Gestern Morgen noch Krisengespräche, heute der endgültige Abgang: Olaf Hermes verlässt die Bonner Stadtwerke mit sofortiger Wirkung. Der Manager zieht damit die Konsequenz aus einer Affäre, die Bonn seit Wochen beschäftigt. Im Zentrum steht ein Grundstück, politische Spenden und die Frage: Wie unabhängig dürfen städtische Unternehmen agieren?
Die Vorgeschichte liest sich wie ein Polit-Krimi. Die Stadtwerke hatten sich das Vorkaufsrecht für eine Fläche am Flugplatz Hangelar gesichert. Doch Busunternehmer Eberhard Penz wollte das Grundstück ebenfalls. Ein Detail macht hellhörig: Penz hatte der Bonner CDU im Wahlkampf 30.000 Euro gespendet. Ein enger Mitarbeiter von Oberbürgermeister Guido Déus soll dann Druck auf Hermes ausgeübt haben. Der Stadtwerke-Chef blieb standhaft.
«Die Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sehe ich nicht länger als gegeben an», erklärt Hermes seinen Rückzug. Nach einer Aussprache mit Déus schien der Konflikt zunächst beigelegt. Doch dann kam eine weitere Brisanz ans Licht: 1,7 Millionen Euro sollen die Stadtwerke zu viel an Univers, das Unternehmen von Penz, gezahlt haben. Das Geld zurück? Fehlanzeige.
Ich erinnere mich noch gut an Hermes› Antritt vor drei Jahren. Damals versprach er, die Stadtwerke transparent und bürgernah zu führen. Genau diese Haltung wird ihm nun zum Verhängnis.
Was bleibt, ist die Frage nach politischer Einflussnahme auf städtische Betriebe. Bonns Bürger verdienen Aufklärung. Und ein Signal, dass Integrität wichtiger ist als Parteispenden.