Die Luft im frisch sanierten Neckarstadion ist am Sonntagabend erfüllt von einer besonderen Mischung aus Zuversicht und Ehrgeiz. Mehr als tausend Mitglieder des VfB Stuttgart sind zur jährlichen Versammlung gekommen, und was ihnen Vorstandschef Alexander Wehrle präsentiert, sind mehr als nur trockene Zahlen. Es ist die Bestätigung einer beispiellosen Erfolgsstory. 383,6 Millionen Euro Gesamtertrag, ein Gewinn von 22,5 Millionen Euro und ein stolzes Eigenkapital von über 83 Millionen Euro – diese Bilanz für das Geschäftsjahr 2025 ist die finanzielle Grundlage für einen mutigen Blick in die Zukunft. Und dieser Blick könnte schon bald zwei neue Gesichter im Trikot der Schwaben zeigen.
Nach Informationen der „Bild“-Zeitung bereitet der deutsche Vizemeister und Pokalfinalist einen Transfer-Doppelschlag vor. Im Fokus stehen der Angreifer Dzenan Pejcinovic vom VfL Wolfsburg und der slowakische Flügelstürmer Leo Sauer von Feyenoord Rotterdam. Der Aufsichtsrat des Vereins habe die finanziellen Mittel für Transfers im Volumen von rund 30 Millionen Euro bereits freigegeben. Dies markiert eine neue Dimension für den VfB, der sich in den vergangenen Jahren vor allem durch kluge Scouting-Arbeit und die Entwicklung junger Talente profilierte.
Hintergrund: Von der Sanierung zur Stärkung
Der Weg zu diesen rekordverdächtigen Zahlen war lang und steinig. Noch vor wenigen Jahren kämpfte der VfB Stuttgart finanziell ums Überleben und sportlich gegen den Abstieg. Eine strenge Sanierungspolitik, disziplinierte Haushaltsführung und schließlich der sportliche Aufschwung unter Trainer Sebastian Hoeneß haben den Verein auf solide Füße gestellt. Der Gewinn von 22,5 Millionen Euro nach Steuern ist dabei kein Zufallsgewinn, sondern das Ergebnis einer strategischen Konsolidierung. „Wir haben unseren Plan konsequent umgesetzt“, betonte Wehrle gegenüber den Mitgliedern. Dieser Plan sieht nun offenbar vor, die neu gewonnenen Stärken zu nutzen, um gezielt in die Sportlichkeit zu investieren.
Das Interesse an Dzenan Pejcinovic ist kein Geheimnis. Der 24-jährige Stürmer gilt seit langem als Wunschspieler für das Sturmzentrum. Nach übereinstimmenden Medienberichten hat der VfB sein Angebot an den VfL Wolfsburg kürzlich auf 20 Millionen Euro plus mögliche Bonuszahlungen erhöht. Die Wolfsburger halten jedoch an einer Ablösesumme von rund 25 Millionen Euro fest. Bei Leo Sauer, dem 20-jährigen Nationalspieler, bewegen sich die Schätzungen bei etwa zehn Millionen Euro. Allerdings hat der VfB hier Konkurrenz von der TSG 1899 Hoffenheim und dem portugiesischen Top-Klub Benfica Lissabon.
Die Bedingung: Verkaufen für den Kauf
Die Millionen für mögliche Neuzugänge sind jedoch nicht bedingungslos. Laut Bericht ist die Freigabe an eine wichtige Klausel geknüpft: Der Verein muss im Sommer auch eigene Transfererlöse erzielen, um die Investitionen zu finanzieren. Diese Vorgehensweise spiegelt eine weiterhin verantwortungsvolle Transferpolitik wider. Man will nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen, als hohe Ausgaben den Verein in existenzielle Schwierigkeiten brachten.
„Die sportliche Entwicklung gibt uns natürlich neue Möglichkeiten, aber die finanzielle Vernunft bleibt oberstes Gebot“, erklärte ein Insider aus dem Umfeld des Vereins. Im Zentrum der Verkaufsspekulationen stehen derzeit zwei Leistungsträger: der kreative Mittelfeldspieler Bilal El Khannouss und Abwehrchef Angelo Stiller. Beide sind Schlüsselfiguren im System von Hoeneß und entsprechend hoch ist ihr sportlicher Wert. Bislang liege jedoch für keinen der beiden Spieler ein formelles, konkretes Angebot vor, so die „Bild“. Dies zeigt die schwierige Gratwanderung, vor der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth und sein Team stehen: Einerseits soll die erfolgreiche Mannschaft gestärkt werden, andererseits könnte genau das den Verlust wichtiger Säulen bedeuten.
Was ein Doppelschlag für den VfB bedeuten würde
Die Verpflichtung von Pejcinovic wäre eine klare Ansage. Er wäre nicht nur ein teures, sondern auch ein erfahrenes Zugeständnis an die Offensivabteilung. Sein Spielstil als körperlich starker und torgefährlicher Mittelstürmer würde dem VfB eine neue Variante geben. Leo Sauer wiederum verkörpert den Typus des jungen, dynamischen Flügelspielers, den der VfB in der Vergangenheit erfolgreich entwickelt hat. Beide Transfers würden die Tiefe und Qualität im Angriff signifikant erhöhen und den Verein für die anspruchsvollen Aufgaben der Champions League wappnen.
Für die Fans in den Stadtteilen von Bad Cannstatt bis Degerloch wäre ein solcher Coup ein starkes Signal. Es würde zeigen, dass der VfB nicht nur zurück an der nationalen Spitze ist, sondern auch bereit, dort zu bleiben. Die hervorragende wirtschaftliche Lage gibt dem Verein die Chance, diesen Schritt zu gehen – jedoch ohne die solide Basis aufs Spiel zu setzen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich die spektakulären Pläne in die Tat umsetzen lassen oder ob der Transfermarkt doch seine eigenen, oft überraschenden Regeln schreibt. Eins ist sicher: Der VfB Stuttgart geht gestärkt in einen der wichtigsten Sommer seiner jüngeren Geschichte.
Wichtige Punkte zur finanziellen Situation des VfB Stuttgart
- 383,6 Millionen Euro Gesamtertrag
- Gewinn von 22,5 Millionen Euro
- Eigenkapital von über 83 Millionen Euro
- Finanzielle Mittel für Transfers von rund 30 Millionen Euro
- 20 Millionen Euro für Dzenan Pejcinovic
- Schätzungen für Leo Sauer bei etwa 10 Millionen Euro
Transferziele des VfB Stuttgart
| Name | Position | Aktueller Verein | Preisvorstellung |
|---|---|---|---|
| Dzenan Pejcinovic | Angreifer | VfL Wolfsburg | 20 Millionen Euro + Bonus |
| Leo Sauer | Flügelstürmer | Feyenoord Rotterdam | ca. 10 Millionen Euro |