare Differenzen beim Umgang mit Antisemitismus.
Der Konflikt schwelt seit Jahren. Die Linke lehnt die Antisemitismus-Definition der International Holocaust Remembrance Alliance ab. Sie sieht darin ein repressives Instrument gegen Protest. Stattdessen bevorzugt sie die sogenannte Jerusalem-Erklärung. Büttner sieht das anders. Für ihn relativiert diese in zentralen Punkten antisemitische Narrative.
Was mich besonders bewegt: Büttner berichtet von persönlichen Angriffen. Von Beschimpfungen. Von Diffamierungen durch eigene Parteimitglieder. Nach einem Anschlag auf ihn brauchte die Partei drei Tage für eine öffentliche Stellungnahme. Drei Tage. Das sitzt tief.
«Der Antisemitismusbeauftragte eines Bundeslandes steht in seiner eigenen Partei unter Ausschlussverdacht, weil er Antisemitismus klar benennt», erklärte Büttner. Er nannte es politisch absurd. Tatsächlich läuft gegen ihn ein Parteiausschlussverfahren.
Büttners politischer Weg war lang. CDU, FDP, Linke. Zweimal saß er im Brandenburger Landtag. Sein Austritt wirft Fragen auf. Über den Umgang mit Antisemitismus in Parteien. Über Mut und Grenzen. Der Kampf gegen Antisemitismus geht über Parteigrenzen hinaus, schrieb er. Manchmal muss man dafür Grenzen ziehen.