Kölns Mindestpreise: Erfolgreiche Bilanz
Seit nunmehr etwa sechs Wochen gelten in Köln Mindestbeförderungsentgelte für Mietwagen. Was lange als Dauerstreit zwischen Taxigewerbe, Vermittlungsplattformen und der Politik geführt wurde, hat sich in der Praxis erledigt. Die ersten Daten und Rückmeldungen aus der Wirtschaft zeichnen ein klares Bild. Das Instrument des Mindestpreises erfüllt seinen Zweck. Es ermöglicht einen fairen Wettbewerb in Köln und stabilisiert die wirtschaftliche Lage der Taxibetriebe. Die von Gegnern prophezeite Einschränkung der Mobilität für die Bürgerinnen und Bürger ist ausgeblieben. Stattdessen zeigt sich eine Win-Win-Situation für fast alle Beteiligten. Der Bundesverband Taxi- und Mietwagen spricht in einer aktuellen Pressemitteilung von Gewinnern auf mehreren Seiten.
Die Taxizentrale Köln verzeichnet seit der Einführung ein Auftragsplus von sieben Prozent. Andere Vermittler und Plattformen berichten sogar von einem Anstieg um rund zehn Prozent. Dieser Wettbewerb findet jedoch nicht mehr auf Kosten der Fahrerinnen und Fahrer statt, die oft zu Niedrigstlöhnen arbeiteten. Aleksandar Dragicevic, Vorstand des Bundesverbandes und Chef der Kölner Taxiruf, zieht ein erstes Resümee. Er zeigt sich überrascht, wie positiv sich die Mindestpreise auswirken. Die Menschen blieben mobil, der öffentliche Nahverkehr aus Bus, Bahn und Taxi sei gestärkt und auch die Mietwagenbetriebe kämen nicht unter die Räder.
Ein bemerkenswerter Nebeneffekt stärkt den Umweltverbund. Etwa ein Drittel der ehemaligen Mietwagenfahrgäste steigen auf Bus und Bahn um. Das entlastet den innerstädtischen Verkehr und kommt der Klimabilanz Kölns zugute. Zugleich verzeichnet das Taxigewerbe ein durchschnittliches Umsatzplus von etwa zwanzig Prozent. Dies spricht für eine echte Verlagerung von Billigangeboten zu regulären Taxidiensten. Die Taxifahrer auf den Straßen Kölns spüren die Veränderung direkt im Geldbeutel. Faire Preise bedeuten in der Praxis oft faire Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Das wiederum stärkt die Dienstleistungsqualität für die Fahrgäste in der Domstadt.
Auch für die Mietwagenbetriebe selbst sieht die Bilanz besser aus als viele Kritiker erwartet hatten. Zwar ist die Nachfrage nach ersten Marktdaten um rund fünfzig Prozent eingebrochen. Die Unternehmen berichten jedoch von deutlich höheren Erlösen pro durchgeführter Fahrt. Hinzu kommen geringere Betriebskosten, weil weniger Leerfahrten anfallen und die Auslastung pro Fahrzeug steigt. Statt im ruinösen Preiskampf um jeden Kunden zu buhlen, können sich die Betriebe nun auf eine qualitativ hochwertige Dienstleistung konzentrieren. Der Markt bereinigt sich und etablierte, seriöse Anbieter profitieren.
Die Erfahrungen aus Köln sind wegweisend für andere deutsche Städte. Neben Köln haben bereits Essen, München, Heidelberg und Lörrach Mindestpreise eingeführt. In Dortmund hat der Stadtrat den Schritt beschlossen. Die erfolgreiche Zwischenbilanz aus der Rheinmetropole liefert nun allen weiteren Kommunen handfeste Argumente. Dragicevic betont, dass es keinen Grund mehr zum Zögern gebe. Mindestpreise wirkten und die Mobilität bleibe erhalten. Der jahrelange Kampf des Verbandes und vieler lokal Engagierter zahlt sich nun aus. Er zeigt auf, dass Städte mit Dumping-Verkehren durch Plattformvermittler aktiv gegensteuern können – und sollten.
Für die Kölner Bürgerinnen und Bürger bedeutet die Entwicklung im Alltag eine spürbare Verbesserung der Angebotsqualität. Die Wahl zwischen Taxi und Mietwagen orientiert sich weniger am absoluten Niedrigpreis, sondern stärker an Service und Verfügbarkeit. Das stärkt den gesamten öffentlichen Nahverkehr als vernetztes System. Die Politik in Köln hat mit der mutigen Entscheidung für Mindestpreise ein Zeichen für faire Arbeitsbedingungen und geordnete Märkte gesetzt. Die ersten sechs Wochen beweisen, dass dieser Weg richtig ist. Der Erfolg in Köln dürfte daher nicht nur lokal, sondern bundesweit Schule machen.