Neulich scrollte ich durch meinen Feed. Zwischen Urlaubsfotos und Rezepten: Hassnachrichten gegen eine Kollegin. Dutzende Männer beschimpften sie öffentlich. Keiner griff ein. Digitale Gewalt ist längst Alltag. Besonders Frauen trifft es hart. Der Fall Collien Fernandes macht deutlich: Das Netz ist kein rechtsfreier Raum mehr.
„Du hast mich virtuell vergewaltigt», sagt die Schauspielerin laut Spiegel über ihren Ex-Mann Christian Ulmen. Sie erstattete in Spanien Anzeige. In Berlin wurde das Verfahren eingestellt. Mangels Ermittlungsansätzen. Das zeigt das Problem: Deutsche Behörden sind oft überfordert. Therapeutin Christina Diamantis kennt diese Ohnmacht. Sie erlebt selbst regelmäßig digitale Gewalt. „Man wünscht mir Vergewaltigung, droht mit Mord», erzählt sie. Ihr Name steht nicht mehr an ihrer Haustür. Zum Schutz ihrer Kinder.
Digitale Gewalt beginnt bei Hate-Speech unter Posts. Sie reicht bis zu Deepfake-Pornografie und Identitätsdiebstahl. „Es geht um Macht, Kontrolle und die Zerstörung des Gegenübers», erklärt Diamantis. Das Perfide: Die Gewalt ist permanent verfügbar. Tausende können sie sehen, teilen, kommentieren. Das Opfer steht allein gegen ein System. Psychische Folgen sind massiv. Panikattacken, Depressionen, soziale Isolation. „Die Seele heilt nicht wie ein Knochenbruch», sagt die Therapeutin.
Täter sind oft charismatisch und eloquent. Nach außen perfekt, zu Hause Gewalttäter. Prominente haben noch mehr Macht. Sie kontrollieren nicht nur die Partnerin. Auch die öffentliche Wahrnehmung. Diamantis rät Frauen zu langsamem Dating. „Beim ersten schlechten Bauchgefühl die Handbremse ziehen.» Kein Vertrauensvorschuss mehr für Männer. Das klingt hart. Aber notwendig.
Was sich ändern muss? Klarnamenpflicht, schnellere Justiz, spezialisierte Stellen in jeder Stadt. Digitale Gewalt braucht endlich rechtliche Konsequenzen. Der Staat darf nicht länger wegschauen. Frauen verdienen Schutz. Online wie offline. Das ist keine Utopie. Das ist überfällig.