Als die Nachricht aus Hannover kommt, verschlägt es selbst mir die Sprache. Ein Deepfake-Video. Eine Mitarbeiterin. Sexualisiert, erniedrigt, bloßgestellt. Und das alles innerhalb der CDU Niedersachsen, in einer WhatsApp-Gruppe namens „MitGLIEDER». Was wie ein schlechter Scherz klingt, ist bittere Realität – und zeigt, wie Technologie zur Waffe werden kann.
Die Fakten sind verstörend: Fraktionssprecher Ralph Makolla soll Mitte Januar ein KI-generiertes Video einer Kollegin verbreitet haben. Das Profilbild der Chat-Gruppe? Ein Elefant mit erigiertem Penis. Erst Ende März erfuhr das Opfer davon. Fraktionschef Sebastian Lechner brach seinen Griechenland-Urlaub ab. Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt.
Besonders bitter: Der Vorfall sollte vertuscht werden. Der Fraktionsgeschäftsführer, selbst Mitglied der Chat-Gruppe, ordnete im Januar Löschung und Schweigen an. Eine Abmahnung für den Urheber – mehr nicht. Die Fraktionsführung? Wurde bewusst im Dunkeln gelassen. „Um Schaden von der Partei abzuwenden», heißt es. Vor der Landtagswahl 2027 wollte man wohl keine Schlagzeilen.
Ich erinnere mich an Gespräche mit Betroffenen von digitaler Gewalt. Die Scham. Die Hilflosigkeit. Die Frage: Wer glaubt mir noch? Deepfakes machen es erschreckend einfach, Menschen zu demütigen. Die Technologie ist da. Die ethischen Leitplanken fehlen oft.
Lechners Worte wirken jetzt wie ein Offenbarungseid: „Bei frauenfeindlichen Verhaltensweisen gibt es null Toleranz.» Die Frage bleibt: Warum hat es dann Monate gedauert? Transparenz ist das eine. Konsequenzen das andere. Diese Affäre zeigt: Wir brauchen beides – sofort.