Julia Becker berichtet aus Köln
An diesem ersten Dienstag der Sommerferien herrscht im Park an der Eythstraße in Köln-Kalk ein fröhliches Gewusel. Auf den Wiesen wird Fußball gespielt, an Staffeleien entstehen bunte Bilder, und am großen Basteltisch arbeiten Kinder konzentriert an eigenen Notizbüchern. Der Auslöser für diese lebendige Szene ist ein großer, weißer Transporter: das Juppi-Mobil des Kölner Jugendamtes. Seit über 50 Jahren rollt es durch die Stadt, doch in diesen Sommerferien hat das Team eine neue Taktik. Statt täglich den Standort zu wechseln, bleibt es nun jeweils eine ganze Woche an einem Ort – ein kostenloses Ferienprogramm genau dort, wo es viele Kinder brauchen.
Die sechsjährige Johanna näht mit Hilfe ihrer Mutter Conny sorgfältig die Seiten ihres selbstgemachten Tagebuchs zusammen. Sie sind extra mit dem Fahrrad aus Buchforst angereist. «In den Urlaub zu fahren, ist für uns dieses Jahr finanziell nicht möglich», sagt Conny. Diese Aussage trifft den Kern der Mission des Juppi-Mobils. Petra Wallraff-Becker, Leiterin der Abteilung Kinderinteressen und Jugendförderung beim Kölner Jugendamt, erklärt: «Wir gehen in Bereiche der Stadt, wo besonders viele Kinder auf engem Raum leben. Und wo das Umfeld vielleicht nicht so gut aufgestellt ist, dass man viel in den Urlaub fahren kann.»
Das Angebot ist simpel und doch wirkungsvoll. Zwei große Transporter und ein Lastenfahrrad, vollgepackt mit Bällen, Bastelmaterial, Zirkusutensilien, einem Tischkicker und sogar einem Riesen-Vier-Gewinnt, bringen den Spielplatz direkt in den Park. Ein Team aus vier pädagogischen Mitarbeitern leitet an, schlichtet kleine Streitigkeiten und verteilt Wasser an durstige Kinder. «Wir sind da, wo sich die Kinder sowieso aufhalten», sagt Juppi-Mitarbeiterin Marie. Die Hemmschwelle ist niedrig, die Teilnahme kostenlos und ohne Anmeldung. Viele Kinder wie der achtjährige Arda oder die zwölfjährige Aila, die in den umliegenden Mehrfamilienhäusern wohnen, kommen regelmäßig. Sie kennen das Mobil auch aus der Schulzeit.
Die Idee hinter dem Projekt ist älter als viele Eltern der teilnehmenden Kinder. Seit 1972 gibt es das Juppi-Projekt, benannt nach dem damaligen Jugenddezernenten Joseph Schulte. Das Ziel war von Anfang an, Kindern wohnortnah Spiel-, Bewegungs- und Begegnungsräume zu eröffnen – insbesondere in Stadtteilen mit besonderem Unterstützungsbedarf. Die aktuelle Ferienaktion mit den wochenlangen Stationen ist ein neuer Versuch, noch besser in die Viertel hineinzuwirken. «Das Angebot muss immer etwas anlaufen», so Wallraff-Becker. «Am Ende der Woche wissen die Kinder im Viertel dann, dass hier etwas los ist.»
Die Resonanz gibt dem Konzept recht. Während die Juppi-Mitarbeiter im Park von den Wohnungsfenstern aus gesehen werden können und so automatisch Kinder anlocken, blieb der Andrang aus, als man das Angebot einmal in einen angemieteten Raum verlegte. Die niedrigschwellige, offene Tür im öffentlichen Raum ist entscheidend für den Erfolg. Hier treffen sich Kinder unterschiedlichster Hintergründe. Während die einen allein kommen, begleiten andere Eltern wie Conny ihre kleineren Kinder und werden so selbst Teil der Gemeinschaft.
An den Stationen entsteht mehr als nur Basteleien. Kinder wie Hatice (8) und Mohammad (12) puzzeln gemeinsam an einem riesigen Holzplan von Köln und lernen so spielerisch ihre Stadt und ihre Veedel kennen. Andere üben Jonglage oder bauen Papierflieger. Es ist ein Raum für ungeplantes Spiel, für soziale Kontakte und für einfache Freude – Dinge, die in einem durchgetakteten Alltag oder in beengten Wohnverhältnissen manchmal zu kurz kommen.
Für Familien, die sich eine teure Ferienfreizeit oder eine Urlaubsreise nicht leisten können, ist dieses städtische Angebot ein wichtiger Anker. Es bietet Struktur, sinnvolle Beschäftigung und entlastet zugleich das Familienbudget. In einer Stadt wie Köln, wo die Lebenshaltungskosten kontinuierlich steigen und die Mieten in vielen Vierteln hohe Belastungen für Familien bedeuten, sind solche sozialen Infrastrukturangebote keine nette Zugabe, sondern eine notwendige Komponente der Daseinsvorsorge.
Das Juppi-Mobil tourt noch bis Ende der Ferien durch die Stadt. Nach Kalk geht es weiter nach Mülheim in den Böckingpark, dann in den Kälberweider Park in Deutz, nach Porz, Roggendorf und schließlich wieder zurück nach Kalk. Es ist ein kleines, aber konkretes Zeichen kommunaler Solidarität. Es sagt: Der Sommer und die Zeit zum Spielen gehören allen Kindern – unabhängig vom Kontostand der Eltern. In einer Zeit, in der über Bildungsgerechtigkeit und soziale Spaltung viel diskutiert wird, zeigt dieses rollende Spielzimmer, wie praktische, unbürokratische Unterstützung vor Ort aussehen kann. Es schafft für ein paar Stunden am Tag einen Ort der Gleichheit, an dem es nur darum geht, ob der Papierflieger gut fliegt oder die selbstgemachte Qualle aus Farbe besonders schön gesprenkelt ist.
| Station | Ort |
|---|---|
| Kalk | Eythstraße |
| Mülheim | Böckingpark |
| Deutz | Kälberweider Park |
| Porz | To be determined |
| Roggendorf | To be determined |
| Kalk | Final Station |
Vorteile des Juppi-Mobils:
- Kostenlose Teilnahme
- Fördert soziale Kontakte
- Spiel- und Lernangebote
- Niedrigschwelliger Zugang
- Verbesserung der Lebensqualität
- Unterstützung für bedürftige Familien