Seit Montag dieser Woche war das leise Surren des Elektromotors wieder ein vertrautes Geräusch für viele Düsseldorfer: Die Fähre «Kirmesexpress» pendelte endlich zwischen dem Altstadtufer und den Rheinwiesen hin und her. Sie verkürzte den Weg zur großen Kirmes, die seit letztem Freitag lockt, und wurde schnell zu einem beliebten, weil besonderen Transportmittel. Doch schon am frühen Samstagabend, dem 25. Juli, trat erneut ein ein, was viele in der Stadt heimlich befürchtet hatten: Die Fährverbindung musste den Betrieb einstellen. Der Grund sind neue, massive Sandablagerungen direkt am Anleger auf der Kirmesseite, die ein sicheres Anlegen unmöglich machen. Damit wiederholt sich ein Problem, das den Start der Fähre bereits um Tage verzögerte und nun den Betreiber und die wartenden Gäste erneut vor große Herausforderungen stellt.
Kapitän Hajo Schäfer, der den Betrieb der Fähre leitet, machte die Situation über Facebook öffentlich. «Die Gefahr ist zu groß, dass wir uns mit Passagieren an Bord festfahren», erklärte er. Von Montag bis Samstagnachmittag konnte er planmäßig verkehren, nun liegt das Boot vorerst wieder still. Die Enttäuschung ist in der Stadt spürbar, insbesondere bei Familien und Besuchern, die sich auf die schnelle und malerische Überfahrt gefreut hatten. Die Kirmes am linksrheinischen Ufer ist eines der größten Volksfeste der Region und zieht jedes Jahr Hunderttausende an. Eine zuverlässige Verbindung ist daher nicht nur eine nette Attraktion, sondern entlastet auch die Rheinkniebrücke und verbessert die Erreichbarkeit des Festgeländes erheblich.
Ein bekanntes Problem mit dem Rhein
Die aktuellen Schwierigkeiten sind kein Zufall, sondern direkt mit dem Zustand des Rheins verknüpft. Der Fluss führt für die Jahreszeit extrem wenig Wasser. Der Pegelstand in Düsseldorf liegt deutlich unter dem langjährigen Mittelwert für einen Juli. Ein niedriger Wasserstand bedeutet, dass die Strömungsverhältnisse sich ändern. Sand und Sedimente, die normalerweise in der Flussmitte transportiert werden, setzen sich in Ufernähe und besonders in Buchten sowie an Anlegestellen ab. Genau das ist an der relativ flachen Anlegestelle bei den Rheinwiesen passiert.
Bereits in der vergangenen Woche verhinderte dieses Phänomen den planmäßigen Start der Fährsaison. Der Anleger war so sehr versandet, dass die Fähre mit ihrem Tiefgang gar nicht erst anlegen konnte. Die Stadt und der Betreiber organisierten daraufhin eine aufwändige Notmaßnahme: Ein Bagger fuhr an und vertiefte den Bereich des Anlegers in einer mehrstündigen Aktion. Gemeinsam mit einem kurzzeitig leicht angestiegenen Rheinpegel ermöglichte diese Baggerschaufel-Lösung dann den Start am Montag. Doch diese Lösung war, wie sich nun zeigt, nicht von Dauer. Die Strömung hat innerhalb weniger Tage erneut so viel Sand an genau dieselbe Stelle gespült, dass die Fahrrinne blockiert ist. Es ist ein Kampf gegen die Naturgewalten eines großen Flusses.
Die wirtschaftlichen und logistischen Folgen
Der erneute Ausfall hat konkrete Konsequenzen. Für den Fährbetreiber bedeutet jeder Tag ohne Fahrgäste einen erheblichen Einnahmeausfall. Die Personalkosten für Kapitän und Crew laufen weiter, während keine Tickets verkauft werden können. Auch die Stadt Düsseldorf hat ein Interesse an einer funktionierenden Verbindung, da sie das Verkehrsaufkommen entzerrt und das Kirmeserlebnis bereichert. Die jetzt nötige erneute Räumung verursacht zusätzliche, ungeplante Kosten. Wer diese tragen muss – ob die Stadt, der Betreiber oder eine Mischkalkulation – ist oft Gegenstand späterer Diskussionen.
Für die Besucher bleibt vorerst nur der Weg über die Brücke. Das führt zu längeren Fußwegen, besonders für diejenigen, die von der Altstadt oder der Haltestelle «Tonhalle/Ehrenhof» kommen. Für Menschen mit Gehbehinderungen oder Familien mit Kinderwagen ist der Ausfall der flachen Fährverbindung eine besondere Härte. «Es ist einfach schade», sagt Michael aus Rath, der mit seinen beiden Kindern extra die Fähre nehmen wollte. «Über den Fluss zu fahren, ist für die Kinder immer ein Highlight. Jetzt müssen wir den langen Weg über die Brücke nehmen, das ist anstrengender.»
Eine Lösung auf Zeit – aber wie geht es weiter?
Die unmittelbare Reaktion liegt auf der Hand: Der Anleger muss erneut ausgebaggert werden. Ob das bereits am Sonntag geschehen kann, ist jedoch fraglich. Die Organisation eines Baggers, die notwendigen Genehmigungen und die Sicherheit der Arbeiten am Flussufer benötigen Zeit. Kapitän Schäfer und sein Team sind in Abstimmung mit den städtischen Ämtern, um eine möglichst schnelle Lösung zu finden. Die Hoffnung aller Beteiligten ist, dass ein stabilerer Hochwasserstand des Rheins die Situation langfristig entspannt. Doch auf Regen oder Schmelzwasser aus den Alpen zu warten, ist keine verlässliche Strategie für ein Fest, das nur wenige Wochen dauert.
Langfristig stellt sich die Frage, ob die Anlegestelle an den Rheinwiesen so umgebaut werden muss, dass sie resistenter gegen Versandung ist. Könnte eine andere Konstruktion des Stegs oder eine regelmäßige technische Lösung, etwa eine kleine Saugbaggereinheit, das Problem lösen? Solche Überlegungen sind jedoch mit hohen Investitionen verbunden und müssten von der Stadtplanung und dem Gartenbauamt, das für die Rheinwiesen zuständig ist, geprüft werden. Es ist ein klassisches Beispiel dafür, wie der Klimawandel mit häufigeren Niedrigwasserphasen direkte Auswirkungen auf die lokale Infrastruktur und das Freizeitangebot einer Stadt hat.
Was Besucher jetzt wissen müssen
Bis auf weiteres ist die Kirmesfähre außer Betrieb. Die Stadt Düsseldorf und der Fährbetreiber aktualisieren ihre Online-Kanäle, sobald sich etwas ändert. Besucher der Kirmes sollten ihre Route planen und den alternativen Weg über die Rheinkniebrücke einberechnen. Der Fußweg vom Altstadtufer zum Kirmeseingang dauert dann etwa 15 bis 20 Minuten länger.
- Fährverbindung zwischen Altstadtufer und Rheinwiesen ist eingestellt
- Massive Sandablagerungen verhindern Anlegen
- Kapitän Schäfer informiert über Facebook
- Enttäuschung bei Familien und Besuchern
- Wirtschaftliche Auswirkungen für Betreiber und Stadt
- Langfristige Lösungen erforderlich
| Folgen des Ausfalls | Details |
|---|---|
| Einnahmeausfall | Jeder Tag ohne Fahrgäste ist teuer |
| Personalkosten | Kapitän und Crew werden weiterhin bezahlt |
| Verkehrsaufkommen | Erhöht durch Alternative über die Brücke |
| Ungeplante Kosten | Erneute Räumung des Anlegers erforderlich |
| Längere Wege | Besucher müssen Umwege in Kauf nehmen |
| Zukunftsstrategie | Notwendigkeit von dauerhaften Lösungen |
Die Geschichte der Kirmesfähre in diesem Jahr zeigt eindrücklich, wie verwundbar scheinbar einfache Infrastruktur sein kann. Sie ist abhängig von einem großen, unberechenbaren Ökosystem: dem Rhein. Der aktuelle Stillstand ist mehr als nur ein ärgerlicher Ausfall; er ist ein Lehrstück in lokaler Logistik und ein Signal, dass sich Düsseldorf auf veränderte Bedingungen an seinem wichtigsten Fluss einstellen muss. Für alle, die auf die gemütliche Überfahrt gewartet haben, bleibt vorerst nur die Hoffnung, dass der Bagger bald wieder anrückt – und der Rhein diesmal kooperativer ist.