An einem sonnigen Samstag verwandelte sich der historische Königsplatz in ein pulsierendes Herz der Jugendkultur. Unter blauem Himmel und bei sommerlichen 29 Grad strömten rund 24.000 meist junge Menschen zum „Oben ohne“-Musikfestival, um gemeinsam zu feiern, zu tanzen und ihre Stimmen zu erheben. Vor der klassizistischen Kulisse der Staatlichen Antikensammlungen und der Glyptothek breitete sich eine energiegeladene Menge in knappen, glitzernden Outfits aus – ein kraftvolles Bild der Gegenwart, das sich zwischen den Säulen der Vergangenheit entfaltete.
Die Organisatoren sprachen von einer Rekordbeteiligung und einem reibungslosen Ablauf. Der städtische Sicherheits- und Ordnungsdienst sowie ein umfangreicher Sanitätsdienst waren vor Ort, um das Großereignis zu betreuen. Eine Sprecherin der Veranstalter betonte, dass das Konzept, kostenlose Open-Air-Konzerte an diesem zentralen Ort zu etablieren, voll aufgehe. „Wir wollen mit ,Oben ohne‘ einen niedrigschwelligen, inklusiven Raum schaffen, der für alle jungen Menschen in München zugänglich ist“ sagte sie. Die Besucherzahlen scheinen ihnen recht zu geben.
Auf der Bühne standen Acts wie die Berliner Rapperin Nura, der Sänger Souly oder der aufstrebende Künstler Baran Kok. Besonders Nura sorgte mit ihrer energiegeladenen Performance für eine kollektive Stimmung. Ihr Song „Kein Stress mit Bullen“ und die provokative Zeile „Ich bin doch kein Rassist, ich habe einen schwarzen Freund“ wurden von Tausenden im Publikum lautstark mitgesungen. Ihre Texte, die häufig gesellschaftliche Themen wie Alltagsrassismus und Identität auf ironische und selbstbewusste Weise verhandeln, trafen genau den Nerv des jungen Publikums.
Ein Besucher, der 19-jährige Leon aus Sendling, beschrieb die Atmosphäre so: „Es ist einfach ein super Gefühl, hier zu sein. Die Musik, die Leute, dieser Ort – das ist pure Lebensfreude. Und dass es kostenlos ist, macht es für uns alle möglich.“ Auch die 22-jährige Sarah, die extra aus Freising angereist war, lobte die Vielfalt: „Man sieht hier so viele verschiedene Styles und Menschen, alle sind entspannt und feiern einfach zusammen. Das ist das schöne an diesem Festival.“
Der historische Königsplatz, der sonst oft für klassische Konzerte oder Kunstaktionen genutzt wird, zeigt mit Veranstaltungen wie „Oben ohne“ seine wandelbare Identität. Das Festival schafft es, ein junges, urbanes Publikum in das städtische Zentrum zu locken und den öffentlichen Raum neu zu bespielen. Ein Kulturbeamter der Stadt München wies darauf hin, dass solche Events wichtig für die lebendige Stadtgesellschaft seien. „Sie bringen Menschen zusammen, die den öffentlichen Raum vielleicht sonst anders nutzen oder gar nicht frequentierten. Das ist gelebte urbane Kultur.“
Allerdings gab es im Vorfeld auch kritische Stimmen von einigen Anwohnern, die den erwarteten Lärmpegel und die Menschenmassen bemängelten. Die Stadtverwaltung hatte deshalb gemeinsam mit den Veranstaltern ein umfassendes Verkehrs- und Anwohnerkonzept erarbeitet, das unter anderem spezielle Zugangsregelungen und eine strikte Einhaltung der Nachtruhe vorsah. Nach ersten Rückmeldungen seien die meisten Maßnahmen gut umgesetzt worden, heißt es aus dem zuständigen Referat.
Das „Oben ohne“-Festival ist mehr als nur ein Konzert. Es ist ein sichtbares Zeichen für eine lebendige, selbstbewusste und politisch wache Jugendkultur in München. In einer Zeit, in der über die kommerzielle Vereinnahmung von Jugend und die Vereinzelung in digitalen Räumen diskutiert wird, setzt diese kostenlose Open-Air-Veranstaltung auf Gemeinschaftserlebnis und direkten Austausch – mitten in der Stadt.
- 24.000 Besucher beim Festival
- Inklusive Atmosphäre für junge Menschen
- Verschiedene Acts auf der Bühne
- Zusammenhalt unter den Besuchern
- Sicherheits- und Ordnungsdienst vor Ort
- Umfassendes Anwohnerkonzept
| Act | Genre |
|---|---|
| Nura | Rap |
| Souly | Pop |
| Baran Kok | Hip-Hop |
Für die Zukunft hoffen die Veranstalter, dass das Festival zu einer festen, bereichernden Größe im Münchner Sommerkalender wird. Die Resonanz in diesem Jahr, sowohl was die Besucherzahlen als auch die überwiegend positive Stimmung angeht, spricht dafür. Der Königsplatz hat an diesem Samstag bewiesen, dass er nicht nur ein Ort für die Kunst vergangener Jahrhunderte ist, sondern auch eine Bühne für die pulsierende Musik und die ausdrucksstarken Lebenswelten der Gegenwart sein kann.