Wenn Nachbarn seit Tagen niemanden mehr sehen, klingeln die Alarmglocken. In Ismaning wurde aus Sorge um einen Mitbewohner die Rettungsleitstelle gerufen. Was dann folgte, übertraf alle Befürchtungen: Ein Großeinsatz mit SEK und Sprengstoffexperten erschütterte den ruhigen Vorort im Norden Münchens am Gründonnerstagabend.
Die Feuerwehr fand den kranken Mann auf dem Boden liegend. Doch das war nur der Anfang. Auf einem Tisch stand ein Wecker, scheinbar mit Dynamitstangen verbunden. Das Haus an der Krausstraße wurde sofort evakuiert. Die Straßen rundherum gesperrt. Der alkoholkranke Bewohner kam ins Krankenhaus. Dann rückte die Technische Sondergruppe des LKA an.
Was die Experten in der Wohnung vorfanden, lässt aufhorchen. Munition in größeren Mengen, mehrere Anscheinswaffen, Messer – und Nazi-Devotionalien. «Der Staatsschutz ist in den Fall eingeschaltet», bestätigte ein Polizeisprecher. Der Verdacht: Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Ob der Mann zur Reichsbürger-Szene gehört, ist noch offen. In München zählt diese Bewegung rund vierhundert Personen.
Ich erinnere mich an ähnliche Fälle. Vor drei Jahren in Neuhausen: Handgranaten in einer Wohnung. Oder Freimann: Hundert Schusswaffen, hunderte Kilogramm Munition. Solche Einsätze häufen sich erschreckend.
Erst nach Mitternacht durften die Nachbarn zurück in ihre Wohnungen. Die Gefahr war gebannt. Doch die Frage bleibt: Wie viele solcher Waffenlager gibt es noch?