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Berlin

Berliner Start-up revolutioniert Heizung mit Fenstertechnologie

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: Juli 25, 2026 3:19 p.m.
Julia Becker
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Berliner Heizungsfenster: Innovation im Test

Die Suche nach effizienten Wegen, Wohnungen und Häuser warm zu halten, treibt derzeit viele Menschen um. Gaskrise, steigende Energiekosten und der Klimawandel machen das Heizen zu einer der zentralen Alltagsfragen in deutschen Städten. In Berlin hat ein Startup nun eine Idee entwickelt, die auf den ersten Blick verblüffend einfach klingt: Warum nicht einfach die Fenster zur Heizung machen? Ein Elektrotechniker hat diese Vision in ein konkretes Produkt verwandelt, das derzeit sogar von Deutschlands größtem Wohnungskonzern getestet wird. Könnte diese Technologie den Weg in unsere Wohnzimmer finden und traditionelle Heizkörper überflüssig machen? Die Antwort hängt stark von den baulichen Gegebenheiten ab – und von der Frage, wie die Berliner Erfindung im Alltag besteht.

Hintergrund: Warum die Heizfrage unsere Städte bewegt

Die aktuelle Debatte um Heizungen ist eng mit den sozialen und wirtschaftlichen Realitäten in deutschen Städten verknüpft. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes entfielen im Jahr 2022 rund 70 Prozent des Endenergieverbrauchs privater Haushalte in Deutschland auf das Heizen. In vielen deutschen Großstädten, besonders in Ballungsräumen wie Berlin, Hamburg oder dem Ruhrgebiet, steht ein erheblicher Teil des Wohnungsbestandes vor einer Sanierungswelle. Die Bundesregierung hat mit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) den rechtlichen Rahmen gesetzt, um den CO₂-Ausstoß von Gebäuden zu senken. Kommunen stehen damit vor der gewaltigen Aufgabe, Eigentümer bei der Modernisierung zu unterstützen und gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum zu erhalten. Innovative Technologien wie die Fensterheizung sind daher nicht nur eine technische Spielerei, sondern stehen im Kontext einer dringenden gesellschaftlichen Herausforderung. Die Kommunalverwaltungen in vielen Städten prüfen bereits Programme, um den Umstieg auf effiziente Heizsysteme zu fördern, denn die Wärmeversorgung ist ein zentraler Pfeiler der Daseinsvorsorge.

Wie funktionieren die Berliner Heizfenster?

Der studierte Elektrotechniker Andreas Häger gründete 2019 das Unternehmen Vestaxx, um seine Idee der beheizten Fenster auf den Markt zu bringen. Optisch sollen sie sich nicht von herkömmlichen, hochwertigen Fenstern unterscheiden. Sie sind dreifach verglast, haben Rahmen aus Holz oder Kunststoff, doch im Inneren steckt die Innovation: Die innere Scheibe ist mit einer dünnen Schicht Zinkoxid beschichtet. Wird diese Beschichtung unter Strom gesetzt, erwärmt sie sich und gibt Infrarotstrahlung ab, die den Raum wärmt – ähnlich wie die Sonne.

Andreas Häger erklärt im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Anders als bei klassischen Infrarotheizungen, die bis zu 80 Grad heiß werden, könne man sich hier auch nicht die Finger verbrennen.“ Die Temperatur lasse sich über einen Regler in der Fensterlaibung steuern, der wie ein Thermostat funktioniert. Temperaturen bis zu 50 Grad seien möglich. Um zu verhindern, dass die erzeugte Wärme sofort wieder nach draußen verloren geht – Glas ist bekanntermaßen ein schlechter Isolator –, hat Häger Vorkehrungen getroffen. Die mittlere und äußere Scheibe sind mit Silberoxid beschichtet, das die Wärme reflektiert und im Raum hält. Zudem befindet sich zwischen den Scheiben ein isolierendes Edelgas.

Gemeinschaftsauswirkungen: Wer könnte profitieren?

Die potenziellen Auswirkungen einer solchen Technologie auf das städtische Leben sind vielfältig. Am direktesten profitieren könnten Bewohner von gut gedämmten Neubaugebieten oder sanierten Altbauquartieren. In Städten wie Freiburg oder Heidelberg, wo Passivhaus-Standards in neuen Baugebieten oft verpflichtend sind, könnte die Technologie eine platzsparende und effiziente Ergänzung sein. Auch für ältere Menschen in barrierefreien Wohnungen wäre der Wegfall von störenden Heizkörpern und deren scharfen Kanten ein echter Gewinn an Sicherheit und Komfort.

Andreas Häger warnt jedoch im Handelsblatt-Gespräch ausdrücklich: „Wer ein schlecht gedämmtes Haus hat, sollte dagegen besser die Finger lassen.“ In den zahlreichen Gründerzeitvierteln deutscher Städte, wo oft noch keine umfassende Fassadendämmung erfolgt ist, wäre die Fensterheizung schlicht überfordert. Die Wärme würde zu schnell entweichen, und die Heizkosten würden explodieren. Hier liegt eine der größten sozialen Herausforderungen: Technologische Innovationen drohen, die Schere zwischen modernen, energieeffizienten Stadtteilen und alten, sanierungsbedürftigen Vierteln weiter zu öffnen. Eine gerechte Wärmewende muss daher immer beides im Blick haben: die Förderung neuer Technologien und massive Investitionen in die Sanierung des Bestands, um auch einkommensschwächere Haushalte zu entlasten.

Lokalpolitische Dimensionen und der Praxistest

Die Technologie steht nicht mehr nur im Labor. Vestaxx-Fenster sind bereits in rund 500 Objekten im Einsatz, unter anderem in Holzhäusern des Anbieters Talis. Der entscheidende Praxistest läuft derzeit aber in Köln. Vonovia, Deutschlands größter privater Wohnungskonzern, testet die Fensterheizung in neun Wohnungen eines Mehrfamilienhauses. Ein solcher Test durch einen großen Akteur des Wohnungsmarktes ist bedeutsam. Sollte die Technologie im Alltagsbetrieb überzeugen, könnte sie relativ schnell eine breitere Anwendung finden, insbesondere im Neubau.

Ein Vonovia-Sprecher erklärt die Motivation: „Laut unseren Angaben bleiben beim Einsatz der Heizfenster rund 95 Prozent der Wärmestrahlungsenergie im Haus – das System arbeitet also sehr effizient.“ Für kommunale Wohnungsbaugesellschaften, die in vielen Städten unter enormem Kostendruck stehen und gleichzeitig ihre Klimaziele erreichen müssen, wäre ein zuverlässiges und platzsparendes System attraktiv. Die politischen Entscheidungsträger in den Rathäusern werden die Ergebnisse aus Köln und anderen Testprojekten genau beobachten. Sie müssen abwägen, ob und wie solche Innovationen in ihre Förderrichtlinien für energetische Sanierung integriert werden können.

Kosten und Perspektiven im Vergleich

Für Hausbesitzer stellt sich natürlich die Frage der Wirtschaftlichkeit. Andreas Häger rechnet vor: Bei einem Strompreis von 30 Cent pro Kilowattstunde könnten die Heizkosten für einen 150-Quadratmeter-Neubau bei etwa 110 Euro monatlich liegen. Die Anschaffungskosten inklusive Montage lägen für ein Einfamilienhaus zwischen 10.000 und 12.000 Euro. Kombiniert man das System mit einer Photovoltaik-Anlage und einem Stromspeicher auf dem Dach, ließen sich die laufenden Kosten nach Hägers Angaben etwa halbieren.

Zum Vergleich: Ein vergleichbares Einfamilienhaus verbraucht nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) jährlich etwa 22.000 Kilowattstunden Gas für die Heizung. Bei einem aktuellen Gaspreis für Neukunden von rund 10 Cent pro Kilowattstunde entspräche das Heizkosten von etwa 2.200 Euro jährlich oder gut 180 Euro monatlich. Allerdings variieren diese Werte extrem: In schlecht gedämmten Altbauten kann der Verbrauch leicht über 30.000 kWh steigen, in modernen Passivhäusern auf unter 12.000 kWh fallen.

Häger betont, dass es sich bei seinem Produkt nicht um eine bahnbrechende Erfindung, sondern eine Weiterentwicklung bekannter Prinzipien handelt: „Wir haben darauf kein Patent, weil der Effekt schon seit Jahrzehnten bekannt ist.“ Genau das könnte ein Vorteil sein. Die Technologie baut auf erprobten physikalischen Effekten auf und ist weniger anfällig für unvorhergesehene Kinderkrankheiten als komplett neue Ansätze.

Bürgerbeteiligung und Handlungsmöglichkeiten

Was bedeutet das für Mieter und Hauseigentümer in deutschen Städten? Zunächst ist es ein Beispiel dafür, dass die Forschung nach neuen Heizlösungen intensiv läuft. Bürger, die sich über die energetische Sanierung ihres Hauses oder die Heizungsanlage in ihrer Mietwohnung Gedanken machen, sollten sich umfassend informieren. Die Verbraucherzentralen in jedem Bundesland bieten erste, kostenlose Energieberatungen an. Viele Städte und Kommunen haben zusätzlich Förderprogramme aufgelegt, die über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) hinausgehen.

Wer konkret an innovativen Heizmethoden wie der Fensterheizung interessiert ist, sollte:

  1. Einen unabhängigen Energieberater hinzuziehen, der den individuellen Zustand des Gebäudes beurteilen kann.
  2. Sich bei der eigenen Stadtverwaltung nach lokalen Förderprogrammen für Heizungsinnovationen oder energetische Sanierung erkundigen (oft zuständig: Amt für Umwelt und Energie oder Bauamt).
  3. Die Ergebnisse der laufenden Praxisversuche, beispielsweise von Vonovia, abwarten und auf unabhängige Testberichte von Instituten wie dem Fraunhofer-Institut achten.

Fazit: Eine vielversprechende Nischentechnologie mit sozialen Fragen

Die Berliner Fensterheizung ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie deutsche Start-ups mit pragmatischen Ideen die Wärmewende vorantreiben wollen. Unter den richtigen Voraussetzungen – nämlich in sehr gut gedämmten Gebäuden – kann sie eine echte, platzsparende und effiziente Alternative sein. Der laufende Test im großen Stil durch Vonovia wird zeigen, wie sie im Alltag von Familien funktioniert und wie wirtschaftlich sie langfristig arbeitet.

Die größere gesellschaftliche Frage, die diese Technologie aufwirft, geht jedoch über das reine Funktionieren hinaus. Sie zeigt, dass die Lösungen für eine klimafreundliche Wärmeversorgung oft nur in bereits modernisierten Gebäuden wirtschaftlich sind. Für die breite Umsetzung in unseren Städten braucht es daher nicht nur clevere Fenster, sondern vor allem eine beschleunigte und sozial abgefederte Sanierungswelle im gesamten Gebäudebestand. Nur so können Innovationen wie die aus Berlin tatsächlich dazu beitragen, dass alle Stadtbewohner von einer bezahlbaren und sauberen Wärmeversorgung profitieren. Die Fensterheizung ist ein Puzzleteil – das große Bild einer gerechten Energiewende in den Städten muss die Kommunalpolitik mit Weitblick und Einsatz für alle Bürger gestalten.

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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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