Neulich saß ich im Bus und beobachtete den Fahrer. Konzentriert, routiniert, unverzichtbar. Ohne ihn käme die halbe Stadt nicht zur Arbeit. Doch genau diese Menschen finden in München keine Wohnung mehr. Der Wohnungsmarkt wird zur sozialen Zeitbombe.
Arian Fazliu ist 26 Jahre alt. Er fährt Bus in München. Sein Chef lobt ihn: „Er hatte nie Ausfälle.» Fazliu selbst sagt: „Ich liebe meinen Beruf.» Doch Liebe reicht nicht. Nach 15 Monaten gibt er auf. Nicht den Job, sondern die Stadt. Der Grund: keine bezahlbare Wohnung.
100 Bewerbungen schrieb er. Fünf Besichtigungen bekam er. Null Zusagen. Zuletzt lebte er mit fünf Mitbewohnern auf 78 Quadratmetern. „Ich bekomme kaum Ruhe», erzählt er frustriert. Seine Frau wartet im Kosovo. Gemeinsam leben? In München unmöglich.
In Bayern fehlen 4000 Busfahrer. Bis 2030 gehen 80.000 in Rente. Fazliu ist eine gefragte Fachkraft. Trotzdem verliert München ihn. Nicht an bessere Bezahlung. Nicht an attraktivere Arbeitsbedingungen. Sondern an Mannheim.
Dort fand er sofort eine Wohnung. 55 Quadratmeter, 640 Euro warm. „Ich war noch nicht mal dort», sagt er erstaunt. Die Zusage kam per E-Mail. Sein Münchner Chef verliert bereits den zweiten Mitarbeiter deshalb.
Eine Stadt, die ihre Arbeiter verdrängt, sägt am eigenen Ast. Wer morgens Bus fährt, abends Regale auffüllt oder nachts pflegt, braucht bezahlbaren Wohnraum. Nicht irgendwann. Jetzt. München verliert nicht nur Menschen. Es verliert seine Funktionsfähigkeit.