Seit Ende 2025 können Frankfurterinnen und Frankfurter Umweltschutz buchstäblich in der Tasche tragen. Die App Klimataler belohnt klimafreundliche Wege zu Fuß, mit dem Fahrrad oder per Bahn mit digitalen Münzen. Diese lassen sich bei lokalen Partnern gegen Rabatte und Vergünstigungen eintauschen. Ein neuer Höhepunkt des Programms ist der freie Eintritt in die städtischen Schwimmbäder, den sich aktive Nutzer einmal im Monat verdienen können. Die Resonanz zeigt, dass der Anreiz funktioniert. Allein im Juli sparten die etwa 2150 aktiven Nutzer in Frankfurt rund 80.000 Kilogramm Kohlenstoffdioxid ein. Damit liegt die Mainmetropole im bundesweiten Ranking der teilnehmenden Städte auf dem beachtlichen dritten Platz.
Die Idee hinter der App ist simpel und direkt. Sie verbindet persönlichen Nutzen mit dem Gemeinwohl. Wer auf das Auto verzichtet und stattdessen die umweltfreundliche Alternative wählt, wird dafür belohnt. „Wer klimafreundlich unterwegs ist, soll davon auch ganz konkret profitieren“, bringt es Umweltdezernentin Tina Zapf-Rodríguez von den Grünen auf den Punkt. Die Technik erledigt den Rest. Eine Künstliche Intelligenz in der App erkennt automatisch, ob man läuft, Rad fährt oder mit Bus und Bahn unterwegs ist. Sie nutzt dafür die Sensoren des Smartphones, die Schritte oder die typischen Vibrationen eines Busses registrieren. So sammeln sich die Taler fast von selbst, während man seinen Alltag bestreitet.
Das lokale Netzwerk in Frankfurt wächst stetig. Aktuell sind mehr als 20 Geschäfte, Museen und Einrichtungen mit an Bord. Die Bandbreite der Belohnungen ist groß und spricht unterschiedliche Interessen an:
- Kostenloser Eintritt in Museen
- Rabatt auf handgemachte Edelschokolade
- Rabatt auf Schmuck aus recyceltem Gold
- Rabatt in Bio-Supermärkten
- Vergünstigte Tickets für den Palmengarten
- Kostenlose Leihfahrräder
Kulturbegeisterte können mit ihren gesammelten Talern freien Eintritt in Museen wie das Historische Museum oder das Architekturmuseum erhalten. Für Genießer bietet der Chocolatier Michael Kitz im Nordend eine besondere Verführung. Drei Taler bringen 40 Prozent Rabatt auf eine handgemachte Edelschokolade. „Nach gut 90 Kilometern zu Fuß ist das eine klimafreundlich vergünstigte Süßigkeit“, schmunzelt Kitz. Er ist seit Januar Partner und hat bereits 15 Schokoladentafeln gegen Taler getauscht.
Andere Geschäftsleute sehen in der App vor allem eine Chance, ihr eigenes nachhaltiges Engagement zu unterstreichen. Die Goldschmiedin Alexandra Baum aus Bockenheim etwa bietet für zehn Taler einen Rabatt auf Schmuck aus recyceltem Gold an. Bislang hat sich noch niemand mit dieser Währung bei ihr gemeldet, aber das stört sie nicht. „Überzeugt hat mich an dem Angebot, dass damit Umweltbewusstsein spielerisch in den Alltag integriert werden kann“, sagt Baum. Für sie ist die Teilnahme eine logische Erweiterung ihrer Firmenphilosophie. „Ich versuche mit meinem Betrieb dauerhaft noch nachhaltiger zu werden“.
| Partner | Belohnung |
|---|---|
| Historisches Museum | Freier Eintritt |
| Architekturmuseum | Freier Eintritt |
| Chocolatier Michael Kitz | 40% Rabatt auf Edelschokolade |
| Goldschmiedin Alexandra Baum | Rabatt auf Schmuck aus recyceltem Gold |
| Bio-Supermärkte | Rabatt |
| Palmengarten | Vergünstigte Tickets |
Hinter der App stehen die Berliner Gründer Daniela Schiffer und Markus Schulz. Ihr Konzept hat bundesweit Schule gemacht. In Kooperation mit über 50 Städten schaffen sie ein wachsendes Netzwerk, das lokale Wirtschaft und kommunalen Klimaschutz verbindet. Jede Stadt kann eigene Partner gewinnen und spezifische Prämien festlegen. In Frankfurt war die Stadtverwaltung ein wichtiger Türöffner. So kam Chocolatier Kitz über seinen Partner, der bei der Stadt arbeitet, zu dem Projekt. Die neueste und wohl attraktivste Partnerschaft ist die mit den städtischen Bäderbetrieben. Sie unterstreicht, dass die Stadt Frankfurt die App als ernstzunehmendes Instrument der Verkehrswende und Bürgerbeteiligung sieht.
Die Nutzerzahlen mögen auf den ersten Blick bescheiden wirken. Rund 2150 aktive Nutzer bei fast 780.000 Einwohnern sind ein kleiner Anteil. Die Wirkung ist jedoch messbar und nicht zu unterschätzen. Die eingesparten 80.000 Kilogramm CO₂ pro Monat sind ein handfester Erfolg. Zudem zeigt der bundesweite Vergleich, dass Frankfurter besonders engagiert sind. Nur München und Braunschweig sparen noch mehr ein. Die App schafft es, eine konkrete und positive Rückmeldung für umweltbewusstes Verhalten zu geben. Das ist oft mehr wert als ein abstraktes gutes Gewissen.
Die Klimataler-App ist mehr als nur ein Bonusprogramm. Sie ist ein soziales Experiment, das zeigt, wie Digitalisierung den ökologischen Wandel in der Stadt unterstützen kann. Sie verbindet einzelne Bürger mit lokalen Geschäften und städtischer Infrastruktur. Dadurch entsteht ein Gefühl von Gemeinschaft und geteilter Verantwortung. Man tut nicht nur etwas für das Klima, sondern auch für das eigene Viertel und dessen Wirtschaft. Der kostenlose Eintritt ins Schwimmbad oder der Rabatt beim Lieblingshändler sind sichtbare Zeichen dieser Verbindung.
Für die Stadtpolitik bietet das Projekt wertvolle Einblicke. Es zeigt, welche Anreize funktionieren und wie Bürger zur aktiven Teilnahme an der Verkehrswende bewegt werden können. Umweltdezernentin Zapf-Rodríguez und ihre Verwaltung erhalten so Daten über das Mobilitätsverhalten, ohne in die Privatsphäre einzugreifen. Die anonymisierten Daten der App helfen, die Verkehrsplanung zu verbessern und Investitionen in Radwege oder den öffentlichen Nahverkehr zielgenauer zu steuern.
Die Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen. Das Netzwerk der Partner soll weiter wachsen. Gespräche mit weiteren Gastronomen, Einzelhändlern und Kultureinrichtungen laufen. Die Vision der Gründer ist eine flächendeckende Akzeptanz, bei der der Klimataler zu einer selbstverständlichen Währung für nachhaltiges Leben in der Stadt wird. Die Frankfurter können gespannt sein, welche neuen Belohnungen in Zukunft hinzukommen. Vielleicht gibt es bald vergünstigte Tickets für den Palmengarten, Rabatte in Bio-Supermärkten oder kostenlose Leihfahrräder.
Die App ist im App-Store kostenlos erhältlich. Die Hürde, mitzumachen, ist niedrig. Man lädt sie herunter, registriert sich und geht, radelt oder fährt Bahn wie gewohnt. Der Rest geschieht automatisch. Es ist ein einfacher Weg, im Alltag etwas zu verändern und dafür auch noch belohnt zu werden. In einer Zeit, in der die Klimakrise oft überwältigend wirkt, bietet der Klimataler einen praktischen und positiven Ansatz. Jeder gesparte Kilometer und jeder gesammelte Taler zählt. Für das Klima, für Frankfurt und für den eigenen Geldbeutel.