Berliner CSD: Autoanschlag mit Todesopfer
Am Samstagabend wurde Berlins Christopher Street Day von einem brutalen Akt der Gewalt überschattet. Ein weißer Kleinbus fuhr gegen 22 Uhr in der Lennéstraße in die Menschenmenge, die den Abschluss des CSD im Tiergarten feierte. Die Bilanz ist erschütternd: Mindestens ein Mensch, eine Frau, starb. Die Berliner Feuerwehr meldete am Sonntagmorgen 16 Verletzte, davon drei Lebensgefährliche und acht Schwerverletzte. Innenministerin Nancy Faeser (SPD) bezeichnete die Tat vor dem Bundestag als „entsetzlichen Terrorakt”.
Die Ereignisse überschlugen sich. Der Fahrer raste laut Polizei mit dem Auto in die Menge, möglicherweise überfuhr er Menschen, bevor der Wagen schließlich gegen einen Baum prallte. Danach flüchteten der oder die Täter vom Tatort in Richtung des nahegelegenen Ahornsteigs. Das stehengelassene Fahrzeug wurde schnell gesichert. Erste, noch unbestätigte Zeugenberichte sprachen davon, dass Personen nach dem Aufprall auch durch Stiche verletzt worden sein könnten. Polizeisprecher Florian Nath bestätigte, dass die Ermittler eine mögliche „zweite Tatphase nach der Fahrphase” untersuchen. Die Festmeile wurde umgehend geräumt, der gesamte Tiergarten weiträumig abgesperrt und noch in der Nacht mit Wärmebildkameras durchsucht.
Noch in den frühen Morgenstunden konnte die Polizei einen mutmaßlichen Tatverdächtigen identifizieren. Es handelt sich um den 21-jährigen Abdul B., einen deutschen Staatsbürger mit libanesischer Herkunft, der in Berlin geboren wurde und laut Polizei der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet wird. Der Mann ist polizeibekannt und war erst im Mai aus dem Jugendarrest entlassen worden. Ihm wurden laut Informationen des Nachrichtenmagazins „Spiegel” bereits im vergangenen Jahr die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und der Versuch, sich dem Terrornetzwerk „Islamischer Staat” (IS) anzuschließen, vorgeworfen. Das Gericht verhängte damals eine Jugendstrafe auf Bewährung. Nach seiner Entlassung hatte er laut der „Welt” die Auflage, Gespräche mit einer Beratungsstelle zur Deradikalisierung wahrzunehmen. Die ersten zwei Termine im Juni und Juli soll er absolviert haben; der dritte war für diesen Montag angesetzt.
Die Fahndung nach Abdul B. läuft auf Hochtouren. Die Polizei veröffentlichte am Sonntagmorgen ein Foto des flüchtigen Mannes und warnt: Er sei „möglicherweise bewaffnet und gefährlich”. Abdul B. wird als etwa 1,90 Meter groß, schlank, mit schwarzen Haaren beschrieben und soll einen schwarzen Hoodie und eine weiße Hose tragen. Noch in der Nacht durchsuchten Ermittler in schusssicheren Westen eine Wohnung in der Bissingzeile im Ortsteil Tiergarten, wo er gelebt haben soll. Die fast zehnstündige Maßnahme wurde am Vormittag mit dem Versiegeln der Wohnung abgeschlossen. Die Polizei geht davon aus, dass sich der Verdächtige weiterhin in Berlin aufhält und hat ihre Präsenz, insbesondere an Bahnhöfen, massiv verstärkt.
Offen bleibt die Frage, ob der Mann allein handelte. Laut dem „Tagesspiegel” deutet der ausgelöste Airbag auf der Beifahrerseite im Tatfahrzeug möglicherweise auf einen zweiten Insassen hin. Die Polizei betont, die Aussagen hierzu seien noch widersprüchlich und die Ermittlungen seien voll im Gange. Auch das konkrete Motiv ist noch nicht abschließend geklärt. Zwar wird der Verdächtige islamistischen Kreisen zugeordnet, doch Innenministerin Faeser mahnte, die genauen Hintergründe müssten nun „lückenlos aufgeklärt” werden. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sagte, eine endgültige rechtliche und politische Einordnung als Terroranschlag sei zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh.
Die Tat hat die Stadt zutiefst erschüttert und wirft viele Fragen auf. Wie konnte der Täter trotz der hohen Sicherheitsvorkehrungen während einer Großveranstaltung mit einem Auto in den abgesperrten Tiergarten gelangen? Die Polizei stellte lediglich klar, dass es sich bei dem weißen Van um ein Privatfahrzeug handele, nicht um einen Mietwagen. Die Identität der getöteten Frau und der genaue Gesundheitszustand der Verletzten sind derzeit noch nicht öffentlich bekannt.
Für Berlins queere Community und alle Bürgerinnen und Bürger ist dieser Angriff auf ein Fest der Liebe und Toleranz ein schwerer Schlag. Der Christopher Street Day, ein Symbol für Freiheit und Selbstbestimmung, wurde zum Ort einer sinnlosen Gewalttat. Die Aufklärung muss nun schnell und umfassend erfolgen, um den Betroffenen Gerechtigkeit zu verschaffen und das Sicherheitsgefühl in unserer Stadt wiederherzustellen. Die Berliner stehen in diesen Stunden zusammen – in Trauer, aber auch in der Entschlossenheit, dass Hass und Gewalt unsere offene Gesellschaft nicht besiegen werden.
- Ein Mensch starb
- 16 Verletzte, darunter drei lebensgefährlich
- Ein mutmaßlicher Täter identifiziert
- Fahndung nach Abdul B. läuft
- Ermittlungen zu möglichen Komplizen
- Aufklärung des Motivs noch nicht abgeschlossen
| Details | Informationen |
|---|---|
| Verdächtiger | Abdul B. |
| Alter | 21 Jahre |
| Herkunft | Libanesisch, gebürtig in Berlin |
| Größe | 1,90 Meter |
| Bekleidung | Schwarzer Hoodie, weiße Hose |
| Status | Gesucht, möglicherweise bewaffnet |