Ein Feuer im Dachstuhl eines Wohnhauses in Solln hat gestern Abend die Münchner Feuerwehr stundenlang in Atem gehalten. 16 Menschen mussten während der Löscharbeiten betreut werden. Zwei Wohnungen sind derzeit nicht bewohnbar. Der Einsatz zeigt, wie schnell sich Brände in älteren Wohngebäuden ausbreiten können und welche Herausforderungen dies für Rettungskräfte und Bewohner bedeutet.
Gegen 19 Uhr bemerkte ein aufmerksamer Anwohner Flammen auf einem Balkon des dreigeschossigen Mehrfamilienhauses in Solln. Er alarmierte sofort die Feuerwehr. Als die ersten Einsatzfahrzeuge wenige Minuten später eintrafen, hatte sich das Feuer bereits vom Balkon auf den Dachstuhl ausgebreitet. Dichter Rauch stieg über dem Wohnviertel auf. Die Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot an.
«Wir hatten eine massive Flammenentwicklung im Dachbereich», berichtete ein Sprecher der Münchner Feuerwehr am Morgen. «Die schnelle Ausbreitung machte einen umfangreichen Einsatz notwendig.» Mehr als 50 Einsatzkräfte kämpften über fünf Stunden gegen die Flammen.
Die Feuerwehrleute griffen das Feuer von mehreren Seiten gleichzeitig an. Über Drehleitern stiegen Trupps auf das brennende Dach. Mit Motorsägen und Spezialwerkzeug öffneten sie Teile der Dachhaut. So konnten sie Glutnester erreichen, die sich unter den Ziegeln versteckt hatten. Gleichzeitig drangen andere Teams von innen in das Gebäude vor. Sie bekämpften die Flammen in den oberen Stockwerken und verhinderten, dass sich der Brand weiter ausbreitete.
Während der gesamten Löscharbeiten stand ein Großraumrettungswagen bereit. Darin betreuten Sanitäter alle 16 Bewohner des Hauses. Die Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen und warteten draußen in der kalten Nacht. Die Rettungskräfte versorgten sie mit warmen Decken und Getränken. Für die Familien und älteren Menschen war es eine belastende Situation. Niemand wurde verletzt, aber die Sorge um die eigenen vier Wände war allen anzusehen.
Nach fast fünf Stunden intensiver Arbeit konnten die Feuerwehrleute den Brand schließlich unter Kontrolle bringen. Die meisten Bewohner durften danach in ihre Wohnungen zurückkehren. Für zwei Haushalte endete der Abend jedoch anders. Die Wohnung, in der das Feuer ausgebrochen war, ist völlig zerstört. Auch die darüberliegende Wohnung wurde so stark beschädigt, dass sie derzeit unbewohnbar ist. Die betroffenen Bewohner kamen zunächst bei Verwandten unter.
Solln ist ein ruhiger Stadtteil im Süden Münchens. Hier stehen viele ältere Mehrfamilienhäuser aus der Nachkriegszeit. In solchen Gebäuden können sich Brände besonders schnell ausbreiten. Alte Holzkonstruktionen im Dachstuhl und enge Treppenhäuser erschweren die Löscharbeiten. «Gerade bei Dachstuhlbränden ist schnelles Handeln entscheidend», erklärt der Feuerwehrsprecher. «Jede Minute zählt, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.»
Die Polizei hat noch in der Nacht die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Brandexperten untersuchten am Morgen den Balkon, wo das Feuer vermutlich begonnen hatte. Ob ein technischer Defekt, eine Zigarette oder eine andere Ursache das Feuer ausgelöst hat, ist noch unklar. Die Ermittler sicherten Spuren und befragten Bewohner. In den kommenden Tagen werden Gutachter den genauen Brandverlauf rekonstruieren.
Die Höhe des Schadens lässt sich noch nicht beziffern. Neben den beiden unbewohnbaren Wohnungen entstand erheblicher Schaden am Dachstuhl und an der Bausubstanz. Wasser- und Rauchschäden betreffen vermutlich auch andere Wohnungen. Die Reparaturarbeiten werden Wochen oder Monate dauern. Für die betroffenen Mieter bedeutet das eine lange Zeit der Ungewissheit.
Der Einsatz in Solln reiht sich ein in eine Serie von Wohnungsbränden in München. Erst vor zwei Wochen brannte es in Neuhausen. Im November gab es einen ähnlichen Dachstuhlbrand in Schwabing. Die Feuerwehr registriert jedes Jahr mehrere hundert Wohnungsbrände im Stadtgebiet. Die meisten können schnell gelöscht werden. Doch Dachstuhlbrände gehören zu den aufwendigsten Einsätzen.
«Wir trainieren regelmäßig für solche Szenarien», betont der Feuerwehrsprecher. «Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Einheiten muss perfekt funktionieren.» Beim gestrigen Einsatz arbeiteten Löschzüge, Drehleiterbedienungen und Rettungsdienst Hand in Hand. Diese Professionalität verhinderte Schlimmeres.
Für die Bewohner des Hauses in Solln war es eine Nacht, die sie nicht vergessen werden. «Wir hatten großes Glück», sagte eine Mieterin am Morgen. «Die Feuerwehr war schnell da und hat alles gegeben.» Die Dankbarkeit gegenüber den Einsatzkräften war groß. Gleichzeitig bleibt die Sorge, wie es nun weitergeht.
Die Stadt München bietet in solchen Fällen Unterstützung an. Das Sozialreferat hilft bei der Vermittlung von Notunterkünften. Auch die Versicherungen sind bereits informiert. Für die beiden obdachlosen Haushalte beginnt jetzt die Suche nach einer neuen Bleibe. In Zeiten angespannter Wohnungsmärkte ist das keine leichte Aufgabe.
Der Brand in Solln erinnert daran, wie wichtig Brandschutz und funktionierende Rauchmelder sind. Seit 2013 sind Rauchmelder in bayerischen Wohnungen Pflicht. Sie können Leben retten, indem sie Bewohner frühzeitig warnen. Auch der gestrige Brand wurde schnell bemerkt, weil ein Nachbar aufmerksam war. Diese Wachsamkeit hat möglicherweise Menschenleben gerettet.
Die Münchner Feuerwehr appelliert regelmäßig an die Bevölkerung, Rauchmelder zu installieren und regelmäßig zu prüfen. Auch das richtige Verhalten im Brandfall sollte jeder kennen. Bei Rauch die Wohnung verlassen, Türen schließen und die Feuerwehr rufen. Diese einfachen Regeln können entscheidend sein.
In den kommenden Tagen werden Statiker das beschädigte Gebäude untersuchen. Sie müssen klären, ob die Bausubstanz stabil genug ist. Erst dann können Handwerker mit den Reparaturen beginnen. Für die Hausverwaltung und die Eigentümer bedeutet der Brand erheblichen organisatorischen und finanziellen Aufwand.
Der Einsatz in Solln zeigt einmal mehr die wichtige Arbeit der Münchner Feuerwehr. Rund um die Uhr sind die Einsatzkräfte bereit, um zu helfen. Ihr Engagement und ihre Professionalität sorgen dafür, dass aus Bränden keine Katastrophen werden. Die 16 Bewohner des Hauses in Solln haben das gestern Abend hautnah erlebt.